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Internet-Pornos und brutaler Rap – Experten warnen vor Verrohung

Mai 21, 2007

(dpa) Es beginnt mit einem harmlosen Techtelmechtel in einem Internet-Chatroom. Als es dann aber zum Treffen in der realen Welt kommt, vergewaltigen zwei 15-Jährige ihre jüngeren Bekannten aus dem Netz. Unter Androhung von Schlägen machen sie ihre 12 und 13 Jahre alten Opfer gefügig und fallen am 12. Mai diesen Jahres in einer Wohnung in Hamburg über sie her. In dem Vergewaltigungsfall spielen zwei Phänomene eine Rolle, vor denen Experten zunehmend warnen: die zunehmende sexuelle Verrohung von Jugendlichen und die von Chatrooms ausgehenden Gefahren.

«Das Internet mit dem leichten Zugang zu Pornografie fördert die Enthemmung», sagt der Sexualwissenschaftler Jakob Pastötter. Der Zugang sei heute wesentlich leichter, früher habe man Pornos nur auf Videos konsumieren können. «Die Jugend klärt sich mit Pornografie auf», sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS). Schneller Sex ist nach Meinung der Experten heute unter jungen Leuten weit verbreitet. Der romantische Flirt mit der ersten Liebe werde zunehmend zum Relikt der Vergangenheit.

«Vor allem durch eine Lied- und Jugendkultur, die junge Frauen zu einer Körperware reduziert, wird eine sexuelle Verrohung bei Jugendlichen gefördert», sagt Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN). Es sei «grauenhaft, wie Mädchen in diesen Texten, die vor allem im Hip Hop verbreitet sind, herabgewürdigt werden.» Damit spielt Pfeiffer auf Texte von Rappern an, die teilweise auf dem Index stehen – aber trotzdem von vielen Jugendlichen gehört werden. Die Zahl sexueller Nötigungen und Vergewaltigungen bei Jugendlichen steige.

Als weiteres Beispiel für die zunehmende Verrohung nennt der Kriminologe das vermehrt auftauchende Phänomen des «Happy Slapping». Bei dieser Form des «fröhlichen Draufschlagens» werden Unbekannte angegriffen, geschlagen und gefilmt. «Es gibt aber in Deutschland auch zunehmend Fälle, wo Schuljungen Mädchen auf dem Pausenhof angreifen, ihr an die Wäsche gehen und ein weiterer Junge alles filmt», berichtet Pfeiffer. Anschließend wird der Film per Handy verschickt oder ins Internet gestellt. «Das ist eine besondere Form der Erniedrigung von Opfern», sagt der Kriminologe.

In Chatrooms dagegen seien es in der Regel eher Erwachsene, die sich junge Opfer suchen. «Internet-Chatrooms sind wie ein Fantasiespiel. Man erzählt sich über Tage oder Wochen persönliche, oft sexuelle Fantasien und merkt nicht, wie man in etwas hineinschlittert», sagt Sexualwissenschaftler Pastötter. Auch Pfeiffer hält die anonym ausgetauschten Fantasien für problematisch: «Wenn die dann ausgelebt werden wollen, wird es mordsgefährlich»

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