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Schurkenhafter Kapitalismus Loretta Napoleoni kritisiert die „Die Zuhälter der Globalisierung“

September 22, 2008

Schurkenhafter Kapitalismus Loretta Napoleoni kritisiert die „Die Zuhälter der Globalisierung“

Heuschrecken-Alarm!

Ihr letztes Buch, „Die Ökonomie des Terrors“, war ein weltweiter Bestseller. Darin hatte Loretta Napoleoni die finanziellen Verflechtungen des internationalen Terrorismus offengelegt. Jetzt legt die Ökonomin nach. In ihrem neuen Buch „Die Zuhälter der Globalisierung“ geht es weniger um Schurkenstaaten, als vielmehr um schurkenhaften Kapitalismus. Sie schildert, wie die brutale Spielart des Kapitalismus unser Leben verändert und wie sie sich hat derart ausbreiten können.


Loretta Napoleoni lebt als Italienerin in London. Sie ist Bestsellerautorin, Journalistin, Wirtschaftswissenschaftlerin. Und sie sagt: Unsere Welt ist am Ende. „Wir haben genau dasselbe bereits während der industriellen Revolution, der Weltwirtschaftskrise 1929 und auch im Römischen Reich gesehen“, so Loretta Napoleoni. Die Schurkenwirtschaft stellt unsere Welt komplett auf den Kopf und es gibt nur wenig, was wir dagegen tun können. Die Welt, die jetzt geformt wird, hat fast nichts mehr mit der Welt zu tun, in der wir derzeit noch leben.“

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„Es gibt keine Regeln mehr“

Loretta Napoleoni hat selbst viele Jahre für Banken und Wirtschaftsunternehmen gearbeitet. Doch das waren verglichen mit heute – wie sie sagt – ruhige Zeiten. In ihrem neuen Buch „Die Zuhälter der Globalisierung“ zeichnet sie ein düsteres Bild. Mafiosi, skrupellose Banker, korrupte Politiker – sie alle eint die Gier nach immer mehr. „Es ist heute sehr viel einfacher für das Verbrechen und die illegalen Geschäftemacher, die normale Wirtschaft zu kontaminieren“, sagt Napoleoni. „Ich nenne das Kontaminierung, das ist viel mehr als nur Einfluss zu nehmen, denn es gibt keine Regeln mehr. Wir leben in einer deregulierten Welt. Wer soll diese Kontaminierung noch unterbinden? Da ist nichts und niemand mehr, der sie stoppen würde.“ Diese Entwicklung beginnt für Napoleoni mit dem Fall der Mauer. Im Osten entsteht ein Machtvakuum. Die Folge sind Vetternwirtschaft und eine fatale Politik. Sie begünstigen beispielsweise die Enstehung der Russenmafia.

Loretta Napoleoni

„Nach dem Fall der Berliner Mauer gab es eine regelrechte Flut von Prostituierten aus den ehemaligen kommunistischen Staaten“, so die Journalistin. „Daneben gab es auch eine Unzahl von Sexsklaven. Die Mehrheit von ihnen wurde regelrecht gehandelt, und zwar im ehemaligen Westberlin. Von dort wurden sie überall hin verkauft und vermarktet. Das brachte mich auf die Spur. Ich wollte wissen, wie es möglich war, dass der Fall des Kommunismus und der Sieg der Demokratie solch katastrophale Zustände produzierten.“ Solche Zustände lassen sich auch in Hatton Garden, London, finden. Wer hier einkaufen geht, der hat es geschafft – und unterstützt Menschenhändler und Sklaventreiber. Denn statistisch gesehen klebt an vielen Ringen das Blut der Globalisierung. Loretta Napoleoni sieht es. „Sie wissen nichts über die Herkunft Ihres Eherings, zum Beispiel“, erläutert Napoleoni. „Er könnte aus Gold hergestellt sein, das aus der Gegend von Eturi im Ost-Kongo stammt. Dort wird es von Kindersklaven gefördert, die von ihren War-Lords geknechtet werden. Über Uganda wird dieses Gold dann auf die internationalen Märkte geschmuggelt und kann als ugandisches Gold schließlich in jedem dieser Shops liegen. Und Sie merken es nicht einmal.“

Loretta Napoleoni beschreibt unsere Welt als übermächtige Matrix, in die beinahe jeder wissentlich oder unwissentlich verstrickt ist. Noch vor ein paar Jahrzehnten war die Herkunft vieler Produkte bekannt. Heute kennt sie niemand und damit auch nicht die furchtbaren Geschichten des Profits und der Ausbeutung, die manchmal dahinter stecken. Das will sie ihren Lesern bewusst machen. Und, dass ein Ausstieg theoretisch möglich wäre. „Wie das Leben außerhalb der Matrix ist?“, fragt Loretta Napoleoni. „Das Leben außerhalb dieser Matrix ist hart. Denn du musst viel mehr für deine Produkte zahlen und auf viele der Annehmlichkeiten der Globalisierung verzichten. Zum Beispiel auf den sofortigen Zugang zu jedem Produkt, das du bekommst, indem du einfach nur um die nächste Ecke gehen musst.“ Eins ihrer Beispiele belegt, 70 Prozent der in England verspeisten Fische kommen aus illegalen Fängen, zumeist der Russenmafia. Die übernahm die sowjetische Handelsflotte. An Fangquoten hält sie sich nicht.

„Das islamische Finanzsystem überlebt das Westliche“

Napoleoni vor Juwelierläden in Hatton Garden

Höchstens noch zehn Jahre, so Napoleoni, hält das westliche Wirtschaftssystem. Die US-Immobilienkrise, der ins Unermessliche steigende Ölpreis sind für sie bereits die Boten vom Ende. Was nur wenige wissen: Es gibt ein alternatives Geldsystem, das das unsrige überleben könnte. „Das islamische Finanzsystem“, sagt Napoleoni. „Das hat einen Ethikcode, den wir schon längst verloren haben. Es ist ein Fakt, dass das islamische Wirtschaftssystem das einzige weltweit ist, das nicht von der US-amerikanischen Immobilienkrise betroffen ist. Wenn es dort einen Zusammenbruch gibt, sind sie die einzigen, die das überleben werden. Und der Grund dafür, dass die islamische Geldwelt nicht mitgemacht hat, ist, dass es illegal und unethisch, durch die Scharia sogar verboten ist, in Geldprodukte zu investieren, die nur auf Zinsen basieren und Geld aus Geld machen.“ Der Islam als Vorbild? Auch hierzulande wird die Politik der ungezügelten Wirtschaft wieder Einhalt gebieten müssen. Da ist sich Napoleoni sicher. Doch ändern wird das nichts daran, dass der Westen an Bedeutung verliert.

„Meine Kinder werden die Proletarier der neuen Welt sein, ich weiß das“, sagt die Journalistin. „Deshalb bereite ich sie heute schon auf diese Rolle in der Gesellschaft vor. Und ich sage meinen Kindern: Findet euer Glück im Kleinen. Versucht bloß nicht, das zu erreichen, was meine Generation versucht hat zu erreichen.“ Den Umbruch unserer Gesellschaft vergleicht Loretta Napoleoni mit den Folgen der industriellen Revolution. Und wer das nicht glaubt, der soll in die Zeitung schauen und die Zeichen lesen.

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