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„Exzellenter Journalismus“ hat einen Namen

Februar 20, 2009

Ein Journalist – und die zuständige Zeitung – darf keine Volkshetze betreiben. Er darf bzw. sollte nicht die allgemeingültigen Kriterien für den Journalismus mit Füßen treten.

Yusuf Ekiz | TimeTurk | Deutschland

Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau sprach Anfang 2004 bei der Jahrestagung des „Netzwerks Recherche“ von zehn Gebote für guten Journalismus. Darunter nannte er die Punkte Wahrheitstreue und Verantwortung. Rau sagte „Journalisten sollen die Wirklichkeit abbilden“ und sie sollen „Verantwortung tragen für das, was sie tun“. Diesen Punkten kann jeder Mensch nur zustimmen. Dafür sind doch auch Medien da, nämlich zur Informationsvermittlung und Aufklärung.

Damit brüstet sich auch Axel Springer. Auf der Internetpräsenz ist die Rede vom „Exzellenten Journalismus“ das informativ und unterhaltsam die Menschen informiert. Axel Springer ist eines der größten Verlage in Deutschland mit der auflagenstärksten Tageszeitung in Europa, der Bild. Über die Seriosität brauchen wir nicht streiten, die ist wohl eindeutig nicht vorhanden, geschweige den „Exzellenter Journalismus“. Jedoch hat auch Journalismus, und sei es im Auftrag der „Aufklärung“, seine Grenzen. Sie ist spätestens bei der Volkshetze und Diffamierung zu ziehen.

Die Bild hat intensiv über den so genannten „Eklat in Davos“ berichtet. Der türkische Ministerpräsident Erdogan habe seine Emotionen nicht bremsen können und fatal reagiert. Des weiteren hieß es – und das ist ein sehr schwerwiegender Vorwurf – Erdogan hätte antisemitische Parolen benutzt und gegen die Israelis gehetzt, er habe implizit die Juden angegriffen. Genau so ist die Pointe von Bild in der Berichterstattung, und nichts anderes. Den Höhepunkt des Hasses erzeugt das Bild des Türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, das noch immer auf der Internetseite zu sehen ist. In dem Bild ist Erdogan mit einem „beinahe“ Hitlergruß zu sehen. Vielleicht war dies wirklich nur ein Schnappschuss, aber dann ein wirklich fataler. Irgendwie denken wir in diesem Zusammenhang wieder an Rau, der das Benutzen des Kopfes als ein weiteres Kriterium für (zumindest) guten Journalismus, geschweige denn exzellenten, sieht.

Ein Journalist – und die zuständige Zeitung – darf keine Volkshetze betreiben. Er darf bzw. sollte nicht die allgemeingültigen Kriterien für den Journalismus mit Füßen treten. Ferner darf er nicht das tun, was er eigentlich anprangert, nämlich „Hass“ predigen. Wenn all dies nicht bedacht wird, so kann nicht von „exzellentem Journalismus“ oder überhaupt von Journalismus gesprochen werden. Die nun betriebene Volkshetze von Bild ist – um es sanft auszudrücken – eine Hasspredigt gegen den türkischen Ministerpräsidenten. Erdogan betont immer wieder in seinen Reden die Wichtigkeit des Zusammenlebens. Nicht die Juden, sondern der israelische Staat sei der Übeltäter. Das wurde immer wieder von Erdogan betont, jedoch von Bild anscheinend nicht so richtig verstanden.

Der Vorsitzende des Vereins für Qualität im Journalismus in Basel Philip Cueni definiert in seinem Text „Was ist heute guter Journalismus?“ exzellenten Journalismus wie folgt: Der Journalismus muss hinterfragen, in schummrige Sphären leuchten, Schwachpunkte aufdecken, Missstände aufzeigen, verunsichern, kritisieren. Jedoch betont er das Journalisten auf alle Fälle zumindest bemüht sein müssen, die Wahrheit zu publizieren – und nicht bewusst zu lügen.

Die NS-Zeit ist eine schwarze und schreckliche Epoche in der deutschen Geschichte. Es wurden viele Gewalttaten verübt, die zuvor sorgfältig geplant worden. Die Planung ging mit einer äußerst sorgfältigen Propaganda einher, der Propagandamaschinerie von Goebbels. Es wurde in den „Medien“ Volkshetze betrieben um gegen die Juden anzustacheln. Es wurden Lügen verbreitet, die von der Masse gelesen, gehört und gesehen wurden. Damals empfanden das viele auch als „Exzellenten Journalismus“.

Traurig, aber wahr.

One Comment leave one →
  1. März 17, 2010 10:35 am

    Das habe ich so noch gar nicht gesehen. Der Ansatz ist sicherlich interessant. Da haben wir neulich noch auf der Arbeit drüber diskutiert.

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