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Im Windschatten der Aufmerksamkeit

Dezember 5, 2007

chinaIn der Feindeslinie: China hindert Muslime an der Hadsch. Von Jane Macartney, Hotan
(The Muslim Observer). Muslime fliegen auch dieses Jahr wieder zu Hunderttausenden zur Hadsch, aber viele Muslime in China mussten wegen bürokratischen Hürden und politischen Hindernissen daheim bleiben. In den Straßen von Hotan, wo das Aroma von gebratenem Lammkebab und Kardamomtee den Bazar erfüllt, ist ein junger Händler verzweifelt. Seine Eltern vollzogen die Pilgerfahrt vor einigen Jahren – bevor Beamte eine Charakterprüfung für zukünftige Hadschis einführten. Er fügt hinzu: „Jetzt fürchtet die Regierung, dass wir im Ausland schlechte Dinge über sie erzählen. Also wollen sie vorsichtig sein, wen sie ausreisen lassen.“

Händler mit bestickten Mützen drängen in die Hauptmoschee. In den Straßen schmeißen Bäcker Nan-Brot in die Holzöfen. Nur wenige ethnische Han-Chinesen sind in dieser Stadt an der sagenumwobenen Seidenstraße südlich der großen Wüste Taklamakan im Westen Chinas zu sehen. Es ist weniger als hundert Jahre her, als China dort seine Herrschaft verfestigen konnte über eine Region, deren chinesischer Name Xinkiang bedeutsam „neue Grenze“ bedeutet. Die atheistischen kommunistischen Herrscher sagen, dass den Uiguren in der Region die Religionsfreiheit garantiert werde. Diese hingegen erklären, dass ihrer Religionsausübung enge Grenzen gesetzt werden. Das erste Flugzeug mit Pilgern in diesem Jahr startete kürzlich von der westlichen Stadt Lanzhou. Insgesamt 10.700 Menschen ist in diesem Jahr die Hadsch erlaubt. Dies geschieht im Rahmen einer Quotierung für die uigurische Minderheit im fernen Westen Chinas, die an traditionell islamische Staaten wie Pakistan, Afghanistan, Kirgistan und Usbekistan angrenzen. Der Einfluss der offiziellen Begrenzungen wirkt sich unterhalb der Oberfläche aus. Bei einem Grab oder Mazar eines alten muslimischen Helden in den Dünen außerhalb der Stadt ist ein Zeichen über dem Tor angebracht, auf dem in uigurischer und chinesischer Schrift folgendes zu lesen ist: „Schützt legale religiöse Aktivitäten. Zerschlagt illegale religiöse Umtriebe.“

Ein älterer Imam berichtet leise: „Kinder dürfen nicht in die Moschee zum Gebet kommen. Nicht bis sie 18 Jahre alt sind und alles verstehen können.“ Der Imam erklärte, dass er nicht befürchte, dass die religiöse Leidenschaft dadurch abklingen werde.

Die Kinder lernen den Islam zu Hause bei ihren Eltern. „Und wenn die jungen Leute kommen, ziehen wir uns zurück und die Polizei drückt ein Auge zu“, sagt der Imam. Er ist weniger selbstbewusst, wenn es um die Möglichkeiten eines Besuches in Mekka geht. „Bisher konnte ich keine Erlaubnis von der Polizei erhalten.“ Er habe fünf Bedingungen für eine Hadsch erfüllt; inklusive eines Nachweises, dass er niemals in anti-chinesische Gewalttaten verwickelt worden sei und dass er keine Verbindungen zu Unabhängigkeitsgruppierungen habe. Nur so könne er einen der Plätze in den von der Regierung organisierten Gruppen nach Mekka ergattern.

Religiöse Beamte in Xinkiang (Ostturkestan) weigern sich, die Bedingungen offen zu legen, die muslimische Pilger erfüllen müssen. Einer sagte: „Dies ist ein Staatsgeheimnis.“ Einige der Gläubigen sind dabei offener: „Wir müssen 20.000 Yuan [rund 2.500 US-Dollar] an die Polizei oder einen mächtigen Freund geben, um auf die Liste zu kommen.“

Tureali Haji, ein Geschäftsmann, ist einer der Glücklichen. Er machte die Reise 1999, bevor es 2004 die neuen Regeln notwendig machten, an einer vom Staat reglementierten Reisegruppe teilzunehmen. Dieses Jahr standen für die Muslime in Hotan nur 600 Plätze auf der Hadsch zur Verfügung. Der junge Händler lächelt verschämt, als er über anti-chinesische Unruhen befragt wurde. „Solange ich eines Tages nach Mekka reisen darf und solange ich das Geld dafür auftreiben kann, reicht mir das“, sagt er.

http://www.islamische-zeitung.de/

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