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Muslimische Dynamik

September 17, 2007

Erhard-brunnErhard Brunn
Der Islam nimmt in Europa zusehends äußere Formen an, die denen der anderen monotheistischen Religionen ähneln, etwa in der Formung nationaler islamischer Koordinierungsräte. Dabei scheint der Druck vieler nationaler Regierungen, die endlich repräsentative Gesprächspartner haben wollten, der entscheidende Faktor. Überregionale Moscheen sind weitere, logische Zentren eines solchen Schubs, der den Islam auch stärker in Deutschland beheimaten kann. Und wenn sie nicht aus dem Ausland finanziert werden sollen, müssen in und um sie genug „Geschäfte gemacht werden““ um die Moschee selbst zu finanzieren.



Diese verstärkte Sichtbarkeit des Islam erzwingt eine Fülle engagierter Debatten, zu denen es das Christentum in den vergangenen Jahren seines schwindenden Einflusses nicht mehr geschafft hatte. In einer Zeit, in der Kirchen oft sang- und klanglos schließen und Gemeinden zusammengelegt werden, mag die muslimische Dynamik für viele Christen besonders schwer zu schlucken sein. Doch große Moscheen bieten endlich auch eine Infrastruktur und eine personelle Besetzung, die sie auch nach außen zu einem geeigneten Ansprechpartner im Stadtteil für Islam-Fragen und als überregionale Dialogzentren machen.


Früher oder später wäre es sicher in einer zusammenwachsenden Welt nahe liegend, dass die so viele Rechte genießenden islamischen Dachverbände auch für Rechte der Christen anderswo einsetzen. In der Türkei hatte ich jetzt Zeit und Gesprächsmöglichkeiten für einen Perspektivwechsel. Auf Istanbuls Haupteinkaufsstraße, der Istiklal Caddesi, habe ich in kurzem Abstand fünf Kirchen gesehen. In zwei bin ich gegangen, dort traf ich auch den Franziskaner Jürgen Neitzert aus Köln, der sich klar gegen obige Koppelung aussprach, da es in der Türkei zumindest für Katholiken genug Kirchen für die kleine Zahl der Gläubigen gäbe, repräsentative Moscheen in Deutschland aber fehlten. Bekannt ist aber auch, dass es in der Türkei eine Fülle gesetzlicher Einschränkungen nicht für Gottesdienste, wohl aber für die Aufrechterhaltung der Institution Kirche gibt. Die laizistische Türkei ist allerdings nicht der allerbeste Maßstab, da dort ja die Debatte um das Kopftuch der neuen Präsidentengattin, Hayrünissa Gül, die noch immer bestehenden Grenzen auch für muslimische Glaubensrepräsentanz im Land zeigte.


Ob das Engagement des Generalsekretärs des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, in Rupert Neudecks Grünhelmen, ob das Angebot des früheren Vorsitzenden des selben Verbandes, Nadeem Elyas, sich gegen die im Irak entführte Susanne Osthoff austauschen zu lassen – viele deutsche Muslime sehen, dass sie nicht nur immer auf sich sehen und fordern können, sondern sich auch für deutsche oder christliche Mitmenschen in Not engagieren müssen, um hier „als angekommen“ akzeptiert zu werden. Erstaunlicherweise blocken oft christliche Partner erstmal ab, wenn es sich um solche Forderungen dreht. Und Journalisten, die es nicht mitzukriegen scheinen, wenn muslimische Partner der Aufforderung zustimmen, sich zu engagieren.


fr-online


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