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Ein Muslim kehrt Hessen den Rücken

Mai 21, 2007

ReligionmuslimReligionsführer hält Integration in Hessen für schwieriger als in Bayern
VON JUTTA RIPPEGATHER (GIESSEN)
Als Ramazan Kuruyüz vor 19 Jahren nach Gießen kam, wollte er hier seine Doktorarbeit in Germanistik schreiben. Und für immer in Deutschland bleiben. „Ich habe mich mit dem Land so weit identifiziert, dass ich im Fall meines Todes hier beerdigt sein wollte“, sagt der 44 Jahre alte Vorsitzende der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH), die nach eigenen Angaben 11 000 Mitglieder aus 30 verschiedenen Herkunftsländern zählt.

Inzwischen hat Kuruyüz es sich anders überlegt. Er zog seinen Antrag auf Einbürgerung zurück und kündigt an, in die Türkei zurückzukehren. Um „ein Zeichen zu setzen“, wie der Gießener sagt, der an einer Integrierten Gesamtschule in Wetzlar Türkisch und Deutsch lehrt. Weil Muslime in Hessen sich nicht willkommen fühlten. Weil die Landespolitiker, allen voran Innenminister Volker Bouffier (CDU), die Muslime „so unfair und unmöglich behandeln, dass sie Angst um ihren Arbeitsplatz, ihre Familien haben“. Der Politiker Bouffier ist für Kuruyüz ein rotes Tuch. Selbst in Bayern sei es einfacher, die Integration der Muslime voranzutreiben als in Hessen. Die IRH habe der Landesregierung immer wieder Angebote zur Zusammenarbeit gemacht – vergebens.

Der 11. September 2001 war der Wendepunkt. Danach, sagt Kuruyüz, habe sich die Stimmung gegen Muslime gewandelt. Seitdem komme es zu Razzien in Moscheen, die „unverhältnismäßig“ seien. Seitdem bestehe kaum mehr die Chance, dass der bereits 1998 gestellte Antrag der IRH auf Einführung des islamischen Religionsunterrichts an hessischen Schulen bewilligt werde. Höhepunkt der „Diffamierungskampagne“ sei die überraschende Aufnahme der IRH in den hessischen Verfassungsschutzbericht von 2004 und 2005 gewesen. Die IRH klagte, es kam zum Vergleich. Darin wurde vereinbart, dass die Gemeinschaft auf Basis des jetzigen Kenntnisstands nicht mehr in künftigen Verfassungsschutzberichten erwähnt werden dürfe. Die Frage der Rechtmäßigkeit der Aufnahme blieb offen. Ein weiterer Grund für Kuruyüz, Deutschland den Rücken zu kehren.

Nach wie vor sieht er einen engen Zusammenhang mit dem Streit über den islamischen Religionsunterricht. Die Position der IRH sollte geschwächt werden, meint er. Der Vorwurf, der Scharia (das islamische Gesetz) werde eindeutig der Vorzug vor den hier herrschenden Gesetzen und Gebräuchen gegeben, entbehre jeder Grundlage. Bei den religiösen Pflichthandlungen für Muslime handele es sich allein um individuelle wie Gebet, Fasten oder Bekleidungsgebote. Die IRH verpflichte ihre Gläubigen, das Grundgesetz zu achten. Sie fördere die Teilnahme von Schülerinnen an mehrtägigen Klassenfahrten, hat dazu sogar ein Merkblatt mit Empfehlungen für Eltern herausgegeben. Die im Verfassungsschutzbericht erwähnte Fatwa (islamisches Rechtsgutachten) von 1998 sei einmalig erstellt worden und die Auslegung ein Fehler gewesen. Sie verbot muslimischen Schülerinnen die Teilnahme an mehrtägigen Klassenfahrten und untersagte Frauen, ohne Begleitung eines nahen männlichen Verwandten Reisen zu unternehmen, bei denen sie außerhalb der elterlichen oder ehelichen Wohnung übernachten. Als zulässigen Entfernungsradius für Frauen legte die Fatwa 81 Kilometer fest.

Von Bouffier bewusst geförderte Missverständnisse, Unwissen, Islamophopbie – das sind für Kuruyüz die Gründe dafür, dass Muslime sich in Hessen nicht wohlfühlten. Es fehle die Anerkennung ihrer Identität. „Integration geschieht hier nur im Bereich der Sprache“, sagt er. Das sei zu wenig.

Wichtig sei auch, dass sie mit einer Stimme sprechen. Deshalb begrüßt Kuruyüz die Gründung des Koordinierungsrats der Muslime in Deutschland (KRM). Bis er in die Türkei zurückkehrt, wird er weiter an einer Einheit der Muslime in Deutschland mitarbeiten. „Durch den Kooperationsrat der Muslime haben wir nun endlich einen übergeordneten Sprecher auf Bundesebene.“ Außerdem wird er sein Buch fertigstellen, das er als Abschiedsgeschenk für Deutschland versteht. Schon der Titel soll zeigen, dass der Einsatz für den Islam auch gewaltfrei geführt werden kann. Titel: „Mein Dschihad für die Würde des Menschen.“ Untertitel: „Warum ich das Land verlasse.“

http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/lokalnachrichten/aktuell/?sid=8f64d400930d8b49ee29ccd946eab999&em_cnt=1135803
3 Kommentare leave one →
  1. Mai 22, 2007 9:06 am

    Amen!

  2. affe permalink
    Juni 18, 2007 11:01 am

    die moslems meinen,wir sollten uns ihnen anpassen…
    je mehr von ihnen deutschland verlassen,umso besser ist für deutschland

  3. August 30, 2007 10:04 pm

    selam aleykum.
    dieser text ist umsonst. verändert ja sowieso nichts. ein kommentar zu „affe“:
    wenn alle muslims weg wären aus deutschland, glaub mir mein bruder, dann hätte deutschland ein gewaltiges problem mit der wirtschaft.
    steuern zahlen ist eine pflicht im islam, und ein standhafter muslim zahlt steuern.
    rechne aus, wieviel muslime es gibt und was dann mit der wirtschaft passieren würde.
    2. das ist rassismus, das ist ganz klar.
    und 3. sei nicht sturr, bilde dich informiere dich über den glauben ohne vorurteile sondern reinige dich vorher aus allen negativen gedanken, und ließ dir den quran durch.

    wenn du an die logik glaubst, dann glaub mir wird der buch nicht ein zweifel bringen.
    wenn ja dann gehörst du zu den ersten menschen der ganzen welt, die eine zweifel / fehler im quran entdeckt haben.
    wenn du das schaffst bist du reich und hast ausgesorgt.
    aber ich würde es dir vorher sagen, glaube mir versuch es nicht, würdest es sowieso nicht schaffen, weil es unmöglich ist. probiere es bei der bibel oder die tora, da hast du schon mehr chancen.
    trotzdem wünsche ich dir mit auf den weg : viel erfolg im leben möge die allah recht leiten sodass du den islam als dein streben ansehen wirst.

    selam aleykum wr.wb.

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