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Die Hamas wird gewinnen“

Januar 12, 2009

Israel: Friedenskämpfer Avnery über Gaza
„Die Hamas wird gewinnen“

Der israelische Friedensaktivist und Autor Uri Avnery greift die Regierung seines Landes an: Sie führe einen „Wahlkrieg“ im Gaza-Streifen. Gleichzeitig warnt der Träger des Alternativen Nobelpreises davor, dass die Hamas auch bei einer militärischen Niederlage ihre Ziele erreichen werde.
Interview: Oliver Das Gupta

Uri Avnery kam 1923 als Helmut Ostermann in der Nähe von Münster zur Welt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte seine jüdisch-deutsche Familie 1933 nach Palästina. Im damaligen Mandatsgebiet kämpfte er mit der zionistischen Terrorgruppe Irgun gegen die britische Obrigkeit.

Seit der Gründung Israels 1948 setzt er sich für die Koexistenz zweier Staaten ein: Israels und Palästinas, mit Jerusalem als gemeinsamer Hauptstadt. Avnery leite viele Jahre ein Nachrichtenmagazin, wurde mehrmals als Abgeordneter in die Knesset gewählt und sorgte immer wieder mit Aktionen für Aufsehen.

So nahm er bereits in den siebziger Jahren Kontakt mit der PLO auf und stellte sich 2003 als „menschlicher Schutzschild“ vor den Amtssitz Jassir Arafats, weil er eine Ermordung des damaligen Palästinenserpräsidenten fürchtete.

Für sein Friedens-Engagement wurde der inzwischen 85-Jährige mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, unter anderem erhielt er 2001 den Alternativen Nobelpreis.

Gegen den israelischen Militäreinsatz gegen die Hamas demonstriert Uri Avnery seit Beginn des Krieges. Auch nach dem Telefoninterview mit sueddeutsche.de wollte er wieder auf die Straße gehen.

sueddeutsche.de: Herr Avnery, Der übergroße Teil der jüdisch-israelischen Bevölkerung steht hinter dem Krieg gegen Hamas. Wie kommt es, dass die innerisraelische Kritik am Krieg im Gaza-Streifen so leise ist?

Uri Avnery: Sie hören vielleicht wenig in Deutschland, aber die Kritik in Israel an dem Krieg ist laut. Die Medien verschweigen oft Proteste. Am Tag, als die Bodenoffensive begonnen hat, haben wir zu vielen Tausenden im Zentrum von Tel Aviv gegen den Krieg demonstriert. Jeden Tag gehen wir auf die Straße, auch drei Stunden nach diesem Interview.

sueddeutsche.de: Ihre Friedensdemonstration in Tel Aviv stieß auf heftigen Gegenprotest …

Avnery: … von faschistischen Elementen …

sueddeutsche.de: … von rechtsgerichteten Israelis, die Sie als Verräter beschimpften. Warum ist die israelische Gesellschaft dermaßen polarisiert?

Avnery: Israel ist ein demokratischer Staat, wir haben eine pluralistische Gesellschaft. In Deutschland gibt es Neonazis, warum sollen wir keine haben?

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