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Spenden für den Rechtsweg gesammelt

November 14, 2007

Mit einer Benefizgala setzten sich muslimische Lehrerinnen gegen das Kopftuchverbot in NRW ein. Von Souria Elaissati, Aachen.

(iz) Eine große Benefizveranstaltung sollte es werden, als muslimische Lehrerinnen aus NRW am 3. November in Kooperation mit dem Human Development Report (HDR) ins Essener Audimax geladen haben. Der Einladung folgten einige Hunderte Muslime und Nichtmuslime aus ganz NRW. Die Veranstaltung diente sowohl der Aufklärung als auch dem Sammeln von Spenden. Diese werden dringend benötigt, um die Kosten eines gerichtlichen Gutachtens zu decken.

Im Mai 2006 verabschiedete der nordrhein-westfälische Landtag ein neues Schulgesetz, das Lehrerinnen und Lehrern verbietet, politische oder religiöse Symbole zu tragen, die die Neutralität des Landes gefährden oder stören. Dabei unterscheidet das Schulgesetz zwischen muslimischen und christlichen Symbolen. Als Begründung heißt es, das Kopftuch könne den Eindruck hervorrufen, eine Lehrerin trete gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung auf. Christliche Symbole wie die Nonnentracht oder ein Kreuz seien dagegen eine Darstellung abendländischer Kulturwerte. Es fanden bereits erste Gerichtsverhandlungen, vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf und Duisburg, statt. Beide Male bestätigte das Gericht das geltende Kopftuch-Verbot an nordrhein-westfälischen Schulen. Dabei machten die beiden muslimischen Lehrerinnen auch Kompromissvorschläge, beispielsweise eine Baskenmütze zu tragen oder aber das Kopftuch „modern“, nach hinten gebunden, zu tragen. Doch nach Ansicht der Richter macht es keinen Unterschied, womit und wie die Lehrerinnen ihren Kopf bedecken. „Allein dass die Klägerin das Kopftuch ständig trägt, zeigt, dass es ein Erkennungsmerkmal ihrer religiösen Gesinnung ist“, sagte der Kammervorsitzende Kurt Büchel.

Für die weiteren Verhandlungen beauftragten die Lehrerinnen einen juristischen Gutachter damit, ein unabhängiges Gutachten zu erstellen. Dieses soll bei den zukünftigen Gerichtsverhandlungen als Argumentationsbasis dienen. Um die entstehenden Kosten decken zu können, haben muslimische Lehrerinnen, in Kooperation mit dem HDR, auf der Benefizveranstaltung in Essen zum Spenden aufgerufen. Viele Menschen kamen, um ihre Solidarität mit den muslimischen Lehrerinnen zu zeigen und spendeten sowohl Geldsummen als auch Sachspenden, die während der Veranstaltung versteigert oder verkauft wurden. Eine Podiumsdiskussion leitete um 15 Uhr die Veranstaltung ein. An dieser nahmen Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Rechtwesen teil. Stellvertretend für alle muslimischen Lehrerinnen eröffnete Maryam Brigitte Weiß mit einer kurzen Rede die Podiumsdiskussion und betonte, dass das neue NRW-Schulgesetz aufgrund der Unterscheidung zwischen den einzelnen Glaubensrichtungen diskriminierend sei. Die Landtagsabgeordnete Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen) schilderte im Anschluss den zahlreichen Anwesenden die Entstehung des Schulgesetzes im Landtag und wies daraufhin, dass es bei dieser Thematik nicht darum gehe, ob man das Kopftuch gutheiße oder nicht, sondern ob ein Verbot für Lehrerinnen mit der Verfassung zu vereinbaren sei. Sie und ihre Partei sei dabei stets der Ansicht, dass ein Gesetz, das das Tragen des Kopftuches verbietet, nicht mit dem deutschen Grundgesetz zu vereinbaren sei. Auch namhafte Künstler wie Ammar und Serkan vom Team 114 unterstützten die Aktion der nordrhein-westfälischen Lehrerinnen und traten auf der Veranstaltung auf. Und auch der Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayyub Köhler, nahm an der Veranstaltung teil und bekundete damit den Lehrerinnen seinen moralischen Beistand. „Indem die Lehrerinnen gegen das Schulgesetz klagen, nehmen sie ihr Recht als Bürgerinnen dieses Landes war“, betonte er in einem Interview. Zufrieden mit dem Ablauf der Veranstaltung und auch mit den bereits eingenommenen Spenden, fuhren die Lehrerinnen am späten am Abend zu ihren Familien nach Hause, mit der Hoffnung, ihrem Ziel einen Schritt näher gekommen zu sein.
http://www.islamische-zeitung.de

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