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Alles auf Pump – Schuldenfalle: Es mangelt an Aufklärung und Wissen über Finanzfragen

Dezember 5, 2007

(dpa)Das teure Auto gekauft, den Urlaub auf Pump finanziert und dann kommt die Scheidung – für viele Menschen ist das der direkte Weg in die Schuldenfalle. Mehr als 109 300 Verbraucher in Deutschland meldeten sich laut Wirtschaftsauskunftei Creditreform in diesem Jahr zahlungsunfähig – das ist neuer Rekord. Und der Trend geht weiter nach oben. Wer bis über beide Ohren verschuldet ist, nutzt heute immer häufiger die vor acht Jahren eingeführte gesetzliche Möglichkeit, sich von Schulden befreien zu lassen. Dieses Recht will die Bundesregierung im nächsten Jahr noch vereinfachen.

Zudem setzt sich nach Expertenansicht auch hierzulande der US- Trend durch, einfach auf Pump zu kaufen. «Nach der langen Zeit geringer Einkommenszuwächse müssen viele Haushalte Kredite für Anschaffungen aufnehmen, weil sie zu wenig Erspartes haben», sagt der Schuldnerberater des Landratsamtes Main-Spessart, Christian Maltry. «Und dann schlittern sie ganz schnell in die Verschuldung hinein.» Laut Studien sind Arbeitslosigkeit und Trennung die Hauptgründe für die Pleiten von Verbrauchern. Doch häufig hapert es auch an der Haushaltsführung.

«Es mangelt an Aufklärung und Wissen über Finanzfragen», kritisiert Achim Tiffe vom Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen iff. «Manche Bürger nehmen sogar für die Geschenke zum diesjährigen Weihnachtsfest einen Kredit auf – ohne zu wissen, dass sie ihn drei Jahre lang abbezahlen müssen und es dann nächste Weihnachten sehr mager aussehen wird.» Gehe dann noch die Waschmaschine kaputt oder das Auto, auf das man beruflich angewiesen sei, werde es schnell eng. Verbraucherschützer fordern daher, an Schulen Grundwissen über Finanzen und Geld zu vermitteln.

Die Aussichten sind düster: Die Folgen der Finanzmarktkrise, der abgebremste Aufschwung und rekordverdächtige Preissteigerungen für Strom, Benzin und Lebensmittel werden die Haushalte nach Expertenmeinung 2008 noch stärker in die Verschuldung treiben. Während Creditreform bis zu 160 000 Verbraucherinsolvenzen für 2008 voraussagt, erwartet die Wiesbadener Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) sogar 200 000 Fälle in naher Zukunft. Die Schufa hat aber immerhin einen Lichtstreif am Horizont ausgemacht: Die Zahl der überschuldeten Haushalte von 2,9 Millionen Privathaushalten nimmt laut Schufa-Schuldenkompass geringfügig ab.

Das Risiko, sich zu verschulden, hängt von Alter und Einkommen ab. «Wissenschaftler haben festgestellt, dass Alleinerziehende, Singles, junge Leute und Geringverdiener ein besonders hohes Überschuldungsrisiko haben», sagte Schufa-Chef Rainer Neumann kürzlich. Nach wie vor gibt es ein Nord-Süd-Gefälle. Während Berlin und Bremen das Schlusslicht bilden, schneiden Baden-Württemberg und Bayern laut Studien am besten ab. «Wo die Arbeitslosigkeit niedrig ist, ist auch die Verschuldung niedrig», sagt Schuldnerberater Maltry.

Aber auch das Geschlecht spielt eine Rolle: Überschuldung ist überwiegend «Männersache», zwei Drittel aller Schuldner sind laut Schuldner-Atlas Deutschland Männer. «In vielen Familien ist der Mann immer noch der Haushaltsvorstand und muss seinen Kopf hinhalten, wenn die Sache schief geht», sagt Helmut Rödl von Creditreform.

Viele Verbraucherschützer kritisieren billige Kredit-Lockangebote von Banken. «Man hat das Gefühl, dass ein Unternehmer für einen Kredit bei der Bank die Hosen doppelt und dreifach runterlassen muss», aber die Konsumenten gelangten leichter ans Geld, kritisiert Rödl.

Junge Menschen in Hessen sind laut einer repräsentativen Umfrage der Sparda-Bank beim Schuldenmachen aber vorsichtig – nur 9 Prozent aller 1006 der Befragten 15- bis 25-Jährigen haben Schulden gemacht oder Kredite aufgenommen. 29 Prozent gaben an, gar keine Schulden machen zu wollen. «So dramatisch ist die Gefahr laut dieser Umfrage nicht, dass sich Jugendliche zum Beispiel durch Handys verschulden», sagte der Vorstandsvorsitzende der Sparda-Bank Hessen, Jürgen Weber.

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