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„Ich wünschte, ich hätte ihn erschossen“,Fallujah fällt wieder an den Widerstand

November 15, 2006

Ein Bericht der StarTribune vom Mittwoch könnte kaum deutlicher zeigen, wie sinnlos das rücksichtslose Vorgehen der Besatzer im Irak letztlich ist.

Vor zwei Jahren und zwei Tagen, am 7. November 2004, begann das US-Militär mit der verheerenden Offensive gegen die Stadt Fallujah. Drei Wochen später waren nach offiziellen US-Angaben 71 US-Soldaten bei den Kämpfen getötet worden. Tausende Iraker wurden durch den massiven Militäreinsatz, das vorangegangene Bombardement, Streubomben und weißen Phosphor getötet und ein Großteil der Stadt zerstört.

Nachdem das US-Militär den Sieg über die Widerstandskämpfer in Fallujah erklärt hatte, wurde die Stadt massiv abgeriegelt. Den aus der Stadt geflohenen Menschen wurde danach nur durch einige wenige Kontrollpunkte der Zugang in die Stadt gewährt. Auch heute noch müssen alle Menschen, die nach Fallujah wollen, einen von nur sechs Kontrollpunkte passieren. Einwohner erhielten eigene Ausweise mit Fingerabdrücken und Netzhautscans, ohne die sie die Stadt nicht betreten können.

Schon vor knapp einem Jahr stellte eine Journalistin, die sich heimlich in die Stadt geschlichen hatte – das US-Militär versucht kaum zufällig, Journalisten daran zu hindern, die Folgen der Offensive mit eigenen Augen zu sehen – fest, daß die Wut der Bewohner Fallujahs auf die Besatzer durch die Offensive und das Verhalten der US-Soldaten danach – das von sinnloser Gewalt über tiefste Respektlosigkeit bis hin zu Diebstählen reicht – noch weiter gewachsen ist. Schon damals schlossen sich zahlreiche Menschen dem Widerstand an, die vor der Zerstörung ihrer Stadt keinen Kontakt zu ihm hatten.

Der Bericht der StarTribune belegt nun, daß die Widerstandskämpfer faktisch erneut die Kontrolle über die Stadt erlangt haben. In den vergangenen Monaten wurden zwei Mitglieder des Stadtrats und mindestens 30 Polizisten – die allgemein seitens der Widerstandskämpfer als Kollaborateure mit den Besatzern angesehen werden – getötet. Seit Mitte August sind die Angriffe auch auf „irakische“ Polizeieinheiten so häufig geworden, daß die Hälfte der Polizisten aus Protest mehrere Tage zuhause blieben. Ein großer Teil der Polizisten hat gekündigt, viele weitere sind in die Polizeikasernen gezogen, da sie sich in ihren Häusern nicht mehr sicher fühlen.

US-Oberstleutnant James Teeples, „Berater“ der Einheit der „irakischen“ Armee, die für den größten Teil Fallujahs verantwortlich ist, leugnete nicht, daß die Kapazitäten fehlen, um die Stadt tatsächlich zu kontrollieren. „Wir haben einfach nicht das Personal, um die ganze Stadt zu überwachen“, sagte er. Zwar wurde bedeutende Truppenteile des US-Militärs kürzlich nach Baghdad verlegt, um den dortigen wachsenden Widerstand zu bekämpfen, angesichts der vergleichsweise niedrigen Zahl der Bewohner von – vor der Offensive vor zwei Jahren – rund 300.000 Menschen kann diese Aussage zweifellos auch als Kapitulationserklärung angesichts des Widerstands in der irakischen Hauptstadt angesehen werden.

Eine Szene der vergangenen Woche in einem Krankenhaus verdeutlicht die Stimmung in der Stadt.

Unter den auf den Arzt wartenden Frauen sprach sich herum, daß ein irakischer Scharfschütze einen US-Soldaten getötet hatte.

„Ich wünschte, ich hätte ihn erschossen“, sagte daraufhin eine der Frauen und andere pflichteten ihr bei.

www.freace.de

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