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162000 Soldaten im Irak

August 9, 2007

US-Armee meldet neuen Höchststand bei Besatzungstruppen. Pentagon preist 72 tote GIs im Juli als »Trendwende«. Irak laut Independent »chaotischer und gefährlicher denn je«

Mit 162000 Soldaten haben laut Pentagon-Meldung vom Dienstag die Vereinigten Staaten derzeit mehr Besatzungstruppen im Irak als je zuvor. Der neue Höchststand ist das Resultat der von US-Präsident George W. Bush Anfang des Jahres angeordneten »surge strategy«. Die sieht vor, mittels militärischer Eskalation den Sieg im Irak doch noch zu erzwingen. Allerdings hat der als Vorsitzender der Vereinigten Generalstabschefs nominierte Admiral Michael Mullen anläßlich seiner Bestätigungsanhörung vor dem US-Kongreß in der vergangenen Woche gewarnt, daß es »im Irak eine rein militärische Lösung nicht geben« kann. Von einer politischen Lösung im Zweistromland ist Bush jedoch trotz des neuen Truppenrekords weiter entfernt als je zuvor.

Politisch verliert der von Washington selbst gegen Widerstand in den eigenen schiitischen Reihen durchgesetzte irakische Ministerpräsident Nuri Al Maliki immer mehr an Boden. Von seiner »Regierung der nationalen Einheit« sind nur noch Überreste geblieben. Insgesamt 17 Minister haben mittlerweile das Kabinett verlassen. Maliki hat mit ihnen auch die Unterstützung der jeweiligen politischen Gruppierungen verloren. Erst am Dienstag hatten der Regierung die vier säkularen Minister der Wahlliste des ehemaligen Premiers und CIA-Agenten Ijad Allawi den Rücken gekehrt. Mittlerweile wird Maliki nur noch von einem Teil der schiitischen Parlamentarier und den kurdischen Parteien PUK und KDP gestützt.

Ähnlich wie dem politischen System droht auch der Infrastruktur des Irak der totale Kollaps. Laut irakischem Energieministerium steht das Elektrizitätsnetz vor dem Zusammenbruch, die Wasserversorgung in Bagdad wird immer wieder für mehrere Tage unterbrochen. Laut BBC stellt sich US-General Michael Walsh, zuständig für den Wiederauf des Irak, auf den Standpunkt, die Vereinigten Staaten hätten genug getan, um dem Land auf die Füße zu helfen. Jetzt müßten die Iraker alleine sehen, wie sie ihre Probleme lösen.

Da die Bush-Regierung dringend Meldungen über »Fortschritte« im Irak braucht, wird von ihr nun der Juli gepriesen. Im Unterschied zu den vorangegangenen sechs Monaten, in denen jeweils mehr als 100 US-Soldaten im Irak gefallen sind, war die Zahl der amerikanischen Kriegstoten auf »nur« 72 gesunken. Zwar erhöhte sich die Gesamtzahl der seit Kriegsbeginn gefallenen US-Soldaten damit auf 3655, doch das Pentagon macht eine »Trendwende« aus. Washingtons Propaganda wird von deutschen Medien bereitwillig mitgetragen (siehe unten). Ignoriert wird bei der Euphorie über sinkende US-Verluste, daß die Zahl der getöteten irakischen Zivilisten im Juli um 23 Prozent auf 2.024 gestiegen ist. Der Grund: Zum Schutz der US-Soldaten wurden dreimal so viele Luftangriffe wie in den Monaten zuvor geflogen, meist auf Bagdad und andere dicht besiedelte Gebiete.

Unterstützung bekam die US-Regierung von unerwarteter Seite. Unter dem Titel »Ein Krieg, den wir gerade noch gewinnen könnten« schrieben am 30. Juli zwei bisher als Bush-Kritiker bekannte Experten in der New York Times nach einem kurzen Besuch in Bagdad, daß die »surge«-Strategie »funktioniert«. Michael O’Hanlon und Kenneth Pollack aus der Denkfabrik »Brookings Institution« kamen in ihrem Artikel zu dem Schluß, derzeit passiere »genug Gutes auf den Schlachtfeldern im Irak, so daß der Kongreß die Anstrengungen (den Krieg) mindestens bis 2008 fortsetzen soll«. Dagegen berichtete der britische Independent am Dienstag aus Bagdad, sechs Monate nach Beginn der Eskalation habe Bushs Strategie auf breiter Front »blutig versagt«. Der Irak sei heute »chaotischer und gefährlicher als je zuvor«. Das gilt auch für die US-Besatzer: Ihre tägliche Sterberate liegt wieder über der vom Juli.

Quelle: http://www.jungewelt.de/

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