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Türkische Eltern-Kind-Konflikte seltener als in deutschen Familien

November 5, 2006

Mindert Migration Familienkonflikte?

In türkischen Familien, die in Deutschland leben, kommen Eltern-Kind-Konflikte seltener vor als in deutschen Familien. Das ist ein Ergebnis einer vom Soziologen Bernhard Nauck kürzlich durchgeführten Studie zu kulturspezifischen Sozialisationsstilen in Migrantenfamilien. Im Rahmen der empirischen Untersuchung erfolgte ein Vergleich der Sozialisationsstile in international nicht gewanderten deutschen Familien, deutschen Aussiedlerfamilien aus der ehemaligen Sowjetunion und türkischen Migrantenfamilien. 909 deutsche, 257 türkische und 261 russlanddeutsche Mutter-Kindpaare wurden befragt.

Im Zentrum von Naucks Untersuchung steht die Frage, in welcher Weise und in welchem Umfang sich in Deutschland lebende Migrantenfamilien bei der Ausgestaltung der Mutter-Kind Beziehungen in kulturspezifischer Hinsicht von international nicht gewanderten deutschen Familien unterscheiden.Die ermittelten Ergebnisse zeigen unter anderem, dass die Migrationssituation generell einen konfliktreduzierenden Effekt auf Familienbeziehungen hat. Je kürzer der Wanderungszeitpunkt zurückliegt, desto seltener wird über Eltern-Kind-Konflikte berichtet. Kinder mit eigenen Wanderungserfahrungen bevorzugen darüber hinaus häufig eine eher defensiv-vermittelnde Konfliktlösungsstrategie. Gruppenspezifisch ist wie erwähnt erkennbar, dass in türkischen Migrantenfamilien seltener Eltern-Kind-Konflikte auftreten als in deutschen Familien. Nauck erklärt dies mit dem in der Regel sehr stark schützenden Charakter der türkischen Familien.

Daneben weist der Soziologe auch auf kulturelle Spezifika beim Konfliktverhalten hin: „Kulturspezifische Besonderheiten sind darin zu sehen, dass aus türkischen Familien besonders über Eltern-Kind-Konflikte berichtet wird, wohingegen Aussiedlerkinder in Familie und Schule häufiger in Konflikte verwickelt sind. Unter Berücksichtigung des Wanderungszeitpunktes zeigt sich, dass diese Konfliktinzidenz bei den Kindern stärker hervortritt, die bereits länger in Deutschland leben bzw. dort geboren sind.“

Aus den ermittelten Daten ist auch ablesbar, dass türkische Mütter ihre Lösungskompetenz bei anstehenden Problemen höher einschätzen als Mütter aus den beiden anderen interviewten Gruppen. Bei den Kindern hat die Zugehörigkeit zur Migrantengruppe hingegen keinen weitreichenden Einfluss auf das Verhalten. Nauck sieht dafür zwei Gründe: Auf der einen Seite hätten die befragten Migrantenkinder das fremde Kulturgut schon so weit übernommen, dass sich keine gruppenspezifischen Unterschiede im Sozialcharakter mehr finden lassen und andererseits würden sie in ihren Familien sehr gut gegen die in ihrem Umfeld häufig vorkommenden Herausforderungen wie Arbeitslosigkeit oder Armut abgepuffert.

Ein weiteres interessantes Detail der Studie ist der in Migrantenfamilien zu beobachtende hohe Mutter-Kind-Zusammenhang beim Persönlichkeitsprofil. Analog zu ihren Müttern schätzen beispielsweise türkische Kinder ihre eigene Kompetenz bei der Lösung auftretender Probleme eher hoch ein.
(Quelle:www.jugendhilfeportal.de/Martin Gradl)

2 Kommentare leave one →
  1. Anonymous permalink
    Januar 15, 2007 1:17 pm

    Guten Tag,

    als Autor des obigen Artikels möchte ich gerne darauf hinweisen, dass dieser Artikel für den Informationsdienst „beziehungsweise“ des Österreichischen Instituts für Familienforschung verfasst wurde und dem Deutschen Jugendhilfeportal lediglich für seine Homepage zur Verfügung gestellt wurde. Leider entspricht die hier dargestellt Version nicht der Originalversion (z.B. wurde der Titel geändert, wurden Zeilen gestrichen = falsche Schwerpunktsetzung etc. ; auch vom Deutschen Jugendhilfeportal wurde die Originalversion übernommen!). Wir vermuten, dass Sie den Artikel von islam.de übernommen haben, wo diese Version vor einiger Zeit kursierte, nach Reklamation des Österreichischen Instituts für Familienforschung aber entfernt wurde. Das ÖIF hat nichts dagegen, dass seine Artikel diskutiert werden. Wir wären Ihnen aber sehr verbunden, wenn Sie den hier dargestellten Beitrag durch die Originalversion ersetzen würden (Link: http://www.oif.ac.at/presse/bzw/artikel.asp?Rubrik=3&ID_Art=1&BZWArtikel=938)
    Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen

    Martin Gradl

  2. martg permalink
    Januar 15, 2007 1:42 pm

    Guten Tag,

    als Autor des obigen Artikel möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Artikel für den Informationsdienst „beziehungsweise“ des Österreichischen Instituts für Familienforschung
    verfasst wurde und dem Deutschen Jugendhilfeportal lediglich für seine Homepage zur Verfügung gestellt wurde. Leider entspricht die hier dargestellte Version nicht der Originalversion (z.B. wurde der Titel geändert, wurden Zeilen gestrichen = falsche Schwerpunktsetzung etc.; auch vom Deutschen Jugendhilfeportal wurde die Originalversion übernommen!) Wir vermuten, dass Sie den Artikel von islam.de übernommen haben, wo diese Version vor einiger Zeit kursierte, nach Reklamation des Österreichischen Instituts für Familienforschung aber entfernt wurde. Das ÖIF hat nichts dagegen, dass seine Artikel diskutiert werden. Wir wären Ihnen aber sehr verbunden, wenn Sie den hier dargestellten Beitrag durch die Originalversion ersetzen würden (Link: http://www.oif.ac.at/presse/bzw/artikel.asp?Rubrik=3&ID_Art=1&BZWArtikel=938)

    Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen

    Martin Gradl

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