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Kommentar: Amoklauf

November 23, 2006

Die Wirklichkeit holt uns ein“. Von Malik Özkan, Bremen
(iz). Die Gewaltdebatte in Deutschland war in den letzten Jahren vor allem eine Debatte über den Terrorismus und „Islamismus“ und wurde immer auch gerne im Zusammenhang einer angeblichen negativen Rolle und eines destruktiven Einflusses des Islam geführt. Unsere Wirklichkeit ist allerdings nicht nur komplexer, sie holt uns auch ein. Die westliche Konsumgesellschaft, an der wir alle jenseits unserer Bekenntnisse mitwirken, hat nach innen und außen einen eigenen Gewaltbezug geschaffen. Es grenzt an Selbstbetrug, zu ignorieren, dass wir an der Schaffung dieser Gewalt innen und außen auch beteiligt sind. Es sind unsere Jugendlichen, die diesen Umstand immer stärker widerspiegeln. Neben den üblichen Forderungen nach äußeren Verboten und Verfeinerung der Überwachung gilt es die Frage nach dem „Was tun?“ nun so tief wie nötig zu stellen.

Nach dem Amoklauf eines Schülers aus Emsdetten hat der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, vor wachsender Gewalt in Filmen und Videospielen gewarnt. „Brutale Computerspiele und Videofilme gaukeln Jugendlichen den schnellen Sieg des Stärkeren vor“, schreibt Kraus in der „Bild“-Zeitung. „Auswege für den Verlierer bieten sie nicht“ beklagt der Pädagoge über die Botschaft der Spiele. Die Frage ist, ob das – tatsächlich überfällige – Verbot von Spielen weit genug reicht.

Man könnte ergänzen, dass dieses ausweglose Bild, das viele Spiele vermitteln, auch leider oft für den Feldzug gegen den Terrorismus dienen könnte. Aus der Sicht unserer Wohnzimmer wirken diese Kriege, oft genug ohne Gnade und ohne Recht geführt, so entrückt, als seien sie aus den gleichen Köpfen der Macher der Computerspiele entstanden. Töricht wäre es, zu glauben, dass diese Dauerberieselung und die Tatsache, dass diese Strategie bereits tausenden Unschuldigen das Leben gekostet hat, für die Kultur unserer Hemisphäre ohne jede Folgen bliebe. Die Niederlage des Rechtes und damit die Verrohung der Kriege, die denkwürdige Rückkehr der Folter und die Reduzierung des erschaffenen Menschen auf einen bloßen Wert schaffen das Klima des sogenannten „Werteverfalls“.

„Die Welt ist dem Menschen in die Hände gefallen“, beklagte einst Rainer Maria Rilke eine Alltäglichkeit ohne Rückbezug auf den Schöpfer. „Drogen, Konsum, Spaß sind die einzigen Werte, die Pop- und TV-Stars noch vermitteln“, beklagen sich viele Lehrer über die einfach gestrickten Helden unserer jungen Generation. Von aktiven Eltern und Lehrern verlangt Kraus nun, ihren Kindern durch eigenes Handeln ein positives Zukunftsbild zu vermitteln: „Wir Erwachsenen müssen unseren Kindern immer wieder beweisen: Arbeit, Leistung, Treue, Verlässlichkeit, Familienleben – das sind trotz aller Probleme und Widerstände feste Werte, für die es sich zu leben lohnt! Eine Gesellschaft, die diese Werte verliert, läuft irgendwann selber Amok.“

So weit so gut, aber als Muslime würden wir ergänzen, dass wir mit jeder Handlung und unter allen Umständen auch Verantwortung gegenüber unserem Schöpfer übernehmen. Menschen, die mit diesem Bewusstsein aufwachsen und leben, sind bezüglich der alltäglichen Verrohung der Gesellschaft nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.
http://www.islamische-zeitung.de/

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