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Humanitäre Folgen der Krise

Februar 15, 2008

Dass die Abriegelungs-, Unterdrückungs- und Isolationspolitik gegenüber der Hamas zur einer kollektiven Bestrafung der gesamten Bevölkerung des Gaza-Streifens umgewandelt wurde, hat humanitäre Folgen hervorgebracht, die jahrelang nicht geheilt werden können.
Die grundlegenden Ziele der kollektiven Bestrafung der Bevölkerung des Gaza-Streifens, der zwei Drittel aus Flüchtlingen besteht, sind:
1. die Bevölkerung des Gaza-Streifens dazu zu bringen, sich von der Hamas zu distanzieren,
2. die Verhandlungsmacht der palästinensischen Seite zu schwächen,
3. den bewaffneten Widerstand gegen Israel durch eine Politik der Blockade, des Drucks und der Isolation zu brechen.
Dass der mit einer vielfältigen Einschüchterungspolitik herbeigerufene Prozess in einer humanitären Katastrophe endete, wurde von der internationalen Gemeinschaft als eine vernünftige Methode hingenommen.

humanitaere lageIndex der Lebenshaltungskosten:
Die Blockade in Gaza hat den Lebensstandart der Menschen in der Region auf das Niveau der Länder an der Armutsgrenze gesunken und das Nationaleinkommen pro Kopf ist auf 385$ zurückgegangen. Obwohl Palästina (Westjordanland und Gaza) bei der Aufstellung der humanitären Entwicklung unter 177 Länder auf Platz 106 liegt, so steht Gaza allein an letzter Stelle der Liste gemeinsam mit Ländern, die an der Armutsgrenze leben. 55 Prozent der privaten Haushalte in Gaza haben kein regelmäßiges Einkommen. Interviews mit Familien in Gaza zeigen, dass nur 3 Prozent der Bevölkerung in den letzten 3 Monaten ein erhöhtes Einkommen hatte, während 60 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr einen großen Einkommensverlust erlitten hat und somit verarmt ist.

Arbeitslosigkeit:
Die Verarmungspolitik hat dazu geführt, dass viele Menschen in zahlreichen Branchen ihre Arbeit verloren haben. So sind 180.000 Beamte heute arbeitslos, da sie ihre Gehälter nicht erhalten konnten. Berücksichtigt man weitere 200.000 Arbeitslose aus anderen Branchen, so sind etwa mehr als 400.000 Menschen in Gaza arbeitslos. Die Arbeitslosenquote der Region liegt bei über 80 Prozent. Die Zahl der Menschen, die ihren Arbeit innerhalb des letzten Jahres verloren haben, sieht je nach Sektor folgendermaßen aus:

Sektor                                                                Zahl der Arbeitslosen
       
Fischer                                                                       5.100               
Arbeiter in der Landwirtschaft                                30.000           
Bauer                                                                         18.000           
Viehzüchter                                                              1.100               
Straßenhändler                                                          20.000           
Taschenhersteller                                                      3.000               
Bauarbeiter                                                                70.000           
Einzelhändler                                                              50.000       
Angestellte in der Stadtverwaltung                           2.600
Angestellte im öffentlichen Dienst                            10.000
Insgesamt:                                                                  209.800   

Energie:
Obwohl die Energie insgesamt gesehen eine technische und ökonomische Frage sein sollte, ist sie in Gaza zu einer politische Waffe und zu einem Motiv für die Verletzung der Menschenrechte geworden. Der Gaza-Streifen verbrauch im Normalfall 187 Megawatt Strom am Tag.  64 Prozent  davon stammt aus Israel, 9 Prozent aus Ägypten und 24 Prozent wird durch das Kraftwerk in Gaza zur Verfügung gestellt. Der Brennstoff für diese Anlage wird gezwungenermaßen aus Israel geliefert. Nach der Machtübernahme der Hamas zerstörte Israel nach und nach die Energie-Infrastruktur in Gaza, reduzierte die Stromlieferung und sorgte mit der militärischen Operation im Sommer 2006 dafür, dass ein teil des Kraftwerks nicht mehr funktionsfähig ist. Seitdem arbeitet das Kraftwerk in geringer Kapazität und seit Oktober 2007 ist nur noch ein kleiner Teil in Betrieb, da der Brennstoff gekürzt wurde. Die Region steht seit dem 20. Januar im Dunkeln. Als die medizinischen Geräte in den Krankenhäusern, die Pumpen im Abwasser- und Trinkwassernetz aufgrund des Treibstoffmangels nicht mehr funktionierten und auch Bäckereien den Betrieb einstellten, ist das normale Leben in Gaza zusammengebrochen. Auf den Druck der internationalen Gemeinschaft wurde die Treibstofflieferung in die Region wieder durchgesetzt, wenn auch nur ein Fünftel des Bedarfs der Region. Damit wurde das tägliche Leben in Gaza in gewisser Hinsicht von den Beschlüssen des israelischen Parlaments abhängiger gemacht.

Gesundheit:
Der Stromausfall erschwerte am Anfang das tägliche Leben und zeigte in den folgenden Wochen dramatische Auswirkungen im Gesundheitsbereich, so dass mindestens 80 Menschen infolgedessen starben. Während der Stromabschaltung standen die Patienten, die in den Krankenhäusern an Maschinen gebunden sind, vor einem Todesrisiko. Alle Operationen in den kleineren Kliniken konnten nicht mehr durchgeführt werden. Derzeit sind nur größere Krankenhäuser in Betrieb.  Auch wenn der Treibstoff- und Medikamentennachschub, der nach dem Abriss der Mauer an der ägyptischen Grenze ermöglicht wurde, eine Erleichterung für einige wenige Monate gebracht hat, so besteht  mittel- und langfristig weiterhin ein ernsthaftes Risiko.
Die willkürlichen Einschränkungen bei früheren Medikamenteneinlieferungen in die Region sorgten dafür, dass heute ein Mangel von mindestens 250 lebenswichtigen Medikamentensorten besteht. Etwa 100 Medikamentensorten sind in den Apotheken nicht mehr zu erhalten, während 130 Sorten nur für einige Monaten ausreichen werden. Viele Operationen werden wegen der mangelnden medizinischen Ausstattung entweder verschoben oder erst gar nicht durchgeführt solange keine Todesgefahr besteht. Auch die Behinderung der Patienteneinlieferungen erhöht das Lebensrisiko vieler kranker Menschen. Insbesondere die Patienten, die über israelische Gebiete nach Jordanien transportiert werden, müssen willkürliche Gebühren zahlen und sind immer wieder Opfer der israelischen Zermürbungspolitik.

Fazit:
Gaza ist ein Schauplatz, wo Zivilisten völkerrechtswidrig in Hunger und Isolation als Kriegsinstrument ausgenutzt werden. Dass außerdem die Verarmung zu einem politischen Instrument gemacht wird, beschleunigt den wirtschaftlichen Zusammenbruch und erhöht die Zahl der zivilen Opfer. Sowohl die Angaben von  der IHH (TR)-Hilfsteams in der Region als auch die der palästinensischen Behörden zeugen eindeutig davon, dass Gaza bei der Medikamenten- und Lebensmittellieferung weiterhin auf die internationale Unterstützung angewiesen ist, damit die Menschen in Gaza in Menschenwürde leben können. Dies erfordert die Beendigung der direkten und indirekten Besatzung in der Region. Hierfür müssen alle Zivilorgane der Welt in Solidarität mit der Bevölkerung in Gaza Druck auf Israel ausüben, indem sie auch auf der Regierungsbene ihrer eigenen Staaten die Initiative zur Lösung dieses Problems ergreifen.
Solange nicht die notwendigen kurz-, mittel-, und langfristigen Maßnahmen getroffen werden, wird die humanitäre Lage in Gaza zu weiteren Verlusten führen.

http://acilen.ihh.org.tr/insani-sonuclar.html

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