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„Ihr wollt überhaupt keinen Frieden“, Israelische Bomben töten 19 Zivilisten

November 9, 2006

Wie IslamOnline am Mittwoch berichtete, wurden bei einem israelischen Bombenangriff auf die palästinensische Stadt Beit Hanoun im Gaza-Streifen in der Nacht 19 Zivilisten, darunter 8 Kinder und 4 Frauen, getötet und mindestens 40 weitere teilweise schwer verletzt.

Mindestens 13 der Toten gehören der gleichen Familie an. Israelische Artillerie hatte mindestens sieben Häuser mit Granaten getroffen. Ein Teil der Granaten schlug Augenzeugen zufolge etwas später ein und trafen so die in Panik auf die Straße gelaufenen Menschen.

Athamna, ein 14 Jahre altes Mädchen, sagte: „Es gab Verletzte, als die Granate auf das Haus meines Onkels fiel, wir wollten helfen, aber als wir dort hinkamen, fiel eine weitere Granate auf uns.“

„Fünf meiner Brüder haben keine Köpfe … mein Schwiegervater hat seine Beine verloren, er hat nur noch zerfetztes Fleisch“, sagte ein Mann gegenüber Al-Jazeera.

„Es ist das traurigste Bild, das ich je gesehen habe. Wir sahen Beine, wir sahen Köpfe, wir sahen Hände auf der Straße verteilt“, sagte der 22-jährige Attaf Hamad gegenüber Reuters.

Die israelische Seite äußerte zwar „Bedauern“, betonte aber, der Angriff sei eine Folge des anhaltenden Beschusses mit Qassam-Raketen. Der israelische Premierminister Ehud Olmert sagte in einer Erklärung, er „bedauere“ den Angriff, sagte aber, er sei erfolgt, um den Beschuß Israels mit Qassam-Raketen zu „verhindern“. Der israelische Verteidigungsminister hat eine Einstellung der Bombardierung des Gaza-Streifens bis zum Abschluß einer „Untersuchung“ des Angriffs angeordnet. In der Vergangenheit blieben derartige Untersuchungen selbst in noch eindeutigeren Fällen für die verantwortlichen israelischen Soldaten fast immer ohne ernstzunehmende Folgen.

Die israelische Außenministerin Tzipi Livni gab gegenüber Journalisten kaum verhohlen den Palästinensern die Schuld an dem Angriff und damit auch den zahllosen Opfern. „Israel hat Gaza verlassen, um den Palästinensern die Gelegenheit zu geben, den Terrorismus zu kontrollieren und ihr eigenes Leben zu entwickeln. Unglücklicherweise ist dies nicht geschehen. Israel steht dauernden Angriffen der palästinensischen Terrororganisationen gegenüber, in Form des anhaltenden Beschusses mit Qassam-Raketen auf israelische Bevölkerungszentren. Israel will nicht unschuldige Menschen verletzen, sondern nur seine Bürger verteidigen. Unglücklicherweise geschehen im Verlaufe der Schlacht bedauerliche Vorfälle wie jener, der sich diesen Morgen ereignete. Israelische diplomatische Vertretungen auf der ganzen Welt wurden angewiesen, die israelische Position gegenüber Entscheidungsträgern und den Medien zu erklären“, sagte sie.

Entsprechend wütend reagierte die palästinensische Seite auf den Angriff.

„Dies ist ein schwarzer Tag in der Geschichte des israelischen Vorgehens gegen das palästinensische Volk und ist eine Erinnerung an all die Massaker, die von Israel seit Beginn des israelisch-arabischen Konflikts verübt wurden“, sagte der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas. „Wir verurteilen das internationale Schweigen und jene, die die von Israel begangenen Taten verteidigen“, so Abbas weiter.

„Ihr [Israelis] wollt überhaupt keinen Frieden. Ihr habt alle Chancen auf Frieden zerstört und ihr müßt die ganze Verantwortung tragen“, sagte er. „Unsere Menschen sind am Ende ihrer Kräfte. Wir müssen dafür eintreten, daß die Welt, von den Vereinten Nationen bis zu Europa, diese von Israel verübten Greueltaten untersucht, da eine weltweite Reaktion nötig ist, um sie zu beenden.“

„Warum versammelt sich die Arabische Liga nicht? Warum versammelt sich die Organisation der Islamischen Konferenz nicht?“, fragte der palästinensische Premierminister Ismael Haniya gegenüber Al-Jazeera. „Eine Nation wird ermordet, ein Land zerstört.“

Hamas, Islamischer Jihad und sogar die zur Fatah gehörenden Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden kündigten den seit Monaten anhaltenden – allerdings immer wieder von, wenn auch überwiegend völlig folgenlosem, Beschuß Israels mit Qassam-Raketen durchbrochenem – einseitigen Waffenstillstand auf.

„Die Reaktion kommt. [Israel,] bereite die Särge und die schwarzen Leichensäcke vor“, sagte Nizar Rayan, ein Anführer der Hamas, vor einer wütenden Menge vor dem Leichenschauhaus in Beit Hanoun. „Rache für das Blut der Märtyrer kommt. … Wir drängen alle Mujaheddin, wieder mit Bombenangriffen in Jaffa, in Haifa, in Ashdod, überall in unserem Heimatland, zu beginnen.“

„Wir rufen die Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden und die bewaffneten Arme aller palästinensischen Bewegungen auf, Märtyreroperationen in Israel wieder aufzunehmen“, sagte der Fatah-Sprecher Jamal Obeid gegenüber AFP.

Angesichts der hohen Zahl der Opfer kann diese Reaktion kaum verwundern. Selbst wenn – wie von einer Sprecherin des israelischen Militärs behauptet – zuvor aus „der Gegend“ Qassam-Raketen auf Israel abgefeuert worden sein sollten, so ist der Angriff doch in jedem Fall als Kriegsverbrechen zu bezeichnen, wurde doch rücksichtslos auf eine palästinensische Wohngegend gefeuert. Dies wiegt um so schwerer, als Israel bei zahllosen „gezielten Tötungen“ – die den Tod noch zahlreicherer unschuldiger Passanten gefordert haben – bewiesen hat, daß es sogar in der Lage ist, fahrende Autos gezielt zu treffen. Wenn statt eines Raketenangriffs auf eine Abschußeinrichtung eine ganze Reihe von Häusern mit Artilleriegranaten bombardiert werden, so fällt es schwer, nicht von einer bewußten Provokation auszugehen.
http://www.freace.de

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