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49 Grad, kein Strom, kein Wasser und keinen Grund für Widerstand

August 14, 2007

Meldungen der letzten Tage zeigen einmal mehr, in welch verheerendem Zustand sich die irakische Infrastruktur auch fast viereinhalb Jahre nach Beginn des US-geführten völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen den Irak befindet.

Am Freitag berichtete die Nachrichtenagentur, daß in der Hauptstadt Baghdad seit einer Woche die Versorgung mit Trinkwasser auf eine Stunde täglich beschränkt ist. Seit vier Tagen trifft dies auch auf die Versorgung mit Strom zu. In weiten Teilen Baghdads gab es Donnerstagabend seit 24 Stunden kein Wasser mehr. Anwohnern und städtischen Beamten zufolge haben große Teile des Westens Baghdads am Freitag seit sechs Tagen praktisch kein Wasser bekommen.

Erschwerend kommt hinzu, daß das wenige Wasser, das die Haushalte erreicht, offenbar stark verunreinigt und – eigentlich – völlig ungenießbar ist. So berichtete der 52 Jahre alte Jamil Hussein, der im Nordosten Baghdads lebt, daß das Wasser rieche und unsauber sei. Zwei seiner Kinder hätten schweren Durchfall bekommen, den der Arzt mit dem Trinkwasser in Verbindung brachte, obwohl dies zuvor abgekocht worden war. „Wir werden es weiterhin trinken müssen, weil wir nicht das Geld haben, uns Wasser in Flaschen zu kaufen“, sagte er. Aufgrund der schlechten Versorgungslage ist der Preis für eine 10-Liter-Flasche Wasser in letzter Zeit um etwa ein Drittel auf rund 1,60 US-Dollar nach oben geschossen – bei einem monatlichen Einkommen von zumeist unter 100 US-Dollar.

In Baghdad herrschten in den vergangenen Tagen Temperaturen zwischen 47 und 49 Grad Celsius.

Selbst jene Menschen, die sich den Betrieb einer Klimaanlage leisten könnten, haben aufgrund der praktisch nicht vorhandenen Stromversorgung nicht die Möglichkeit, die Folgen dieser Temperaturen zumindest auf diese Art zu mildern. Auch die relativ häufig von mehreren Haushalten gemeinschaftlich angeschafften Stromgeneratoren müssen immer häufiger ungenutzt bleiben, da auch der Preis für den zum Betrieb nötigen Diesel mittlerweile auf fast 4 US-Dollar pro Gallone (3,8 Liter) – also rund 0,80 Euro pro Liter gestiegen ist, da auch der Treibstoff im Irak trotz der riesigen Ölvorkommen des Landes nach wie vor Mangelware ist.

Am Sonntag dann berichtete AP in einem weiteren Artikel, daß auch das nationale Stromnetz des Iraks vor dem Zusammenbruch steht, was zu noch schwerwiegenderen Versorgungsproblemen insbesondere in Baghdad führen würde. Nach Auskunft von Aziz al-Shimari, Sprecher des Elektrizitätsministeriums, deckt die im Irak produzierte Strommenge nur die Hälfte des Bedarfs. Allein in den vergangenen zwei Tagen gab es al-Shimari zufolge vier landesweite Stromausfälle.

Noch schlimmer als Baghdad ist die südlich der Hauptstadt gelegene Provinz Karbala betroffen. Dort gibt es seit drei Tagen überhaupt keinen Strom – und dementsprechend auch kein Wasser, da die Pumpen nicht betrieben werden können. In rund der Hälfte der gleichnamigen Hauptstadt der Provinz ist mittlerweile Abwasser an die Oberfläche gedrungen , weil Lastwagen zum Abpumpen von Abwasser aufgrund von Treibstoffmangel nicht fahren konnten.

Der Mangel an produziertem Strom führt dazu, daß zunehmend Provinzen ihre Kraftwerke vom landesweiten Stromnetz abkoppeln, um so den produzierten Strom für sich zu behalten.

„Viele südliche Provinzen wie Basra, Diwaniyah, Nassiriyah und Babil haben ihre Kraftwerke vom Landesnetz abgekoppelt. Nördliche Provinzen einschließlich Kurdistan tun das gleiche“, sagte al-Shimari. „Wir haben absolut keine Kontrolle über einige Gebiete im Süden.“ Diese Aussage belegt auch ein weiteres Mal, daß sich die Macht der „Regierung“ im Irak genau wie jener in Afghanistan mehr oder weniger auf die Hauptstadt beschränkt.

„Das nationale Leitungsnetz wird zusammenbrechen, wenn die Provinzen sich nicht an die Regeln zur Verteilung der Elektrizität halten. Alle werden verlieren und es wird keinen Elektrizitäts-Gewinner geben“, so al-Shimari weiter.

Trotz der gezielten Zerstörung von Wasser- und Elektrizitätswerken bei der Bombardierung des Iraks im Jahr 1991 durch die USA und den anschließenden verheerenden Sanktionen – die ebenfalls auf Betreiben der USA verhängt wurden und deren Aufhebung durch sie verhindert wurde – ist die Versorgung mit Strom, Wasser und Treibstoff im Irak heute schlechter als zur Zeit Saddam Husseins. Allein dies – ungeachtet der unzähligen Toten und Verstümmelten, der Zerstörungen und all der anderen Folgen – wäre bereits zweifellos Erklärung genug für den beständig wachsenden Widerstand gegen die Besatzer.

Zwei AP

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