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Uni-Mitarbeiter sollen Islamisten aufspüren

März 17, 2007

In einer E-Mail wird das Personal aufgefordert, Kollegen und Studenten zu melden, die sich dem „islamischen Fundamentalismus“ zuwenden. Die E-Mail ist mit dem Verfassungsschutz abgestimmt, Bayerns Innenminister ist zufrieden. Trotzdem bedauert die Uni jetzt den Inhalt der Nachricht.

Die Ludwig-Maximilians-Universität München hat ihre Mitarbeiter in einer E-Mail aufgefordert, islamistische Studenten und Kollegen unverzüglich zu melden. In dem Rundschreiben wurde wegen der Terror-Drohungen gegen Deutschland zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen, wie aus der E-Mail hervorging.

Die Nachricht, die der Sicherheitsbeauftragte der Hochschule verfasste, wurde bereits am Montag an das Personal verschickt. Darin wurde dazu aufgerufen, auf Studenten, Mitarbeiter und Besucher zu achten, „die sich durch besondere Verhaltensweisen, wie zum Beispiel einen Bruch im Lebenswandel, Gewaltbereitschaft, radikal-verbale Äußerungen oder Beschäftigung mit einschlägiger Literatur auffällig in Richtung islamischer Fundamentalismus verändern“.

Die Hochschule bedauert jetzt, dass die Formulierungen missverständlich seien. „Es war ein Fehler, aber Fehler passieren“, sagte Rektor Bernd Huber auf einer Pressekonferenz. Huber betonte, dass die LMU eine liberale, weltoffene Hochschule sei, die über alle Studenten aus dem Ausland froh sei. „Die LMU ist strikt gegen eine Atmosphäre der Bespitzelung und Beschnüffelung eingestellt.“

Laut Huber geht es etwa nicht darum, ausgeliehene Bücher oder Veränderungen beim Alkoholkonsum zu überwachen. Allerdings dürfe man auch das Gefahrenpotenzial nicht kleinreden. Die E-Mail wurde seinen Angaben zufolge nach einem Gespräch mit dem Verfassungsschutz geschrieben.

Der bayerische Verfassungsschutz bestätigte die Zusammenarbeit mit den Hochschulen und die Aufforderung an die Mitarbeiter. Diese Strategie gebe es bereits seit den Anschlägen vom 11. September 2001. „Das hat nichts mit Denunziantentum zu tun“, betonte Behördensprecher Michael Feiler. So habe sich im Fall der gescheiterten Kofferbomben-Anschläge im vergangenen Jahr gezeigt, dass einer der Verdächtigen mehrfach auffällig geworden sei.

Innenminister Günther Beckstein verteidigte das Vorgehen der Sicherheitsbehörden bei der Suche nach Extremisten an Hochschulen. „Es geht nicht darum, irgendjemanden unter Generalverdacht zu stellen“, erklärte der CSU-Politiker. Gerade an Universitäten sei aber erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich.

Auch Beckstein empfahl, auf Veränderungen bei Studenten und Mitarbeitern zu achten, die auf islamistische Tendenzen hindeuteten. „Diese Aufmerksamkeit ist notwendig, um Radikalisierungstendenzen frühzeitig zu erkennen“, sagte der designierte Ministerpräsident. Er kritisierte auch Grünen-Bundeschefin Claudia Roth, die von einem „Klima der Hexenjagd“ gesprochen hatte. Nach Becksteins Ansicht wäre eine Strategie des „Kopf-in-den-Sand-Steckens“ verantwortungslos und fatal.Seit dem 11. September haben Hochschulen immer wieder die Aufmerksamkeit von Terror-Ermittlern auf sich gezogen. So studierte der Todespilot Mohammed Atta an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Einer der mutmaßlichen Kofferbomber von Köln wohnte in einem Kieler Studentenwohnheim.

Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur AP bei Universitäten ergab, sind jedoch Aufrufe wie die der LMU München die Ausnahme. So hält die Universität Köln wenig davon, den bloßen Verdacht islamistischer Umtriebe zu melden, wie Sprecher Patrick Honecker sagte. „Mit Hexenjagden sollte man immer vorsichtig sein.“ Eine Sprecherin der Universität in Kiel sagte, es sei eine Selbstverständlichkeit, dass man ein wachsames Auge auf islamistische Tendenzen habe. Eine offizielle Aufforderung sei überflüssig.

One Comment leave one →
  1. M. Droska permalink
    März 17, 2007 10:41 am

    Dabei kommt man sich vor wie in der ehemaligen DDR oder unter den Nazis.
    So etwas ist rassistisch und Menschenrechtsverletzend. Es wird mal wieder Hexenjagd auf Menschen unternommen.
    Das dient dem Terrorismus und nicht dem Frieden.
    Ich bin froh, das ich nicht in Bayern wohne. Dort wird anscheinend wert darauf gelegt die Menschen zu bespitzeln und zu kontrolieren. Wer nicht der Massenmeinung sich anschließt, wird aussortiert. Gleiches wird in den USA auch praktiziert. Mit dem erfolg jeder, der anders ist als die anderen oder sogar noch Muslim ist, wird als Terrorist gebranntmarkt auch wenn es keiner ist.

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