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Seymour Hersh über das US-Militär, Mörderischer denn je

November 2, 2006

Seymour Hersh ist nicht irgendjemand. Er ist der Journalist, der vor nunmehr fast 40 Jahren das Massaker von US-Soldaten in dem vietnamesischen Dorf My Lai aufdeckte. Seitdem ist er der Stachel im Fleisch aller folgenden US-Regierungen geblieben, in jüngster Vergangenheit beispielsweise durch seine Beteiligung an der Enthüllung der Folterungen im Gefängnis Abu Ghurayb im Irak.

Auch wenn die bloße Zahl der von US-Soldaten im Irak und in Afghanistan begangenen Kriegsverbrechen – von der Erschießung von Verwundeten bis hin zu der mörderischen „Offensive“ gegen die Stadt Fallujah und der Erschießung von Flüchtlingen – ohnehin kaum einen anderen Schluß zuließe, so ist es doch bedeutend, wenn Hersh das US-Militär als schlimmer denn je bezeichnet, weiß er doch nur zu genau, was in Vietnam geschehen ist.Bei einem eineinhalbstündigen Vortrag machte er am Mittwoch der vergangenen Woche im kanadischen Montreal einem Bericht der McGill Daily vom Montag zufolge deutlich, wie er die Situation derzeit einschätzt.

„Bei Vietnam kamen unsere Soldaten zurück und sie wurden als Baby-Mörder beschimpft, mit Schande und Erniedrigung“, sagte Hersh. „Das geschieht jetzt nicht, aber ich sage Ihnen – es hat niemals eine [amerikanische] Armee gegeben, die so gewalttätig und mörderisch ist, wie unsere Armee im Irak.“

Tatsächlich berichtete er auch von bisher unveröffentlichten Filmaufnahmen weiterer Kriegsverbrechens von US-Soldaten.

„Drei bewaffnete Fahrzeuge, jeweils mit acht Soldaten, fahren durch ein Dorf, verteilen Süßigkeiten an Kinder“, erzählte Hersh. „Plötzlich explodiert das erste Fahrzeug und Soldaten schreien. Sechzehn Soldaten kommen aus den anderen beiden Fahrzeugen und sie tun, was man ihnen gesagt hat, was nach laufenden Menschen Ausschau zu halten. Macht nichts, daß die Bombe per Fernsteuerung gezündet wurde“, so Hersh weiter. Die Soldaten „eröffnen das Feuer; Kameras zeigen, daß es ein Fußballspiel war. Etwa zehn Minuten später beginnen [die Soldaten], Leichen zusammenzuziehen und sie legen Waffen daneben. Es wurde an dem Tag als 20 bis 30 getötete Rebellen berichtet.“

Hersh ließ in dem Vortrag auch keinen Zweifel an seiner Meinung zu US-Präsident George W. Bush und seinem Kabinett.“In Washington kann man keinerlei Vernunft erwarten. Ich weiß nicht, ob er im Irak ist, weil Gott es ihm gesagt hat, weil sein Vater es nicht getan hat oder weil es der nächste Schritt in seinem 12-Punkte-Programm der Anonymen Alkoholiker ist“, so Hersh, der sich überzeugt zeigte, daß acht oder neun Regierungsmitglieder mit einer „neokonservativen Agenda“ für den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak verantwortlich sind.

„Wir haben einen zusammengebrochenen Kongreß, wir haben eine zusammengebrochene Presse. Das Militär wird tun, was der Präsident will“, sagte Hersh. „Wie zerbrechlich ist die Demokratie in Amerika, wenn ein Präsident mit einer von einigen Anhängern eines Kultes kontrollierten Agenda kommen kann?“

Hersh zeigte sich in seinem Vortrag auch überzeugt, daß die USA den Iran angreifen werden und sich die Lage im Irak weiter verschlechtern wird.

„Es gibt keinen Grund, einen Politikwechsel im Irak zu sehen. Bush glaubt, daß er in zwanzig Jahren als der Führer anerkannt werden wird, der er war – die Analogie, die er benutzt ist Churchill“, sagte er. „Wenn man die öffentlichen Erklärung der Führung liest, sie sind so zuversichtlich und ruhig… Es ist ziemlich unheimlich.“
www.freace.de

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