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Auch Migrantenkinder sind Deutschland

August 30, 2007

Deutschland_fur_kinderAm vergangenen Dienstag veranstalteten UNICEF, Deutscher Kinderschutzbund, Deutsches Kinderhilfswerk und das Bündnis für Kinder in der Akademie der Künste in Berlin zum dritten Mal das Forum Deutschland für Kinder, diesmal unter dem Titel „Wir sind Deutschland!“ – Gleiche Chancen für Migrantenkinder.

Die Organisationen veröffentlichten eine gemeinsame Presseerklärung, worin sie darauf hinweisen, dass die Förderung der Migrantenkinder in den Mittelpunkt der Anstrengungen für eine bessere Integration zu stellen ist. Insofern fordern sie den raschen Ausbau der Bildungs- und Förderangebote für Kinder aus benachteiligten Familien, die Ermöglichung des kostenlosen Besuchs eines Kindergartens und Sprachförderung im Vorschulalter. Weitere Forderungen sind der Abbau von Bildungsbarrieren, die Einsetzung von qualifizierten Fachkräften mit Migrationshintergrund, eine zweite Chance zur Erlangung eines qualifizierten Abschlusses sowie die Schaffung konkreter Mitwirkungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, um ihre Isolation in so genannten „Problemvierteln“ zu verhindern.

Die PISA-Studie habe gezeigt, dass Deutschland das Schlusslicht ist, wenn es um die Schulleistungen der im Land geborenen Migrantenkinder geht. Etwa jeder zweite junge Türke besuche eine Hauptschule und nur jeder achte ein Gymnasium. „Selbst wenn ihre Leistungen genauso gut sind, wie die der Deutschen, bekommen Migrantenkinder seltener eine Gymnasialempfehlung“, heißt es in der Presseerklärung.

Diese Feststellungen decken sich mit den empirischen Untersuchungen von Dr. Mechtild Gomolla, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Universität Münster, zur Institutionellen Diskriminierung von Migrantenkindern in der Schule. Im Rahmen von Selektionsentscheidungen an zentralen Übergangsschwellen im Grundschulbereich, wie zum Beispiel bei der Einschulung, der Überweisung auf die Sonderschule für Lernbehinderte oder beim Übertritt in die Sekundarstufe I, lasse sich das Bild eines feinmaschigen Netzes entstehen, „das für Kinder mit einem Migrationshintergrund und/oder aus unteren sozialen Schichten wenig Chancen lässt.“ Muster der Diskriminierung und Abweisung in Bezug auf die Schul- und Sprachfähigkeit prägten dann die gesamte Schullaufbahn.

Insofern überrascht es nicht, dass in den meisten Bundesländern der Anteil der Kinder nichtdeutscher Herkunft, die ohne Abschluss die Schule verlassen, höher ist als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. So liege dieser Anteil zum Beispiel in Hessen bei 15 Prozent; Migrantenkinder stellen dort jedoch 30 Prozent aller Kinder, die vorzeitig die Schule abbrechen. (sa)

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