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Die Rückeroberung der afghanischen Stadt Musa Qala – Zurück in die Falle

Dezember 19, 2007

Bereits am Montag berichteten auch deutsche Medien, daß die südafghanische Stadt Musa Qala von britischen und „afghanischen“ Soldaten zurückerobert worden ist. Seit Anfang Februar dieses Jahres befand sich die Stadt in der Hand der Taliban – was allein schon die wachsende Hilflosigkeit der Besatzer ihnen gegenüber belegt.

Da kann es denn auch kaum verwundern, daß das NATO-Hauptquartier in der afghanischen Hauptstadt Kabul die Rückeroberung der Stadt als „höchst strategischen und bedeutenden Erfolg“ in der Provinz Helmand bezeichnet hat.

Ein Nebensatz in einem Artikel der britischen Times vom Samstag läßt darauf schließen, daß entgegen den üblichen Presseberichten auch US-Einheiten an dem Angriff auf Musa Qala beteiligt waren. Dort heißt es: „Ahmad Nurzai, ein Ladenbesitzer, der geöffnet hatte, verkaufte Kekse und Früchte an amerikanische Fallschirmjäger. Noch vor ein paar Tagen waren Taliban seine Kunden.“ Es scheint wenig wahrscheinlich, daß das US-Militär die Rückeroberung Musa Qalas britischen und „afghanischen“ Truppen überläßt und im Anschluß daran Fallschirmjäger dorthin zu entsenden.

Einhellig heißt es in den Berichten über den Angriff auf Musa Qala, die britischen und „afghanischen“ Einheiten hätten sich vier Tage lang schwere Kämpfe mit den die Stadt besetzenden Kämpfern der Taliban geliefert. Ein Bericht der Asia Times vom Samstag weckt allerdings – nicht nur hieran – ernste Zweifel.

Tatsächlich ist es keineswegs das erste Mal, daß Musa Qala von britischen Truppen erobert und besetzt wurde. Allerdings war es ihnen bisher nicht möglich, die Stadt auf Dauer zu halten. So waren sie im vergangenen Jahr sogar gezwungen, mit den Taliban einen Waffenstillstand auszuhandeln, um so aus der Stadt abziehen zu können, nachdem die angrenzenden Gebiete von diesen vollständig kontrolliert wurden.

Bemerkenswert sind auch die telephonischen Schilderungen eines Untergebenen von Mullah Abd al-Bari, der sich „Mullah Noormal“ nannte, gegenüber der Asia Times des Angriffs auf Musa Qala.

„Sie [die Briten] feuerten zwei Tage lang ununterbrochen Artilleriegeschosse auf die Zivilbevölkerung und infolgedessen flohen die Menschen aus der Gegend. Die Taliban erlitten keinerlei Verluste, da wir nicht wirklich kämpften. Zivilisten waren die einzigen Opfer. Wir standen unter dem Kommando von Mullah Abd al-Bari und zogen uns zurück, als die Truppen in die Stadt rollten“, so Mullah Noormal. Dies deckt sich zumindest zum Teil auch mit einem weiteren Detail des Berichts der Times, heißt es dort doch, „Menschen, die in die Wüste geflohen waren, kehrten zurück und wurden von den afghanischen Soldaten herzlich begrüßt.“ Einem Kommentar im britischen Guardian vom Mittwoch zufolge wurde Musa Qala auch mit Langstreckenbombern des Typs B-52 angegriffen. In einem anderen Telephongespräch bestätigte auch Moulvi Abd al-Jalil, ein anderer Kommandeur der Taliban, gegenüber der Asia Times, daß die Kämpfer in Musa Qala nur „symbolischen Widerstand“ geleistet hätten. Nun sollen die Bemühungen der Taliban vorrangig auf die Provinz Kandahar konzentriert werden, so al-Jalil weiter.

„Jetzt, da die Soldaten in Musa Qala sind, haben wir Positionen in der Nähe eingenommen, insbesondere in den Orten Raigi und Shaban. Die britischen Soldaten sind jetzt erneut gefangen, wie sie es im Jahr 2006 waren. Wir werden jetzt zu einem Zeitpunkt unserer Wahl zurückschlagen. Sie haben nicht einmal Büros in Musa Qala, da wir den Olaswali [Verwaltungsgebäude] vor unserem Abzug zerstört haben“, sagte Mullah Noormal.

„Jetzt sind sie in der Kommandatur von Musa Qala und wir sitzen in allen Dörfern rund um Musa Qala. Sie können weder vorwärts noch zurück“, so Mullah Noormal.

Auch wenn den Aussagen der Taliban sicherlich ebenso wie jenen der Besatzer zu mißtrauen ist, so sind die Anzeichen für eine näherrückende Niederlage der Besatzer doch unübersehbar – zu diesem Schluß kam denn auch bereits im Oktober der britische Politiker Jerome „Paddy“ Ashdown genau wie nun in dem Guardian-Kommentar auch der Journalist Simon Jenkins.

Es ist nach wie vor äußerst bemerkenswert, daß nicht nur die Regierungen der an dem Krieg gegen Afghanistan beteiligten Länder seit Jahren glauben, schaffen zu können, was der damaligen Sowjet-Union trotz des Einsatzes von weitaus mehr Soldaten, Material und Brutalität nie gelang, sondern auch immer noch große Teile ihrer Bevölkerungen.

http://www.freace.de/

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