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Die „Road Map“ führt nach Armageddon

August 5, 2006

US-Evangelikale und der Libanon-Konflikt

Bomben auf Beirut, Katjuschas auf Haifa: Die evangelikalen Christen in den USA sehen im aktuellen Nahost-Konflikt den Anfang vom Ende, soll doch in Israel der Showdown zwischen Gut und Böse stattfinden. Deshalb unterstützen sie Israel – damit die Welt wie vorgesehen untergehen kann.

Von Julia Leonhard

Nächtlicher Luftangriff auf Tyrus im Libanon

[Bildunterschrift: Ist das schon die letzte Schlacht? Nächtlicher Luftangriff auf Tyrus im Libanon? ]

Die Bilder aus dem Nahen Osten, die sie seit drei Wochen im Fernsehen verfolgt, findet Margaret Stratton bedauerlich, aber erwartbar. „Was zur Zeit mit Israel und seinen Nachbarn passiert, wurde doch schon in der Bibel prophezeit“, sagt die Pastorin der Robinson Drive Methodist Church. Ihre Gemeinde im texanischen Waco betet für den Frieden im Nahen Osten, ohne so recht daran zu glauben. Denn für Frieden, so die konservativ-evangelikalen Christen, müsse es erst einmal Krieg geben -endgültig, blutiger als je zuvor. Ihre „Road Map“ führt nach Armageddon.

Die letzte Schlacht hat längst begonnen

Für Strattons Gemeinde und Millionen Amerikaner hat die letzte Schlacht längst begonnen. Bis zu einem Viertel aller US-Bürger, so Schätzungen des Pew Research Center, sind Evangelikale und glauben an die wortwörtliche Auslegung der Bibel – auch daran, dass der Showdown zwischen Gut und Böse in Israel stattfinden muss.

Schon mit der Gründung des Staates 1948 beginnt sich für die Mehrheit der Evangelikalen die biblische Vorhersage zu erfüllen, an deren Ende Tod und Zerstörung aller Nichtchristen, aber auch die Wiederkehr Jesu nach Jerusalem und ein tausendjähriger Frieden stehen.Die israelischen Truppen im Südlibanon, die iranischen Raketen in Nordisrael – alles Vorboten des Anfangs vom ersehnten Ende.

Israel als Bühne für die Endzeitschlacht

John Hagee

[Bildunterschrift: „Keinen Cent für die Feinde Israels“, fordert John Hagee]

Bis es aber soweit ist, brauchen die Evangelikalen den Staat Israel in seinen bestehenden Grenzen: als Bühne für die Endzeitschlacht. „Israel ist die einzige Nation, die von Gott erschaffen wurde“, so sagt es John Hagee, und Jerusalem deshalb auf ewig seine ungeteilte Hauptstadt. Der Pastor der 18.000 Mitglieder zählenden Cornerstone Church im texanischen San Antonio ist einer der einflussreichsten Evangelikalen in den USA.

In seinem Besteller „Jerusalem Countdown“ entwirft er ein krudes Endzeit-Szenario, in dem Russland und die muslimischen Länder gemeinsam Israel angreifen. Nach allerlei weiteren Verwicklungen und Kriegen,
unter anderem mit dem Oberhaupt der Europäischen Union als Antichrist gegen Truppen der Briten und der Amerikaner, kehrt Jesus auf die Erde zurück und errichtet sein ewiges Königreich in Jerusalem.

„Kein Cent für die Feinde Israels“

600.000 Menschen haben Hagees Buch bereits gekauft; möglichst viele davon will er in seine neueste Lobbyorganisation „Christians United for Israel“ einbinden. Denn evangelikale Christen werden politisch immer aktiver. Mitte Juli, kurz nach Beginn des israelisch-libanesischen Konfliktes, trafen sich erstmals 3500 Evangelikale aus allen US-Bundesstaaten in Washington. „Wir wollen die US-Regierung ermahnen, Israel in keinster Weise bei der Verfolgung von Hamas und Hisbollah zu behindern“, so Hagee. „Wir wollen sicherstellen, dass der Kongress keinen einzigen Cent für die Feinde Israels ausgibt.“ Hagee behauptet von sich, für 40 Millionen Amerikaner zu sprechen.

Evangelikale bilden wichtige Wählergruppe

Katjuscha-Raketen

[Bildunterschrift: Israel als Bühne für die Endzeitschlacht: Bilden die Katjuscha-Raketen den Prolog? ]

Gehör finden die „Christians United“ vor allem bei der Republikanischen Partei, die seit langem erfolgreich auf den konservativen Teil der Evangelikalen setzt. Prominenter Gast des Banketts der „Christians United“ war Rick Santorum, einer der wichtigsten Republikaner im US-Senat, der bei den Kongresswahlen im November um seine Wiederwahl
kämpfen muss. Auch Ken Mehlman, Leiter des republikanischen Parteitags, warb mit den Worten „egal ob Christ, Jude oder Muslim, Amerikaner,Japaner oder Inder – wer die Freiheit liebt, ist heute Israeli“ um evangelikale Wählerstimmen.

Schon bei den Präsidentschafts- und Kongresswahlen 2004 hatten evangelikale Wähler eine wichtige Rolle gespielt: elf Bundesstaaten hielten gleichzeitig mit der Wahl Referenden zum Thema Homoehe ab, was besonders viele erzürnte konservative Christen an die Wahlurnen trieb.Manch ein Republikaner mag nun im Stillen darauf hoffen, dass das Thema
Israel in diesem Jahr einen ähnlichen Mobilisierungseffekt erzielen wird. Auch deshalb, weil der Präsident in anderen Herzensangelegenheiten der Evangelikalen in letzter Zeit wenig ausrichten konnte.

Hohe Spendenbereitschaft

Neben Wählerstimmen können evangelikale Lobbyisten auch auf die hohe Spendenbereitschaft ihrer Anhänger setzen. Die „International Fellowship of Christians and Jews“ etwa, eine jüdisch-christliche Lobbygruppe, hat alleine 2004 rund 20 Millionen Dollar an Spendengeldern erhalten – die meisten davon von evangelikalen Christen, schätzt Präsident Yechiel Eckstein.

Solch eine jüdisch-evangelikale Allianz scheint auf den ersten Blick unwahrscheinlich. Können Juden doch im Armageddon nach der evangelikalen Weltsicht nur überleben, wenn sie konvertieren. Viele amerikanische Juden finden diese Theologie befremdlich. Auch sonst liegen Welten zwischen beiden Gruppen: Anders als die konservativen Christen wählen amerikanische Juden häufiger die liberaleren Demokraten. Nur bei der Unterstützung Israels haben sie eine gemeinsame Linie.

Auf die Perspektive kommt es an

Doch beim Umgang mit der Armageddon-Lobby kommt es für manche nur auf die richtige Perspektive an. Israels Botschafter in den USA, Daniel Ayalon, nahm ebenfalls am Bankett der Christians United for Israel teil und freute sich über die Unterstützung für seine Regierung. Die Frage, ob denn nun die erste Ankunft des Messias nahe, wie die Juden glauben, oder vielmehr seine Wiederkehr, wie die Evangelikalen es sehen, stelle sich jetzt nicht. „Wenn der Messias erscheint, dann werden wir ihn eben einfach fragen, ob er zum ersten Mal kommt oder ob er nur zurückgekehrt ist. Ob wir also alle Juden oder alle Christen sind. Und solange er nicht gekommen ist, lasse ich mir darüber keine grauen Haare wachsen.“

[rockyou id=62167440&w=426&h=320]

Lets Not Forget: Bush Planned Iraq ‘Regime Change’ Before Becoming President
Palästinenser zahlen Zeche für Sünden der Europäer
Armageddon Ready?

weitere links zum thema
American evangelists see God at work in Israel
John Hagee Ministries
Christians offering an alternative to the biblical and political distortions of Christian Zionism
Will God defend Middle East Jews during earth’s battle?
Christian Zionist group meeting in Washington downplays end-times prophecy

quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5782498_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html

4 Kommentare leave one →
  1. August 5, 2006 11:18 am

    Klar die echten Fundamentalisten sind die USA, dazu muss man nur AFN (den US-Militärsender der ja weiträumig in Deutschland zu empfangen ist) hören, am besten sonntags. Dann wird einem schnell klar, was hier gespielt wird.

  2. M. Droska permalink
    August 8, 2006 9:00 pm

    Warum sind denn die Amerikaner eigendlich so vehement gegen die atomare Aufrüstung des Iran. Sie sollten doch froh sein,wenn der Iran die Atombombe entwickelt. Dann kommen sie doch ihrem Ziel, dem Weltuntergang, schneller näher. Und Geld sammeln brauchen sie dann auch nicht.Und den Antichrist kann man in den USA des öffteren im TV betrachten. Denn Bush tritt dort häufig auf und belügt die Welt.

  3. Philip permalink
    November 26, 2007 9:47 pm

    Hallo Leute,

    also ich muss da wohl ein paar Sachen klar stellen. Ich bin auch evangelikal, aber für die sogenannte „religiöse Rechte“ in den USA habe ich absolut überhaupt keine Sympathie.

    Der Interpretation, dass die Schlacht von Harmagedon direkt bevor steht, halte ich für sehr gewagt. Und selbst wenn, dann sind wir als Christen immer noch dazu verpflichtet, zu jeder Zeit Frieden zu stiften. Man kann hier nicht plötzlich die grundlegenden Prinzipien über Bord werfen.

    Und die Schlacht von Harmagedon wird sowieso von Gott und seinen Engeln geführt, diese militärischen Aktionen von Bush & Co im Nahen Osten sind also aus meiner christlichen Sicht völlig irrsinnig und gegen Gottes Willen gerichtet.

    Was im Moment in den USA passiert ist, dass sich manche Christen für nichtchristliche Ziele instrumentalisieren lassen und Irrlehrern nachfolgen. Das passiert in der Geschichte leider nicht zum ersten Mal und es wird auch weiterhin passieren.
    Hier die passende Bibelstelle:
    http://www.bibel-online.net/buch/40.matthaeus/7.html#7,15

  4. Philip permalink
    November 27, 2007 5:38 pm

    Hier noch ein passender Link zum Thema:
    http://www.aref.de/news/allgemein/2002/israel_warnung-vor-einseitigkeit.htm

    Deshalb bitte etwas differenzierter Vorgehen. Aber ich weiß, man verfällt sehr leicht in die Versuchung, Ressentiments gegen eine ganze Gruppierung zu schüren.

    Dass da jetzt einer mit Endzeitvisionen kommt wird medial natürlich aufgebläht und ausgeschlachtet.

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