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Kurdische Visionen – Strategiewechsel der PKK

Oktober 28, 2007

PkkVon Boris Kalnoky – die welt
Eskalation an der türkischen Grenze belegt einen Strategiewechsel der PKK

Istanbul – Der Angriff von 200 PKK-Kämpfern auf einen türkischen Armeekonvoi am vergangenen Sonntag hat die Region nachhaltig erschüttert. Ein neuer Krieg ist möglich. Die Frage aber ist, warum sich die PKK gerade jetzt zu dieser Eskalation entschlossen hat.
Welchen Sinn Gewalt für die PKK hat, erklärte einer ihrer Mitbegründer und führenden Ideologen, Delil Karakocan, schon vor zwei Jahren im Gespräch mit der WELT: „15 Jahre lang haben wir einen bewaffneten Kampf geführt. Er brachte die Kurdenfrage auf die internationale Agenda und schuf ideelle Werte im Volk. Das alles endete mit der Festnahme unseres Führers Abdullah Öcalan 1999. Seither ist die kurdische Thematik von der internationalen Agenda verschwunden.“ Mit anderen Worten: Solange man schießt, hat man Einfluss. Und wenn man Einfluss hat, kann man verhandeln. In diesem Sinne schrieb Karakocan vor zwei Tagen, nach dem Angriff vom Sonntag, man biete der Regierung Verhandlungen an.
Der Einfluss der PKK war geschwunden. Die türkische Regierungspartei AKP betrieb eine liberale Kurdenpolitik, gewann bei den Wahlen im August einen großen Teil der kurdischen Wähler und schickte sich nun an, das Kurdenproblem endgültig zu lösen – mit Aussicht auf Erfolg und ohne PKK. Daher könnte die PKK durch die jüngste Offensive versucht haben, eine Lösung ohne sie unmöglich zu machen und die Kurden wieder hinter sich zu scharen.
Eine andere Deutung wird vor allem vom türkischen Militär vertreten. Sadi Cayci, Terrorexperte und ehedem Berater des Generalstabs, erklärte im Gespräch mit der WELT, die PKK habe in den letzten Jahren ihre rein auf die Türkei ausgerichtete Strategie aufgegeben und eine großkurdische Vision entwickelt, für die es aktuell Chancen gibt. Diese Vision teile die PKK mit den nordirakischen Kurdenführern Massud Barsani und Dschalal Talabani. Im Kern geht es zunächst um eine kurdische Staatsgründung im Irak mit amerikanischem Segen. Im Gegenzug würden die Kurden mit den USA kooperieren, um dem Iran Probleme zu bereiten.
Eine solche Staatsbildung setzt voraus, dass die Kurden die Kontrolle über die Ölmetropole Kirkuk gewinnen. Die Türkei scheint entschlossen, dies zu verhindern. Barsani indes hatte bereits im April gesagt, wenn die Türkei sich sperre, würden die „30 Millionen Kurden in der Türkei“ (eine Fantasiezahl) zurückschlagen. Das geht nur mithilfe der PKK, und der jüngste Angriff sollte womöglich zeigen, dass die Drohung ernst gemeint war. Freilich entstammt Sadi Cayci dem Militär, wo man um jeden Preis einen Kurdenstaat verhindern will. Dessen Führer mit der PKK gleichzusetzen mag dem Militär dazu dienen, einen Militärschlag zu rechtfertigen.
Andere Experten bezweifeln das Bündnis zwischen der PKK und den Kurden des Nordirak. Hasim Hasimi, ein türkisch-kurdischer Politiker mit engen Verbindungen zu Barsani, unterstreicht, dass dessen Gefolgschaft aus Sunniten besteht und nie mit der atheistischen PKK kooperieren würde. Ähnlich sieht es der Militär- und PKK-Experte Nihat Ali Özcan, der aber begrenzte Zweckbündnisse für denkbar hält und ebenfalls glaubt, dass es eine amerikanische Duldung für eine aggressivere PKK gibt – sofern diese dabei hilft, den Iran zu destabilisieren, wo auch Kurden leben.
Doch ist die PKK auch einfach stärker geworden und will das vielleicht beweisen. Im Chaos des Irak ist sie an modernere Waffen gelangt, teilweise aus US-Beständen. Zudem blieb die PKK wegen des Irak-Kriegs von türkischen Angriffen auf ihre Lager verschont, sodass sie von einer Taktik kleiner Gruppen auf den Einsatz größerer Einheiten umsteigen konnte. Wo früher zehn Mann agierten, waren es nun 200.

3 Kommentare leave one →
  1. basbug permalink
    August 19, 2008 8:39 pm

    die kurden tun mir doch etwas leid,sie wurden bisher der ganzen geschichte entlang nur beunrücksihtig ob von türken ,,kurden,,amerokaner..oder iraker und jetzt nimmt die terrororganisation den namen der kurden wieder in den mund und handeln damit rücksichtslos gegenüber dem kurdischen volk…….

  2. Unknown permalink
    Dezember 27, 2009 10:56 am

    Da geb ich dir recht , Basbug .

    Ich selbst als Kurde finde es wirklich traurig das wir seit Jahrtausenden es immer noch nicht geschafft haben uns durch zu setzen ! Wir sind 40 Millionen , aber im Geheimen tuen nur ein paar Tausend was für unser Volk !

  3. atakurdo permalink
    Mai 8, 2011 5:35 pm

    basbug du muss nich denken kurden sind deine sklaven sogar hier entscheidest du für die kurden..kurdische volk weiss genau was sie wollen und das ist freiheit,,amerikaner waren damals auch terroristen für engländer heute sind sie weltmacht..

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