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Kreative Beweisführung, „Beweisvideo“ für Angriff auf pakistanische Religionsschule

November 4, 2006

Eine Aljazeera-Meldung vom Freitag liefert weitere Informationen zu dem verheerenden Angriff auf eine islamische Religionsschule, eine Madrassa, vom Montag.

Die „Zia-ul-Quran“ („Licht des Korans“ genannte Madrassa in dem nahe der Grenze zu Afghanistan gelegenen pakistanischen Dorf Chingai war nach Angaben des pakistanischen Generals Shaukat Sultan vom Montag zufolge gegen 05:00 Uhr Ortszeit bombardiert worden. Nun veröffentlichte das pakistanische Militär allerdings Videoaufnahmen, die von einem „Beobachtungsflugzeug“ – vermutlich also einer Überwachungsdrohne – etwa eine Stunde vor dem Angriff gemacht wurden. Die Aufnahmen zeigten Reihen von Menschen bei Freiübungen. Tatsächlich sind diese Videoaufnahmen sehr aufschlußreich. Zuallererst stützen sie zweifellos die Behauptung „pakistanischer Geheimdienstquellen“, der Angriff sei in Wahrheit von einer US-Drohne des Typs „Predator“ und nicht wie offiziell behauptet, von pakistanischen Hubschraubern durchgeführt worden – was sowohl seitens Pakistans als auch der USA vehement bestrittet wird. Die USA als auch Pakistan behaupteten vielmehr, daß die Schüler der Madrassa zu „Selbstmordbombern“ ausgebildet werden sollten. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf betonte außerdem, daß es sich bei allen Getöteten um Milizionäre gehandelt habe. Das jüngste Todesopfer des Angriffs war sieben Jahre alt. Zweitens bestehen allerdings auch begründete Zweifel an der Behauptung, diese Aufnahmen seien überhaupt zu dem genannten Zeitpunkt entstanden. Demnach wären die Aufnahmen von im Freien Körperübungen machenden Menschen gegen 04:00 Uhr entstanden. Sonnenaufgang – und damit auch die Zeit für die Beendigung des ersten muslimischen Tagesgebets – war am Tag des Angriffs hingegen erst um 06:44 Uhr. Es scheint selbst bei Schülern einer islamischen Religionsschule zumindest zweifelhaft, daß sie drei Stunden von Sonnenaufgang – um es nicht „mitten in der Nacht“ zu nennen – mit dem „Frühsport“ beginnen.

Am bemerkenswertesten ist allerdings die Tatsache, daß allein die Aufnahmen von in einer Gruppe Freiübungen absolvierender Menschen als Rechtfertigung für den folgenden Bombenangriff, bei dem etwa 80 Menschen getötet wurden, dienen sollen. Hier stellt sich zweifellos die Frage, wann der erste Tai-Chi-Kurs im Hamburger Stadtpark angesichts der relativ nahegelegenen und massiv bewachten US-Botschaft ebenso vorsorglich bombardiert werden wird.

Die pakistanische Bevölkerung hat offenbar noch weitaus geringere Zweifel, daß es sich hier um ein schweres Kriegsverbrechen handelt. Am Freitag demonstrierten etwa 10.000 Menschen allein in dem Ort Khar, rund 10 Kilometer vom Ort des Angriffs entfernt. Hierbei wurden Bilder der Präsidenten der USA und Pakistans erst mit Stöcken und Schuhen – eine schwere Beleidigung im arabischen Raum – geschlagen und anschließend verbrannt.

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