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Die 15 gefangengenommenen britischen Soldaten – Perfekter Zeitpunkt

März 26, 2007

Am Freitag sind 15 britische Soldaten durch Einheiten der Marine der iranischen revolutionären Garde gefangengenommen – auch deutsche Medien sprechen bereits von „verschleppt“ – worden. Während sich „westliche“ Medien und Politiker offenbar vollkommen einig sind, daß dies vollkommen ungerechtfertigt war und nur ein weiteres Indiz dafür, wie „verbrecherisch“ die iranische Regierung ist – was wiederum als „Beleg“ für die Anschuldigungen eines iranischen Atomwaffenprogramms gelten soll – scheint es doch mehr als angebracht, hier einmal mehr die Frage „cui bono“ – „wem nützt es“ – zu stellen.

Während die britische Seite auf dem Standpunkt beharrt, die Soldaten seien gefangengenommen worden, während sie ein iranischesFrachtschiff in irakischen Hoheitsgewässern kontrollierten, besteht der Iran seinerseits darauf, daß die Soldaten in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen seien und dort widerrechtlich ein Schiff kontrollierten. In ersten Berichten hieß es noch, dies habe sich im Persischen Golf ereignet, mittlerweile ist allerdings klar, daß sich dieser Vorfall im Grenzfluß zwischen Iran und Irak, Shatt al-Arab – beziehungsweise Arvand Rud, so die iranische Bezeichnung – ereignete. Die Darstellung, daß hier nur gegen Schmuggler von – offenbar gestohlenen – Fahrzeugen vorgegangen werden sollte, erscheint höchst unglaubwürdig. Demnach wurde beobachtet, wie das Frachtschiff Fahrzeuge auf drei Frachtkähne umlud, von denen vermutet wurde, sie würden diese dann in der irakischen Hafenstadt Basra anlanden. Eine dortige Kontrolle wäre zweifelsohne weitaus weniger gefährlich und aufwendig gewesen. Tatsächlich haben die gefangenen Briten iranischen Meldungen zufolge mittlerweile gestanden, in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen zu sein.

Nun werden bereits Gerüchte verbreitet, die 15 gefangengenommenen Briten sollen als „Tauschobjekte“ für 5 im Irak durch US-Soldaten gefangengenommene Iraner – die anscheinend mit dem Aufbau einer diplomatischen Niederlassung befaßt waren – dienen. Tatsächlich scheint dies aber kaum glaubhaft. Eine solche Vermutung unterstellt der iranischen Führung letztlich tiefgreifende Dummheit. Nicht nur, daß ein solches Kommandounternehmen in irakischen Gewässern zweifellos als kriegerischer Akt gelten würde, auch der Versuch einer solchen Freipressung iranischer Staatsbürger ist insbesondere im Hinblick auf den Kriegskurs der USA kaum als diplomatisch geschickt zu bezeichnen. Es scheint wenig wahrscheinlich, daß die iranische Regierung den USA freiwillig einen ebenso willkommenen wie effektiven Anlaß liefern würde, den Iran einmal mehr als „Reich des Bösen“ zu präsentieren.

Ganz anders sieht dies allerdings für Großbritannien – treuester Verbündeter der USA – aus. Sollte es sich hier um eine gezielte Provokation durch die britische Marine gehandelt haben, so hätte dies kaum zu einem besseren Zeitpunkt erfolgen können. Am Tag nach dem Vorfall wurde im UN-Sicherheitsrat über neue, weiterreichende Sanktionen gegen den Iran aufgrund dessen Weigerung, das ihm zustehende Recht der Urananreicherung nicht weiter auszuüben, abgestimmt. Diese Resolution wurde einstimmig – entgegen vorangegangenen Aussagen Südafrikas – angenommen.

Einen Tag vor dem Vorfall hatte die iranische Marine im Persischen Golf mit einem Manöver begonnen. Es waren also bedeutend mehr Schiffe des iranischen Militärs in der Nähe, als dies für gewöhnlich der Fall sein dürfte.

Nun sind infolge einer solchen Provokation mehrere Entwicklungen denkbar. Nachdem also ein Frachtschiff in iranischen Gewässern durch die britische Marine aufgebracht wurde, hätte der Iran aus Angst vor einer Eskalation angesichts der ohnehin schon angespannten Lage und der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat am folgenden Tag tatenlos bleiben können. Dies wäre dann seitens der Briten als klares Zeichen der Schwäche gedeutet worden – also ein eindeutiger Erfolg.

Die Folgen einer Gefangennahme der Soldaten sind derzeit zu beobachten. Diese wird offenkundig genutzt, um die Stimmung gegen den Iran weiter zu schüren. Darüber hinaus bietet dies zweifellos Einblicke in iranische Strategien, Reaktionszeiten und Basen.

Eine weitere mögliche Entwicklung wäre eine massivere militärische Reaktion des Irans – oder auch eine Gegenwehr der britischen Soldaten – gewesen. In jedem Fall hätte dies zweifellos zum Tod der 15 britischen Soldaten in ihren Schlauchbooten geführt. Es fällt nicht schwer, die hierauf folgenden Medienberichte und „Reaktionen“ von Politikern zu erahnen.

Insbesondere jenes letztgenannte Szenario scheint im Hinblick auf das zeitgleich erfolgte Manöver der iranischen Marine durchaus wahrscheinlich. Hätten sich die Soldaten ihrer Gefangennahme widersetzt, wäre es praktisch unweigerlich zu einem Feuergefecht gekommen, an dem sich sowohl die britische Fregatte HMS Cornwall – von der die gefangengenommenen Soldaten stammen – als auch iranische Schiffe beteiligt hätten, was letztlich den Kriegsbeginn zwischen dem Iran und Großbritannien – also auch der NATO – bedeutet hätte.

Eine solche Entwicklung würde es der britischen Regierung auch erlauben, sich an einem US-geführten Angriff auf den Iran zu beteiligen, ohne nennenswerte Kritik aus der eigenen Bevölkerung befürchten zu müssen.

Die Frage „wem nützt es“ könnte also kaum eindeutiger beantwortet werden. Gleichgültig, wie sich ein absichtliches Eindringen in iranische Gewässer durch britische Soldaten entwickeln würde, der „Gewinner“ – abgesehen von den Soldaten selbst – stünde fest, während die iranische Seite nur die Wahl zwischen verschiedenen, unterschiedlich nachteiligen Optionen hätte. Angesichts der massiven bewußten Lügen zur Vorbereitung des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges den Irak fällt es sicherlich nicht schwer, aus all dem die Wahrscheinlichkeit einer wahrheitsgetreuen Darstellung seitens des britischen Militärs abzuleiten.

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