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Allah im Unterricht

August 15, 2007

AllahimunterrichtWenn Gott auf dem Stundenplan stand, mussten sie das Klassenzimmer verlassen. Lange gab es für muslimische Schüler in Deutschland keinen Religionsunterricht. Das ändert sich – in Osnabrück startet der Studiengang islamische Religionspädagogik.

Die Zweitklässler hören ihrer Lehrerin Pervin Konya gespannt zu. Sie erzählt die Geschichte vom bunten Elefanten Elmer, der unter seinem Anderssein leidet. „Es geht darum, dass wir sind, wer wir sind“, sagt die 45-Jährige. Sie hat vor wenigen Monaten ihr dreijähriges Modellstudium Islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück beendet. Ein Studiengang, der ab dem Wintersemester regulär angeboten werden soll.

Elf Kinder sitzen im Klassenraum, in dem sich ein Modell vom Geburtsort des Propheten Mohammed und Schautafeln mit Daten zum Propheten Moses befinden. „Der Unterricht handelt heute vom Leben miteinander“, sagt die Lehrerin. Es gehe um das Zusammenleben in den Familien und im sozialen Umfeld. Geredet würde auch über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Konfessionen.

Der islamische Religionsunterricht ist fester Bestandteil des Stundenplans an der Osnabrücker Grundschule Eversburg. Konya ist im Modellstudiengang, den sie mit 20 anderen Studenten besuchte, für diese Aufgabe ausgebildet worden. Ihr wurden die Grundlagen des Islam vermittelt. Zu ihren Dozenten gehörten Theologen aus Ankara und ein Islamwissenschaftler aus Wien.

Regulärer Studiengang an der Osnabrücker Uni

Pervin Konya wurde im türkischen Giresun geboren, sie lebt seit 20 Jahren in Deutschland. Seit zwölf Jahren arbeitet sie als Lehrerin, gab an verschiedenen Schulen Türkischunterricht. Bereits vor dem Studium der Islamischen Religionspädagogik beteiligte sie sich an einem Schulversuch für Islamunterricht und nahm dazu an Fortbildungen in Hannover teil. „Das war aber schwierig, denn es gab noch keine Materialien“, sagt Konya.

Seit es den Modellstudiengang gibt, hat sich das geändert. Künftig soll Islamische Religionspädagogik zum Angebot der Universität Osnabrück gehören. „Das wird jetzt ein regulärer Masterstudiengang, der vollständig anerkannte Zusatzqualifikationen bieten soll“, sagt Vizepräsident Thomas Vogtherr. Die Universität habe ein Curriculum zusammengestellt und dem „Runden Tisch Islamische Religionspädagogik“ in Hannover zur Beratung vorgelegt. Das Gremium repräsentiere 85 Prozent der Muslime in Niedersachsen.

Die Erfahrungen aus dem Modellstudiengang zeigten, dass man es mit hochmotivierten und qualifizierten Studenten zu tun habe, sagt Vogtherr. Diese seien zwischen der islamischen und christlichen Kultur groß geworden und eigneten sich bestens als Vermittler. Der Studiengang diene auch dem Ziel der interreligiösen Verständigung und Integration, ohne dass die Beteiligten ihre Identität aufgeben müssten. Der Bedarf an Lehrern bewege sich allein in Niedersachsen im dreistelligen Bereich.

„Unterschiede gibt es auch in anderen Religionen“

Mit dem Studiengang werde eine fundierte Basis gelegt, um dieses Fach unterrichten zu können, sagt Wilhelm Büschel, Mitglied des „Runden Tischs“. Das Projekt werde zur „Integration der Muslimen“ beitragen. Hoch bewertet er die Zusammenarbeit mit den Vertretern islamischer Verbände. „Wenn hier Akzeptanz vorliegt, wird das später auch von den Eltern ernst genommen.“

Die Akzeptanz der Eltern hat die Grundschule Eversburg bereits erfahren. „Da ist sehr viel an positiver Rückmeldung gekommen, dass die Schüler nun einen eigenen Religionsunterricht haben“, sagt Schulleiterin Gita Frerich-Köster. Denn am christlichen Religionsunterricht konnten die Schüler islamischen Glaubens bislang nicht teilnehmen. Das habe zu Missmut bei den Kindern geführt, weil sie aus dem Religionsunterricht heraus mussten. Dadurch hätten sie sich abgeschoben gefühlt.

33 der insgesamt 294 Schüler an der Grundschule fühlen sich dem Islam verbunden, darunter Sunniten und Schiiten. „Da sind Stimmungen und Unterschiede von Zuhause aus vorhanden, man kann aber vermitteln“, sagt die Schulleiterin. „Wir haben den Schülern klargemacht: Unterschiede gibt es auch bei anderen Religionen.“ Das müsse man akzeptieren. Die Schüler täten das, sagt Frerich-Köster.

Von Michael Westrup, ddp

spiegel

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