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Klimawandel = Sinneswandel?

März 4, 2007

So einfach ist das manchmal. Jahrzehntelang haben Experten mit erhobenem Zeigefinger einen Sinneswandel beim Energieverbrauch eingefordert und versucht mit Weltuntergangsszenarien einen Paradigmenwechsel bei den politisch Verantwortlichen zu initiieren. Die Ergebnisse dieser Bemühungen waren trotz Ozonlochs und Waldsterbens bescheiden. Und dann so etwas: Es bedurfte „nur“ eines Winters mit Frühlingstemperaturen, um die Volkssensibilität in punkto Klimawandel und Erderwärmung insbesondere in den westlichen Industriestaaten zu schärfen. Egal ob Talkshows, Nachrichtensendungen oder der morgendliche Schwatz beim Bäcker, nie war die Diskussion um Energieverbrauch, Schadstoffemissionen und die Folgen für unseren Planeten so lebendig und volksnah, ja schon beinahe volkstümlich, wie heute. Und wenn das Volk schon einmal so lebhaft diskutiert, kann natürlich auch der Volksvertreter nicht zurückbleiben. Mit betroffenen und besorgten Mienen tritt er vor die Kameras und stimmt das Wahlvolk angesichts der dramatischen Entwicklungen, die ja quasi jeder am eigenen Leib spürt, auf drastische Maßnahmen ein. Das eigentlich Überraschende ist, damit auf Einsicht und Zustimmung zu stoßen. Egal ob Tempolimit auf Autobahnen oder die Neuordnung der Besteuerungsgrundlage von Kraftfahrzeugen. Themen, die bislang als besonders unpopulär galten und deshalb meist ihr Dasein in den Schubladen der politischen Klasse fristeten, finden ihren Eingang in die öffentliche Debatte, ohne die hysterischen Abwehrreaktionen betroffener Interessenvertretungen zu provozieren. Selbst die Atomindustrielobby nutzt die „Gunst der Stunde“, um für ihren vermeintlich sauberen, weil abgaslosen, Strom zu werben und ganz nebenbei die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken oder gar deren Neubau zu fordern.

Nun man ist natürlich geneigt zu fragen, was wohl passiert wäre, wenn es pünktlich zum kalendarischen Jahreszeitenwechsel in Europa auch den klimatischen Wechsel mit Kältewelle und Schneefall gegeben hätte? Wären die gebetsmühlenartig vorgetragenen Warnungen von Vereinten Nationen und Umweltorganisationen nicht wieder ungehört verhallt? Wahrscheinlich schon. Fakten und Erkenntnisse, für die wir jetzt ein offenes Ohr haben, sind doch schon lange bekannt. Nur haben wir sie, natürlich auch aus Bequemlichkeit, einfach ignoriert oder den schuldigen nicht bei uns, sondern in den Entwicklungsländern gesucht. Schließlich roden ja nicht wir die „grünen Lungen“, also die Regenwälder in Brasilien und Indonesien und vernichten die natürlichen Umwandlungsfabriken für Kohlendioxid in der Welt. Wir zwingen doch keinen chinesischen Fabrikanten, ohne Rücksicht auf (Umwelt)Verluste, seine Massenprodukte zu produzieren. Und überhaupt, warum will jetzt plötzlich der Rest der Welt automobil werden oder einen Kühlschrank besitzen?

Die Diskussion zum Klimawandel ist im Lichte dieser Argumente auch eine Diskussion um Heuchelei und Doppelmoral. Wir, die Konsumenten in den westlichen Industriestaaten, verlegen ohne Skrupel Edelholzparkette in unseren Wohnzimmern und befördern damit den Raubbau an der Natur. Es ist dieser Bruchteil der Weltbevölkerung der fast 80% der Energie verbraucht, Wochenendtrips mit dem Flugzeug wertschätzt und seine Konsumgüter, bzw. Schnäppchen, um den ganzen Globus schippern lässt. Anstatt eine Trendwende im eigenen Konsum- und Energieverbrauchsverhalten einzuleiten, hat man bisher lieber mit dem Finger auf aufstrebende Industrienationen wie Indien, Russland oder China gezeigt, um diese für die globale Klimakrise verantwortlich zu machen. Jetzt soll ein milder Winter für die erhoffte Trendwende und Sensibilität im Denken unserer Gesellschaften gesorgt haben? Hoffentlich kann man da nur mit ja antworten, denn für einen wirksamen Umschwung zur Rettung unseres Planeten haben wir, darin Stimmen alle Experten überein, nur noch wenige Jahrzehnte Zeit. Jetzt müssen wir uns an unseren Taten messen lassen, denn der Umfang der notwendigen Maßnahmen wird uns im Alltag Opfer abverlangen und damit auch unseren Umsetzungswillen auf eine harte Probe stellen. Was uns droht, wenn wir uns im Umgang mit der Schöpfung nicht umorientieren, verdeutlicht wohl eine oft zitierte und für manche etwas „abgegriffene“ Weissagung nordamerikanischer Indianer am eindrucksvollsten: „ Eines Tages wird die Erde weinen , sie wird um ihr Leben flehen. Ihr werdet die Wahl haben, ihr zu helfen oder sie sterben zu lassen, und wenn sie stirbt, sterbt ihr auch.“

Oğuz Üçüncü

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