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Warum braucht der Kirchentag die Muslime als dialektisches Gegenbild?

Juni 10, 2007

Sulaiman Wilms hat einige Antworten

Kommentar: Kirchliches Spektakel

(iz). Der bald zu Ende gegangene Kirchentag der Evangelischen Kirche in Köln fand nicht zufällig zeitgleich zum G8-Gipfel in Heiligendamm statt. Beide hatten nicht nur den Schwerpunkt Globalisierung, sondern sind auch durch den Begriff des „Spektakels“ gekennzeichnet. In beiden Fällen zeichnet sich die Agenda vor allem durch eine symbolhafte und inhaltsschwache Thematik aus. Wer daran zweifelt, hätte sich die Massen der jugendlichen Besucher anschauen sollen, die von den friedlichen Aktivisten in Mecklenburg vor allem nur durch ein typisches Tüchlein unterscheiden zu sind.

Neben der umfangreichen Debatte über die aktuelle Weltordnung brauchte das Event noch den Islam, um die notwendige Relevanz zu erzielen. Im Vorfeld aufgeladen durch die Kritik muslimischer Verbände am EKD-Thesenpapier über den Umgang mit dem Muslimen und die in Köln neu ausgebrochene Debatte über den Bau von repräsentativen Moscheen in Deutschland fand eine Teils heftige Debatte mit und über die in Deutschland lebenden Muslime statt. Ganz verschieden zum sonstigen Geiste eines Christenmenschens wurden auf der prestigeträchtigen Debatte zwischen Bischof Huber und KRM-Sprecher Ayyub Köhler auch schon einmal Wortbeiträge des deutschen Muslims ausgepfiffen und ausgebuht.

Es ist erschütternd, wie sehr der klerikale Apparat aufgrund schwächelnder Substanz auf eine negative Dialektik – trotz aller Betonung des viel beschworenen „Dialogs“ – gegenüber den hiesigen Muslimen angewiesen ist. Beinahe schon komisch schlicht ist dabei die nicht nur von Huber, sondern auch vom katholischen Kardinal Lehmann vorgetragene These, die Muslime könnten hier nur dann die auch für sie geltende Rechtsstaatlichkeit in Anspruch nehmen, wenn in der so genannten „muslimischen Welt“ existente Menschenrechtsverletzungen beendet seien. Inwiefern sich deutsche Staatsbürger dafür zu rechtfertigen haben, was ausländische Regierungen tun, konnte der rhetorisch einfache EKD-Chef nicht beantworten. Darüber hinaus wäre es doch eine gute Idee, wenn die beiden kirchlichen Großkonzerne, die sicherlich über nicht unerheblich Portfolios verfügen, Druck auf jene deutschen Unternehmen ausüben würden, die mit jenen autoritären oder totalitären gute Geschäfte machen.

Die Frage, die direkt an die EKD-Führung zu stellen wäre, ist, wie stark mittlerweile der Einfluss jener evangelikalen Islamkritiker geworden ist. Nicht von ungefähr fabrizierte dieses Millieu zu Anfang Juni ein Manifest, welches sich gezielt gegen die vielen Millionen muslimischen Einwohner Europas richtet. Nicht, dass dieses wirklich relevant wäre, es stellt aber bestimmte kirchliche Stellungnahmen in einen ganz anderen Bedeutungszusammenhang.
http://www.islamische-zeitung.de/?id=8906

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