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Studententag der IGMG im Fokus der Medien -Hagen: „Die Zukunft in der Tradition“

April 4, 2007

(iz) Mit ihrem Studententag im westfälischen Hagen am 31.März unter dem Motto „Die Zukunft in der Tradition“ hat die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) eine alte Verbandstradition wieder aufgegriffen und nach einer längeren Pause die dritte derartige Veranstaltung organisiert. Rund 1.800 junge Muslime aus ganz Europa und teils sogar aus Australien und den USA, die dem Verband angehören oder sich in dessen Umfeld bewegen, waren in die Hagener Stadthalle gekommen. Die Veranstaltung stand unter starkem Medieninteresse, wird die IGMG doch aufgrund der Tatsache, dass sie vom Verfassungsschutz beobachtet wird, und im Rahmen der Diskussion um vermeintliche Parallelgesellschaften immer wieder scharf angegriffen. Erst kurz vor der Veranstaltung hatte die simple Tatsache, dass IGMG eine gewissen Zahl von Studentinnen und Studenten mit Stipendien unterstützt, bei einigen Medien für Aufregung gesorgt. Rund 30 Journalisten hatten sich zu der Veranstaltung angemeldet, sagte ein Sprecher der IGMG.
Vor Ort waren junge, ganz überwiegend türkischstämmige junge Muslime in ihrer ganzen optischen Bandbreite vertreten – von eher traditioneller bis pop-modischer Kleidung, mit und ohne Kopftuch, mit Vollbart oder Irokesenschnitt. Im Programm sprachen Celal Tüter, Leiter der Studentenkommission der IGMG, Mesut Gülbahar, Vorsitzender des IGMG-Jugendverbandes, IGMG-Generalsekretär Oguz Ücüncü und Nurcan Ulupinar vom Frauenressort der Jugendabteilung. Als Gastredner waren Prof. Numan Kurtulmus und die Soziologin Prof. Ümit Meric, beide aus der Türkei, gekommen. Am Abend klang die Veranstaltung mit Saz-Musik der Gruppe „Istanbul Sazendeleri“, Ilahi- und Naat-Gesängen von Veysel Dalsaldi sowie einer Abschlussrede des IGMG-Vorsitzenden Yavuz Celik Karahan aus. Zwischendurch gab es verschiedene Multimedia-Präsentationen und Selbstdarstellungen der IGMG und ihrer Jugend- und Studentenarbeit sowie Preisverleihungen für herausragende Studienabschlüsse. Im Rahmenprogramm waren in einer Ausstellung Beispiele von Kalligrafie, Ebru, Tazhib und anderer traditioneller islamischer Künste zu sehen; Bücher- und Infostände waren auch vertreten. Die Tatsache, dass das gesamte Programm in türkischer Sprache stattfand, wurde seitens der IGMG ganz pragmatisch damit begründet, dass die gemeinsame Sprache der internationalen Publikums eben Türkisch sei.

Die inhaltlichen Beiträge drehten sich vor allem um die Frage, wie man seine islamische Identität in den europäischen Gesellschaften bewahren und sich positiv in diese einbringen könne. IGMG-Generalsekretär Ücüncü wies in seiner Rede insbesondere Versuche, den Islam einer vermeintlichen „Aufklärung“ zu unterziehen und ihn durch Konzepte eines „Euro-Islam“ oder ähnlichem von seinen authentischen Quellen zu entfernen, deutlich zurück. „Wenn eine der elementarsten Eigenschaften von uns Muslimen die Verbundenheit mit dem Qur’an und der Sunna ist, so haben wir die Aufgabe, zu zeigen, wie ernst das Thema für uns ist“, sagte Ücüncü. Die Definitionshoheit, was Bestandteil des eigenen Glaubens ist, sollten sich die Muslime nicht von anderen wegnehmen lassen. Auf die in den letzten Jahren gestiegene Ablehnung sollten die Muslime in den europäischen Ländern „gebührend und friedlich“ reagieren, sagte Ücüncü. Man solle sich dadurch nicht davon abbringen lassen und sich weiterhin darum bemühen, sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, sagte der IGMG-Generalsekretär.

Prof. Numan Kurtulmus hob in seinem Beitrag das positive Beispiel der islamischen Geschichte, insbesondere des Osmanischen Reiches als „Symbol der Vereinigung von Ost und West “ und einer Globalisierung im positiven Sinne hervor, in dem verschiedene Ethnien und religiöse Gruppen friedlich zusammenlebten. Ein weiteres historisches Beispiel dafür sei der Umgang Saladins mit den Juden und Christen bei der Eroberung Jerusalems. Er charakterisierte die derzeitige Weltlage als von Werteverlust, Individualisierung, Perspektivlosigkeit und ähnlichen Symptomen gekennzeichnet und betonte das positive Potenzial der jungen Muslime zur Verbesserung dieser Lage. Es sei ein neues, ethisch geprägtes und nicht korruptes Menschenbild gefordert, und ein neues Paradigma, das im wesentlichen von vier Qualitäten geprägt sei: Von Spiritualität, also nicht materialistisch orientiert, von Freiheitlichkeit, das heißt es müsse allen Menschen Freiheit bringen, von Gerechtigkeit, was Prof. Kurtulmus am Beispiel des Propheten Muhammad verdeutlichte, und von Fortschrittlichkeit, denn bei einem Gläubigen sollten zwei Tage nicht gleich sein, sondern man sich in einem ständigen Prozess der Weiterentwicklung befinden. Dabei solle aber auch das islamische Traditionsbewusstsein erhalten bleiben. Die jungen Muslime sollten „mindestens zwei europäische Sprachen lernen“ und „mindestens zwei Bücher im Monat lesen“.

Der frühere türkische Ministerpräsident und Spiritus Rector der Milli Görüs, Prof. Necmettin Erbakan, wandte sich in einer Video-Grußbotschaft an die Anwesenden. Anders als man vielleicht erwartet hätte, war seine Ansprache sehr unpolitisch und unideologisch und glich eher einer klassischen religiösen Ansprache. Erbakan betonte die Wichtigkeit grundlegender Dinge, wie der Barmherzigkeit Allahs als besonders hervorgehobene Eigenschaften des Schöpfers, dass der Prophet Muhammad als Barmherzigkeit für alle Welten gesandt worden ist und dass die Grundlage des Verhaltens des Muslime die Güte sei. Muslime bräuchten eine gesunde ’Aqida [die grundlegenden Glaubensinhalte, d.Red.] und eine feste Verwurzelung im Tauhid [der Einheit Allahs und dass nichts von Ihm unabhängig ist, d.Red.], denn „wenn eine Gemeinschaft nicht darauf gründet, kann sie kein Glück haben“. Erbakan hob des weiteren die Wichtigkeit der guten Charaktereigenschaften hervor, und dass man diese als Muslime vorbildlich verkörpern solle. Muslime sollten Dienstleister für alle Menschen sein und ein lebendiges Beispiel für das, wozu sie aufrufen. „Allah hat uns vier Qualitäten gegeben, die Unterscheidung zwischen Gut und Böse, die zu Wissen führt, die Unterscheidung zwischen Schön und Hässlich, die zu Ethik führt, zwischen Nützlich und Schädlich, …, und zwischen Gerecht und Ungerecht, …“, so Necmettin Erbakan.

Prof. Dr. Ümit Meric zeigte in ihrer Rede die Beziehungen von Muslimen zu Juden und Christen anhand von Beispielen großer muslimischer Persönlichkeiten auf. Die inzwischen emeritierte Soziologie-Professorin hat sich in ihrer Laufbahn von der säkularen Soziologie entfernt und stärker dem islamischen Wissen zugewandt.

http://www.islamische-zeitung.de/?id=8555
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