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Falschgeld aus dem Iran?, Die alten Propagandamärchen

Mai 19, 2007

Am Freitag veröffentlichte Welt Online einen Artikel, der selbst angesichts der Tatsache, daß es sich dabei immerhin um ein Produkt des Springer-Verlags handelt, nur als ein bemerkenswertes Propaganda-Machwerk bezeichnet werden kann.

Unter Berufung auf „Unterlagen eines Geheimdienstes“, die Welt Online „zugespielt“ worden seien, wurde dort berichtet, daß im Februar dieses Jahres in der iranischen Hauptstadt Teheran eine „Fertigungsanlage zur Fälschung westlicher Devisen eröffnet“ worden sei. Die „Geldfälscherwerkstatt“ mit „etwa 30 Mitarbeitern“ liege im Osten Teherans und trage den Namen „Tapeh“, was auf Farsi „Hügel“ heißt. Dies sei wiederum eine Anspielung auf den Sitz des US-Parlaments in Washington, den Capitol Hill. Eine Anspielung auf den US-Football-Spieler Thomas Teah Tapeh wurde dabei offenbar vollkommen ausgeschlossen.

Die „kleine, aber feine Fabrik“ solle „vor allem 50- und 100-Dollar-Noten produzieren, später auch Euroscheine“, so der Bericht weiter. Die „Fabrik“ verfüge den „Informationen“ des nicht genannten Geheimdienstes zufolge über „hochwertige Maschinen zur Herstellung von Sicherheitspapier, Wasserzeichen und Metallstreifen sowie über modernste ‚Micro Text‘- und ‚Mini lettering‘-Computerprogramme.“ Auch zur „Produktion von fluoreszierender Tinte“ sei „der Betrieb in der Lage.“ Dies führe dazu, dazu, daß „Beobachter fürchten, daß die Qualität der Blüten so hochwertig ist, daß sich die Fälschung kaum als solche erkennen läßt“ – hier ist offenbar die Rede von den seit Jahren gefürchteten „Supernotes“, Fälschungen, die selbst bei eingehenden Prüfungen nicht als solche zu erkennen sind.

Tatsächlich bestehen zumindest deutliche Hinweise darauf, daß diese „Supernotes“ in Wahrheit durch die CIA hergestellt werden. Solange Welt Online nicht wenigstens seine vorgebliche Quelle offenlegt, ist mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß es sich hierbei um einen US-Geheimdienst handelt. Allein schon die Tatsache, daß dieser den Medien „Informationen“ zugespielt hat, sollte die Frage aufwerfen, inwieweit diese tatsächlich glaubwürdig sind, geschieht dies doch selten ohne daß dabei ein konkretes Ziel verfolgt wird.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang zweifellos auch, daß die ebenfalls zum Springer-Verlag gehörende Berliner Morgenpost ihren zu diesem Thema veröffentlichten Artikel zwischenzeitlich kommentarlos gelöscht hat.

Die Behauptung, der Iran stelle nun gefälschte US-Banknoten her, ist in der Propaganda der USA der letzten Jahrzehnte keineswegs eine neue Erfindung. Derartige Vorwürfe trafen in der Vergangenheit praktisch jedes Land, das von den USA als „Gegner“ angesehen wurde.

Die Tatsache, daß diese „Vorwürfe“, die – wie kaum anders zu erwarten, mit dem von US-orientierten Seiten erhobenen Vorwurf, der Iran arbeite an der Entwicklung von Atombomben – kombiniert wurden, macht noch deutlicher, daß es sich hier um nichts weiter als Propaganda zur Vorbereitung eines weiteren völkerrechtswidrigen Angriffskrieges der USA handelt. Angesichts der Arbeitsverträge von Springer-Angestellten kann eine solche „Berichterstattung“ zwar kaum verwundern, die Dreistigkeit, mit der hier ganz offensichtlich Propaganda als „Informationen“ verbreitet wird, ist trotzdem sicherlich bemerkenswert.

Dabei erscheint die grundlegende Strategie durchaus nachvollziehbar. Einerseits strebt die US-Führung unübersehbar einen Krieg gegen den Iran an, andererseits ist die Dominanz des US-Dollars in der Welt als Leitwährung zunehmend gefährdet. Die Verbindung dieser beiden Zielsetzungen ist also absolut logisch. Wenn dies allerdings auf derart plumpe Art erfolgt – so plump, daß die Medien mit wenigen Ausnahmen wie AOL und MSNBC darauf verzichten, darüber zu berichten – so stellt sich hier sicherlich die Frage, ob die entsprechenden Kreise innerhalb der US-Führung mittlerweile tatsächlich derart verzweifelt sind.

In jedem Fall ist diese „Berichterstattung“ allerdings mehr als geeignet, einmal mehr ein überdeutliches Schlaglicht auf die Art der Berichterstattung der zum Springer-Verlag gehörenden Medien zu werfen.

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