Skip to content

Provokationen, Fernsehbericht zum Fall al-Masri

Oktober 31, 2006

Am Montag strahlte der zur deutschen ARD gehörende SWR in der Sendung „Report Mainz“ einen Bericht aus, der überdeutlich den Eindruck eines Entschuldigungsversuchs für die Entführung und Folterung des Deutschen Khalid al-Masri durch die CIA erweckte.

In dem Beitrag hieß es unter Berufung auf das Landeskriminalamt Baden-Württemberg, al-Masri sei „als Befürworter des militärischen Jihad bekannt“ gewesen. Daß al-Masri durch seinen Anwalt gegenüber dem „Stern“ erklären ließ, dieser Vorwurf sei „absurd“, sei hier nur am Rande erwähnt. Zahlreiche der Redaktion der Sendung als auch dem „Stern“ vorliegende „geheime Dokumente“ – bei dieser Art der Geheimhaltung scheint es durchaus „Ausnahmen“ zu geben – belegen demnach, daß al-Masri „stärker in die islamistische Szene verstrickt“ sei „als bislang bekannt“. Er sei „Kontaktperson zu allen Gefährdern“ aus dem Raum Ulm gewesen und gar „Reden des Osama bin Laden“ aus dem Internet heruntergeladen.

Erscheint schon die Berufung auf nicht gar so geheime Geheimpapiere zumindest fragwürdig, so wurde dies durch die Aussage eines vorgeblichen Ulmer Taxifahrers noch bei weitem überboten. Dieser sagte vor laufender Kamera, aber ohne Namensnennung und nur von hinten gefilmt aus, er erinnere sich, im Sommer 2001 Mohammed Atta und Said Bahaji gefahren zu haben. Mehr noch, er wußte jetzt – über fünf Jahre später – noch immer, daß sie ihm damals erzählten, sie seien aus Afghanistan gekommen und bei dem Ulmer Arzt al-Attar zur Besuch.

Klaus Jansen, Vorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter, hat dieser Aussage „eine hohe Glaubwürdigkeit“ bescheinigt. Tatsächlich dürfte dieser ungenannte Taxifahrer für jeden Neurologen angesichts dieser Gedächtnisleistung ein höchst interessantes Forschungsfeld darstellen.

Die Zielsetzung dieses Beitrags scheint offensichtlich. Zwar betonte Moderator Fritz Frey am Ende des Beitrags, die Entführung al-Masris sei zu verurteilen, tatsächlich erschien der gesamte Beitrag allerdings wie ein Versuch der Entschuldigung für die Entführung und langjährige Folter al-Masris durch die CIA – als auch der Untätigkeit der deutschen Behörden hinsichtlich seiner Freilassung.Deutlich wurde hier zweifellos Jansen.

„Al-Masri ist vielleicht auch Opfer, aber er ist mit Sicherheit auch eine interessante Person im Geflecht der Islamisten in Deutschland. Dieser Mann ist nicht zufällig auch in das Fadenkreuz der amerikanischen Ermittlungsbehörden gekommen“, sagte er.

Dies erinnert in fataler Weise an die bei Vergewaltigern so beliebte Entschuldigung, das Opfer habe die Tat durch „aufreizende Kleidung“ und „aufreizendes Verhalten“ selbst provoziert.

Die Entführung und Folterung al-Masris durch die CIA und vermutlich sogar unter Mitwirkung deutscher Beamter ist ein Verbrechen. Wer hier glaubt, „Gründe“ für ein solches Verbrechen suchen zu müssen und finden zu können, muß sich die Frage nach seiner Motivation zweifellos gefallenlassen.

No comments yet

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: