Skip to content

’Das sind ganz normale Menschen wie wir’

Februar 20, 2009

Ein ehemaliger Guantanamo-Wachmann berichtet öffentlich über Misshandlung Gefangener.

Feyzullah Bahçi | TimeTurk | Deutschland

In Guantanamo werden über 600 Gefangene aus über 40 Ländern festgehalten, die sich dort teilweise bereits über ein Jahr befinden. Angeblich würden, so das Pentagon, in das Lager nach Kuba nur die gefährlichsten der gefährlichen al-Qaida- oder Taliban-Kämpfer gerbacht, um verhört zu werden. Die Gefangenen haben keine Rechte, beispielsweise auf einen Rechtsbeistand oder auf einen Prozess, sie werden völlig willkürlich festgehalten und nach Belieben, wenn überhaupt, wieder freigelassen. Selbst der Status von Kriegsgefangenen wurde ihnen verwehrt. Die US-Regierung sicherte nur zu, die Gefangenen sozusagen freiwillig human zu behandeln. Für einen Rechtsstaat, der Freiheit und Demokratie gegenüber Terroristen und Diktatoren verteidigen will, ist das inakzeptabel, gleichzeitig stärkt diese Willkür – auch bei anderen Gefangenen in Afghanistan – natürlich die antiamerikanische Stimmung vornehmlich in den arabischen Ländern.

Nun sprach ein Wärter über seinen ’Ehren-Job’ für sein Land. Man haellt die schlimsten aller schlimmen dort. Die jenigen, die am 11. September den Faden in de Hand hielten.

Der junge Gefreite Brandon Neely hatte Angst, als er im US-Gefangenenlager Guantanamo die ersten gefesselten Häftlinge aus einem Bus holte. Ihm und anderen Wachleuten war gesagt worden, es handele sich um bösartige Terroristen. Neely ergriff nach eigenen Angaben einen zitternden älteren Häftling und drückte dessen Gesicht auf den Zementboden.

Reihe von Misshandlungen

Dies sei die erste einer ganzen Reihe von Gefangenen-Misshandlungen gewesen, an denen er in den ersten Monaten nach der Errichtung des Lagers auf Kuba Ende 2001 beteiligt gewesen sei oder die er beobachtet habe, sagt Neely.

Der ehemalige Soldat berichtete jetzt erstmals über das, was er in dem Lager erlebt hat. Der 28-Jährige ist einer der ersten Wachleute, die zu den Vorgängen in Guantanamo Stellung bezogen. Neely äußerte sich im Rahmen eines Projekts der Universität von Kalifornien, das Misshandlung von Gefangenen in dem umstrittenen Lager dokumentiert.

Schuld und Scham

Der stämmige Texaner war sechs Monate als Wachmann in dem Lager tätig. Danach diente er ein Jahr lang im Irak. Im vergangenen Jahr verließ er die Streitkräfte und arbeitete in Houston bei der Polizei.
Er empfinde Schuld und Scham darüber, wie die Gefangenen von einigen Soldaten behandelt worden seien, sagte Neely.

Seine Schilderungen beschreiben das Chaos der ersten Monate, als die Soldaten noch keine klaren Richtlinien für den Umgang mit den Gefangenen hatten und diese noch in Käfigen untergebracht waren. Die Haftbedingungen hätten sich aber rasch geändert, als Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) das Lager besucht hätten.
Militärsprecherin lehnt Stellungnahme ab
Die Regierung von US-Präsident George W. Bush hatte das Lager auf dem Luftwaffenstützpunkt Guantanamo nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zur Unterbringung Terrorverdächtiger errichtet. Die Zustände in dem Lager gerieten rasch in die internationale Kritik.
Die Häftlinge wurden über Jahre ohne offizielle Anklage und ohne ausreichenden Rechtsbeistand festgehalten. Außerdem gab es immer wieder Berichte über Misshandlungen und Demütigungen der Gefangenen.
Der neue Präsident Barack Obama will das Lager – wie im Wahlkampf versprochen – nun innerhalb eines Jahres schließen. Zurzeit sind dort ’nur’ noch etwa 245 Häftlinge untergebracht.

Nie vom Prinzip der Rechtsstaatlichkeit abweichen

„Wenn wir eine Lehre aus Guantanamo ziehen, dann die, dass wir niemals vom Prinzip der Rechtsstaatlichkeit abweichen dürfen“, betont Jennifer Daskal von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.
Neely sagte, er schäme sich persönlich dafür, wie schlimm er am ersten Tag den älteren Gefangenen behandelt habe, nur weil dieser sich ihm ein wenig widersetzt habe. Erst später habe er von einem anderen Gefangenen erfahren, dass der Mann geglaubt habe, er werde hingerichtet.’Das sind einfache Menschen, genau so wie wir‘, sagte Neely mehrmals.

Soldaten haben Dienst „ehrenhaft“ verrichtet

Neely berichtete auch von Kameraden, die Häftlinge geschlagen und auf andere Weise misshandelt hätten. Dies sei nur geschehen, um den Gefangenen körperliche und psychische Schmerzen zu bereiten.

Den Gefangenen hatte man gesagt, sagte Neely, dass eine Atombombe auf ihr Land gezielt worden ist, dass in ihr Land niemand mehr leben würde auch nicht ihre Familie. Manche Soldaten haben sogar den Gefangen mehrmals gesagt, dass sie hingerichtet werden würden.

Neely erinnert sich noch sehr gut auf die Spezielle Misshandlungen beim Gebet der Gefangen.
Soldaten hätten beim Ezan (Gebetstuf) die Gefangen ausgelacht, viele hätten gleichzeitig gesungen. Man ging sogar soweit, dass man beim Gebet die Gefangen mit Wasser besschüttelt hat.

Eine Sprecherin des Gefangenenlagers, Fregattenkapitän Pauline Storum, sagte zu den Vorwürfen, sie wolle sich nicht zu den Erinnerungen einer einzelnen Person über Geschehnisse vor sieben Jahren äußern: „Tausende unserer Soldaten haben hier ihren Dienst unter schwierigen Umständen ehrenhaft verrichtet.“

Text: TimeTurk, AP

No comments yet

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: