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Exekution Saddams treibt weiter Keil zwischen Schiiten und Sunniten

Januar 18, 2007

Land sehr weit von nationaler Versöhnung entfernt
Die Umstände der Hinrichtung des irakischen Diktators Saddam Hussein am 30. Dezember drohen die Spannungen zwischen der schiitischen und sunnitischen Bevölkerung dramatisch zu verschärfen. Ein Amateurvideo, das einer der Wachleute von der Exekution Saddams offenbar versteckt mit einem Mobiltelefon aufgenommen hatte, wird im Internet verbreitet und fand auch seinen Weg in große arabische und internationale Fernsehstationen.

Es verstärkt zudem den weit verbreiteten Verdacht , dass die Exekution Saddams nichts anderes war als ein Akt schiitischer Rache für jahrzehntelange Unterdrückung. Damit wird die Exekution zur politischen Instrumentalisierung einer Gruppe missbraucht. Saddam hat sich nähmlich nicht nur wegen der Greuel an der schiitischen Bevölkerung schuldig gemacht, sondern auch an der kurdischen und sunnitischen. Diese schlimmen Kapitel der Saddam-Diktatur werden so einfach ausgeblendet – ein denkbar schlechter Start für eine nationale Versöhnungskonferenz.

Denn im Dezember hatte Maliki Vertreter von sieben sunnitischen Rebellengruppen als Geste für eine nationale Versöhnungskonferenz gewonnen. Doch das Video hat die Chance auf einen Dialog zerstört. Zugleich löste das wegen Verbreitung von Hasspropaganda verhängte Verbot des unabhängigen sunnitischen Fernsehsenders „Al Sharqiya“ durch das von Schiiten geführte Innenministerium in einigen Landesteilen heftige Proteste aus.

Die Bilder, die einer breiten Öffentlichkeit im Irak und in der arabischen Welt über Saddams letzte Minuten vermittelt wurden, unterschieden sich krass von einem im offiziellen Fernsehen gezeigten tonlosen Kurzvideo. Zu hören sind nämlich laute Wortgefechte zwischen Saddam, seinen Henkern und einigen Augenzeugen, die den Diktator beschimpften und ihm zuriefen, er solle zur Hölle fahren. Ein Staatsanwalt drohte, die Hinrichtung abzubrechen: „Ich habe damit gedroht, zu gehen“, sagte Munkith al-Farun der Nachrichtenagentur Reuters. Als Saddam zum zweiten Mal ein Gebet sprechen wollte.

Die Würdelosigkeit dieser Exekution, die Beschimpfungen im Augenblick des Todes fügen der ohnedies tief unpopulären Regierung Maliki enormen Schaden zu. Doch noch schlimmer ist der Hass, der diese Wortgefechte charakterisierte die Auseindersetzung anheizt. Denn Wächter schrien „Muktada, Muktada“, während Saddam mit der Schlinge um den Hals sein letztes Gebet zu sprechen versuchte. Sie meinten damit Muktada Sadr, dessen Vater und Brüder einst von Saddam ermordet worden waren und dessen „Mehdi-Armee“ heute die gefürchtete Miliz ist.

Als Saddam den Wächtern zornig zurief, solch ein Verhalten hätte „den Irak auseinandergerissen“, sprach er eine Ansicht aus, die nicht wenige im Lan teilen. Iraks nationaler Sicherheitsberater Mowaffak al-Rubaie gesteht offen ein, dass „das Video an allen Fronten enormen Schaden anrichtet, darunter im Bereich der nationalen Versöhnung, des Dialogs mit den arabischen Ländern und der Politik gegenüber den Aufständischen“.

Die Regierung leitete nun eine Untersuchung ein, die klären soll, wer die Aufnahmen gemacht hatte. „Es ist nicht unsere Aufgabe, ihm zu sagen, er soll zur Hölle fahren“, versucht ein irakischer Regierungsbeamter den Schaden zu begrenzen. „Das ist nicht Islam.“

Die Tatsache, dass offenbar Anhänger Sadrs an der Hinrichtung teilnahmen und diese für ihre Propagandazwecke nutzten, lässt im besten Fall auf die enorme Schwäche der Regierung Maliki schließen, die Sadrs Leute nicht von Infiltrationen bis in die höchsten Kreise abzuhalten vermag.

Sie verstärkt zudem den weit verbreiteten Verdacht , dass die Exekution Saddams nichts anderes war als ein Akt schiitischer Rache für jahrzehntelange Unterdrückung. Damit wird die Exekution zur politischen Instrumentalisierung einer Gruppe missbraucht. Saddam hat sich nähmlich nicht nur wegen der Greuel an der schiitischen Bevölkerung schuldig gemacht, sondern auch an der kurdischen und sunnitischen. Diese schlimmen Kapitel der Saddam-Diktatur werden so einfach ausgeblendet – ein denkbar schlechter Start für eine nationale Versöhnungskonferenz. (Text:KSt und eigener Bericht)

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