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Besatzer lassen Drogenbauern in Afghanistan unbehelligt, Der „Krieg gegen Drogen“ und die Wahrheit

Mai 2, 2007

 Der Vorwurf, der schon vor Jahrzehnten durch die USA ausgerufene „Krieg gegen die Drogen“ sei nur ein Vorwand, um wirtschaftliche und politische Ziele – insbesondere der USA – im Ausland militärisch durchzusetzen, ist keineswegs neu. Ein Bericht des britischen Guardian vom Samstag belegt eindrucksvoll, wie wenig Interesse offenbar tatsächlich an der Bekämpfung illegaler Drogen besteht.

Kürzlich hatte das britische Militär in Werbesendungen in zwei örtlichen Radiosendern der afghanischen Provinz Helmand eine für die Zuhörer unmißverständliche Botschaft ausstrahlen lassen.

„Geachtete Bürger Helmands. Die Soldaten der ISAF [„International Security Assistance Force“, „Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe“) und der ANA [„Afghan National Army“, „Afghanisches Nationalheer“] zerstören keine Schlafmohnfelder“, so die Botschaft. „Sie wissen, daß viele Menschen in Afghanistan keine andere Wahl haben, als Schlafmohn anzubauen. ISAF und ANA wollen die Menschen nicht daran hindern, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.“

Die führte zu wütenden Reaktionen der „afghanischen“ Regierung, die international unter Druck gesetzt wird, der seit dem Sturz der Taliban wieder florierenden Heroinproduktion Einhalt zu gebieten, an deren entsprechenden „Bemühungen“ aber grundlegende Zweifel bestehen.

„Das war ein Fehler der ISAF“, sagte der Sprecher des Ministeriums für Drogenbekämpfung, Zalmay Afzali. „Wir haben die ISAF aufgefordert, solche Probleme zukünftig zu vermeiden, weil sie ein Riesenproblem schaffen können. Wir hoffen, es wird nicht wieder passieren.“ Nach mehreren Besprechungen erklärte die NATO am vergangenen Mittwoch, daß die Werbespots nicht weiter ausgestrahlt würden. „Wir erkannten, daß es ein Fehler war und kümmerten uns so schnell wie möglich darum“, sagte der Sprecher Nicholas Lunt.

Oberstleutnant Charlie Mayo, ein Sprecher des britischen Militärs, verteidigte die Werbesendungen. Diese seien ausgestrahlt worden, um „Propaganda“ der Taliban, britische Soldaten seien nach Sangin gekommen, um die Lebensgrundlagen von Bauern zu zerstören, entgegenzuwirken. „Das Dilemma war, daß die Schlafmohnernte stattfand und Menschen zu den Waffen greifen würden, um uns zu bekämpfen“, sagte er. Mayo sagte weiter, die Formulierung der Werbesendung habe Spielraum für „Mißverständnisse“ gegeben, tatsächlich bestätigte er aber schließlich genau den Standpunkt, daß die NATO-Truppen in keiner Weise gegen den Drogenanbau vorgehen. „Sie müssen verstehen, daß wir hier sind, um die Taliban zu töten, nicht um ihren Schlafmohn umzupflügen.“ Kürzlich diskutierten britische Offiziere, einem Bauern, dessen Ackerland für eine Militärbasis „requiriert“ wurde, den vollen Marktpreis des dadurch zerstörten Schlafmohns zu zahlen.

Ein Großteil des in Großbritannien verkauften Heroins wird in der afghanischen Provinz Helmand hergestellt. Im vergangenen Jahr stammte rund ein Viertel der Weltproduktion aus dieser Provinz. Demgegenüber war die Heroinproduktion unter der Herrschaft der Taliban – aufgrund drakonischer Strafen – fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Es scheint zumindest fragwürdig, ob die erhobenen Vorwürfe, die Taliban würden die Heroinproduktion nun aktiv fördern und sich zumindest teilweise hieraus finanzieren, zutreffen. Immerhin würden sie sich auf diese Weise vollkommen unglaubwürdig machen, würden sie doch nicht nur den von ihnen erlassenen und brutal durchgesetzten Gesetzen, sondern auch dem Koran zuwiderhandeln.

Andererseits nutzt der US-Geheimdienst CIA seit Jahrzehnten den Drogenhandel, um sein Budget aufzustocken und gezielt in anderen Ländern Einfluß zu nehmen. Schon vor über zwei Jahren gab es sehr deutliche Hinweise auf eine Beteiligung von „afghanischen“ Regierungsbeamten am neu aufblühenden Drogenhandel. Nicht genannte „westliche Beamte“ seien mittlerweile überzeugt, daß auch drei Minister der „afghanischen“ Regierung an der Kontrolle des Drogenhandels Afghanistans beteiligt seien. Aufgrund der „Nähe“ der „afghanischen“ Regierung zu den Besatzern schien es schon bisher schwer vorstellbar, daß diese nicht sehr genau um die Hintermänner wissen und ihre schützende Hand über sie halten.

Der „Fehler“ in der Ausstrahlung der Werbesendung lag in Wahrheit offenbar nicht in der Aussage selbst, sondern allein darin, diese derart öffentlich zu machen.
http://www.freace.de/artikel/200705/020507a.html

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