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Frieden ist die Frucht der Gerechtigkeit (von Ismail Haniyeh)

November 7, 2006

Was der Westen hören sollte/könnte (wenn er wollte, dt. von Ellen Rohlfs)
Weil das palästinensische Volk seinen langen und schmerzlichen Weg zur Freiheit und Unabhängigkeit weitergeht, sehen wir mit Hoffnung und Optimismus in die Zukunft.Tatsächlich ist es diese Hoffnung, dieser starker Glaube an die Gerechtigkeit unserer Sache, der uns all diese Jahr weitergehen und all das Leiden und die Brutalität, die uns eine üble und entmenschlichende israelische Militärbesatzung zugefügt hat, durchhalten ließ.

Seit urdenklichen Zeiten war Palästina friedliche Heimat alt eingesessener Muslime, Christen und Juden, die hier in Frieden und in Harmonie zusammen lebten, die eine gemeinsame Geschichte und Kultur teilten.

Erst nachdem Palästina nach dem 1. Weltkrieg unter britisches Mandat kam und die britischen Kolonialbehörden anschließend entschieden, Palästina, die Heimat unserer Vorfahren, dem Zionismus zu übergeben, wurde diese inter-kommunale und inter-religiöse Harmonie gestört.
Als Folge dieser willkürlichen Ungerechtigkeit finden wir uns heute als Gefangene in unserem eigenen Lande wieder, versklavt und gequält von einem illegalen und unmoralischen Besatzer, der unser Volk wie Kinder eines geringeren Gottes behandelt oder so, als ob wir Tiere wären.

Tatsächlich übertrifft das kriminelle Wesen der Besatzung die Realität. Die hässlichen Szenen des Mordes, die Hauszerstörungen und die Erniedrigungen, denen unsere Leute im täglichen Leben ausgesetzt sind, und das, was die Oeffentlichkeit außerhalb Palästinas am Fernseher beobachten, sind nur ein kleiner Teil dessen, was vor Ort wirklich geschieht.
Selbstverständlich würden die israelischen Besatzer ihre Verbrechen gegen ein hilfloses Volk, dessen einziges Verbrechen es ist, sich nach Freiheit und Gerechtigkeit zu sehnen, nicht begehen, wenn es nicht die schimpfliche Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft gegenüber der Notlage meines Volkes gäbe.

Deshalb rufe ich die internationale Gemeinschaft auf, auf den israelischen Staat Druck auszuüben, damit es seine systematische Unterdrückung und institutionalisierte Verfolgung meines Volkes beendet. Indem wir den unerträglichen Schmerz und das Leiden durchstehen, sind wir sicher, dass diese brutale Besatzung meines Volkes und meines Landes eines Tages enden wird und die Völker dieses Landes wieder in Frieden und Harmonie leben werden.
Ich wage sogar zu sagen, dass der Frieden in Palästina sich dann über die ganze Welt ausbreiten wird und eine neue Ära des Frieden beginnen wird.
Ich weiß, dass es viele Leute gibt, die verlogen und böswillig oder vielleicht auch aus Unwissenheit uns als gewalttätig und gegen den Frieden eingestellt darstellen. Aber das stimmt nicht. Wir sehnen uns nach Frieden wie jeder andere auch, ja vielleicht sogar noch mehr, denn wir sind die ersten Opfer von Gewalt und Krieg .
Frieden ist ein unschätzbarer Wert, ohne den der ganzen menschlichen Erfahrung das Wesentliche fehlen würde.
Doch Frieden, wenn er wirklich, dauerhaft und bedeutsam ist, muss sich auf Gerechtigkeit gründen.

Wir, das palästinensische Volk, schauen ernsthaft nach einem echten Frieden, der aus den Herzen kommt, und wir bitten die Internationale Gemeinschaft dringend, uns zu helfen, diesen Frieden zu verwirklichen, so dass alle Kinder in diesem Teil der Welt, arabische und jüdische Kinder ein normales Leben führen können.
Seit Jahren verwüstet in diesem gequälten Land ein bitterer Kampf das Leben der Menschen, zerstört unermesslichen Besitz und verhindert wirtschaftliche Möglichkeiten. Kriege brüten Hass und üble Taten aus – Frieden aber bringt Zusammenarbeit und guten Willen. Doch machen wir uns nichts vor. Gewalt wird solange weitergehen, wie eine Volksgruppe, von ihrer politischen und militärischen Macht berauscht, das Gefühl hat, das Recht zu haben, ihren Willen einer anderen Volksgruppe brutal aufzuerlegen. Ein „Frieden“ wie dieser wäre ein Akt der Vergewaltigung.

Selbstverständlich muss ein in Palästina sich verwirklichender Frieden von der Weltgemeinschaft in ehrlicher Weise vorbereitet werden. Wir sagen das so deutlich, weil wir die Heuchelei und doppelte Moral der internationalen Gemeinschaft leid sind, wie sie mit diesem Konflikt umgeht.
Wir würden tatsächlich gerne wissen, warum die UN es Israel erlauben, mehr als 100 UN-Resolutionen, in denen es um die Beendigung der Besatzung meines Landes geht, nicht zu erfüllen. Gibt es zwei Arten des Völkerrechts, das eine für die Schwachen, das andere für die Starken?

Steht Israel über dem Völkerrecht? Hat Israel ein besonderes Recht von der internationalen Gemeinschaft erhalten, durch das es ungestraft Kinder töten, ungestraft unser Land stehlen, ungestraft uns in alle Welt vertreiben darf?
Es ist an der Zeit, dass alle Männer und Frauen mit Gewissen und Rechtschaffenheit laut und deutlich für die Gerechtigkeit der Palästinenser eintreten. Wir haben genug gelitten, und es ist an der Zeit, dass man uns erlaubt, Freiheit und Würde wieder zu erlangen.
Wir verlangen nichts Unmögliches. Wir fordern nur die Weltgemeinschaft auf, sich an die UN-Charta und die Internationalen Konventionen zu halten, die es verbieten, Land mit Gewalt zu erwerben.
Kurz gesagt: die Besatzung muss enden – und sie muss jetzt enden.

Der Autor ist Ministerpräsident der Palästinensischen Behörde (seit Januar 2006)

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