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US-Polizisten stürmen Klassenzimmer, Nur eine Übung

November 2, 2006

Ein Bericht des Muskegon Chronicle vom Montag zeigt einmal mehr überdeutlich, wie stark die Militarisierung der US-amerikanischen Gesellschaft bereits fortgeschritten ist und wie unbefangen US-Behörden auch gegen eigene Bürger „unnötige Gewalt“ anwenden.

In der Stadt Wyoming im US-Bundesstaat Michigan hatten Polizeibeamte am vergangenen Donnerstag eine Übung in der „Lee Middle and High School“ durchgeführt. Dazu stürmten sie in voller Schutzausrüstung – mit Schutzwesten und Helmen – und mit gezogenen Waffen die Schule und ein Klassenzimmer einer 8. Klasse und erklärten, es gäbe eine Gefahr für die Schule. Die Waffen waren zwar nicht geladen und dies mit Klebebändern deutlich gemacht, es scheint allerdings wenig wahrscheinlich, daß dies den Kindern auffiel oder sie es gar verstanden.

Die verängstigten Kinder, die nicht wußten, daß es sich nur um eine Übung handelte, wurden anschließend auf den Flur gebracht, dort abgetastet und von den Polizisten befragt, was sie in ihren Taschen hatten.

„Einige der Kinder waren so verängstigt, sie haben sich fast in die Hose gemacht“, sagte Marge Bradshaw, eine Mutter von vier Kindern. „Ich denke, es ist einfach falsch, daß die Schüler und Eltern hierüber nicht informiert wurden.“

Auch Diana Silva, eine andere Mutter, zeigte sich empört. „Mein Kind stand im Flur der Schule mit dem Gesicht an der Wand“, sagte sie. „Ich will absolut nicht, daß meinem Kind so etwas passiert.“

Nach Aussage des Polizeichefs James Carmody waren seine Beamten gebeten worden, zu der Schule zu kommen und wußten nicht, daß Schüler und Eltern hierüber nicht informiert worden waren.

David Britten, Rektor der Schule und ehemaliger Oberstleutnant in der US-Nationalgarde, verteidigte dieses Vorgehen. Angekündigte Übungen würden von Schülern und Lehrern möglicherweise nicht ernstgenommen, so Britten, der die Polizei um Durchführung der Übung gebeten hatte. „Ich denke, es ist die beste Art, es zu tun“, sagte Britten. „Wir wollen niemandem Angst machen, aber wir wollen ein Gefühl der Dringlichkeit.“

Tatsächlich ist dieser Vorfall nicht deshalb bemerkenswert, weil Schüler und Eltern nicht wußten, daß es sich um eine Übung handelte – und auch die Lehrer erst kurz vorher in Kenntnis gesetzt wurden. Weitaus entscheidender ist hier das Vorgehen der Beamten. Hätte es sich nicht um eine Übung gehandelt, hätten sie die Schule mit geladenen, gezogenen und vermutlich entsicherten Waffen gestürmt. Angesichts der Tatsache, daß viele US-Soldaten nach Ende ihrer Dienstzeit auch den Weg in die Polizei finden und der üblichen Vorgehensweise im Irak angesichts von „Gefahren“ ist der Gedanke, daß das nächste Massaker an einer US-Schule durch einen Polizeibeamten im Einsatz begangen wird, sicherlich naheliegend.

Von einem besonnenen, der Situation angepaßten Vorgehen hätten sich die Polizisten nur noch durch „vorbeugende“ Warnschüsse in die Decke weiter entfernen können. Der Gedanke, dies zu kritisieren, ist aber offenbar auch den Eltern der Kinder nicht gekommen. Deutlicher könnten sie kaum zeigen, wie alltäglich derartige Behördengewalt ist.
www.freace.de

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