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Militärische Drogenbekämpfung gescheitert

Juni 27, 2007

Die Drogenclans in Afghanistan haben ihre Anbau- gebiete laut Vereinten Nationen so stark ausgeweitet wie nie zuvor. Die Schlafmohngebiete erstreckten sich nun auf einer Fläche von 104 000 Hektar – das entspricht etwa der Weinanbaufläche Deutschlands. Dies geht aus dem am Dienstag in Genf veröffentlichen UN-Jahres-Drogenbericht hervor. Die Schlafmohn- Anbaugebiete seien zwischen 2005 und 2006 in Afghanistan um fast 60 Prozent ausgeweitet worden und hätten die größte Ausdehnung erreicht, die jemals in dem Land beobachtet wurde, wird betont. Aus Schlafmohn wird Opium und schließlich Heroin gewonnen. Dabei investieren vor allem die USA und Großbritannien Millionen, um die Drogen- produktion in dem kriegszerrütteten Land einzudämmen.

Laut UN-Bericht ist der Schlafmohnanbau von 2005 bis 2006 um 59 Prozent auf 165.000 Hektar angestiegen, es sind schätzungsweise 6200 Tonnen Opium geerntet worden und 448.000 Haushalte oder 3 Millionen Menschen sind in die Opiumproduktion involviert. Fünf Prozent der Weltbevölkerung oder bis zu 200 Millionen Menschen konsumieren Drogen, wie aus dem Bericht weiter hervorgeht. 25 Millionen Menschen seien schwer drogensüchtig.

Die größten Anbaufelder mit einer Fläche von 62 Prozent liegen im Süden Afghanistans, wie es heißt. Nur sechs von 34 Provinzen seien frei von Opium-Kulturen, berichtete das UN-Büro für Drogenkontrolle und Verbrechensbekämpfung (UNODC) weiter. Der Anbau habe in Afghanistan ein Ausmaß angenommen, das die Erfolge im Kampf gegen die Drogenproduktion in anderen Ländern praktisch zunichte mache. Weltweit habe Afghanistan bei der Opiumproduktion einen Anteil von 92 Prozent.

Monika Knoche, drogenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag hält den Kampf gegen Drogen mit militärischen Mitteln in Afghanistan für gescheitert. Die von den USA angeführte und von der deutschen Bundeswehr in Afghanistan unterstützte Besprühung von Schlafmohnfeldern, die Zerstörung von Opium-Laboren und die Strafverfolgung der Kleinbauern hätten das Drogenproblem nicht verkleinert – im Gegenteil.

„In einem durch den Krieg zerstörten Land, das zusätzlich unter Dürre leidet, ist der landwirtschaftlich einfache Anbau von Schlafmohn für viele Bauern häufig die einzige Existenzgrundlage“, so Monika Knoche. Dieser illegale Drogenanbau gefährde die Stabilität und den Wiederaufbau Afghanistans. Landwirtschaftliche Alternativen hätten sich jedoch bisher unter den gegebenen klimatischen, produktionstechnischen und Vermarktungsbedingungen nicht umsetzen lassen.

„Deshalb kann nur eine staatliche Kontrolle diesem komplexen Problem Herr werden. Das Opium muss dem illegalen Drogenmarkt entzogen und stattdessen wie in der Türkei oder Indien zur lizenzierten Herstellung von Morphium und Kodein verwendet werden. So könnte der von der Weltgesundheitsorganisation beklagte dramatische Engpass an Schmerzmitteln weltweit behoben werden und die Bauern würden ihre Existenzgrundlage nicht verlieren“, schlägt Knoche vor und fordert die Bundesregierung auf, sich dafür einsetzen.

Der UN-Bericht zeige aber auch auf, dass weltweit die Produktion, der Handel und der Konsum von Kokain, Heroin, Cannabis und Amphetaminen im Jahr 2006 stabil geblieben sei. Dies spricht nach Ansicht von Knoche zumindest dafür, „dass die Bemühungen, die Drogensucht als Gesundheits- und nicht als Kriminalitätsproblem zu begreifen, langsam zu fruchten scheinen. Drogenabhängigkeit ist eine Krankheit, die behandelt werden kann und der wir hier in unseren Ländern mit Aufklärungsprogrammen vorbeugen müssen“.

Laut Drogenreport stiegen im vergangenen Jahr erstmals weltweit weder der Drogen-Konsum noch der Anbau. Im Jahr 2006 konsumierten demnach 159 Millionen Menschen Cannabis, 2005 waren es noch 162 Millionen. Die jüngsten Zahlen zeigten, dass Drogenmissbrauch rückläufig sei, sagte UNODC-Direktor Antonio Maria Costa. Bei den meisten Drogen – Kokain, Heroin, Cannabis und Amphetaminen – seien Produktion, Handel und Konsum im Jahr 2006 stabil geblieben.

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten seien nach den weltweiten Statistiken Konsum und Herstellung etwa auf gleichem Stand geblieben. Bei Kunstdrogen oder Amphetaminen wie Ecstasy habe es ebenfalls keine Produktionssteigerung gegeben, heißt es in dem Bericht.

Bei der Bekämpfung des Drogenschmuggels konnten weltweit Erfolge erzielt werden, wird betont. Mehr als 45 Prozent des weltweit hergestellten Kokains und mehr als ein Viertel des Heroins würden mittlerweile aus dem Verkehr gezogen. 1999 waren es noch 21 Prozent beim Kokain und nur 15 Prozent beim Heroin.

Die Händler suchten allerdings nach neuen Vertriebswegen, etwa durch Afrika. Dies gelte besonders für Kokain-Schmuggler aus Kolumbien und Heroin-Dealer aus Afghanistan, schreiben die Vereinten Nationen.

Quelle: http://linkszeitung.de/

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