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Wahlkampf in Minnesota, Keith Ellison – der erste Moslem im US-Kongress?

Oktober 27, 2006

Keith Ellison will Abgeordneter im neuen US-Kongress werden. Er tritt in Minnesotas größter Stadt, Minneapolis, für die Demokraten an. Sein Wahlkreis ist zu drei Vierteln weiß und kleinbürgerlich. Ellison selbst ist schwarz – und Moslem.

Von Frank Aischmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Es ist ein freundlicher Samstagvormittag im Frühherbst im Stadtpark von Minneapolis – die Demokraten haben zum Wahlkampfrühstück geladen. Allzu viele sind nicht gekommen, aber die vielleicht 20 Engagierten jubeln jenem untersetzten Mann mit kurzen Haaren und Brille zu, der selbst hierher in den Mittleren Westen verlässlich Kamerateams aus aller Welt zieht.

Keith Ellison (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Keith Ellison will eigentlich nicht darüber sprechen, warum er zum Islam übergetreten ist. Aber wäre er sonst überhaupt so interessant für die – auch internationale – Öffentlichkeit?]
Nicht, weil er als Anwalt und Lokalpolitiker gelernt hat, durchaus charismatisch aufzutreten. Nicht nur, weil er bei den Kongresswahlen am 7. November das als „unentschieden“ geltende Minnesota für die Demokraten holen soll. Sondern vor allem, weil Keith Ellison der erste Moslem der Geschichte im US-Kongress werden könnte. Ein zum Islam übergetretener Schwarzer in einem zu drei Vierteln weißen, kleinbürgerlichen Wahlkreis.

Ellison sagt über seinen Wahlkreis: „Die Leute hier geben dir eine Chance, sie schauen auf deine Ideen und deine Fähigkeiten zu urteilen und zu entscheiden. Das ist für sie wichtiger als deine sexuelle Orientierung, deine Hautfarbe oder deine Religion.“ Die Leute interessiere am Ende nur eins: „Bleibst du deinen Werten treu, wenn du es nach Washington schaffst?“

Ungern beantwortet: Fragen nach Religion

Weil er aber dicht davor ist tatsächlich Kongressabgeordneter zu werden, hält sich Keith Ellison mit allem zurück, was Wähler jetzt noch vergraulen könnte. Er braucht Stimmen und er braucht Geldspenden für den Wahlkampf. Seine Aussagen sind eingeübt und ausgewogen und sie werden kürzer, wenn es um seine Religion geht.

Warum hat er mit 19 Jahren seinen christlichen Glauben zu Gunsten des Islam aufgegeben? Warum verteidigte er damals in einem Aufsatz Louis Farrakhan, den immer wieder mit antisemitischen Sprüchen auffallenden Boss der „Nation of Islam“. Eine Jugendsünde sei das gewesen, sagt Keith Ellison und möchte lieber über seine politischen Ziele für den Fall sprechen, dass er an die Schalthebel in Washington gewählt wird.

Irak-Krieg als Thema Nummer eins

Keith Ellison (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Kandidat des fünften Wahlkreises von Minnesota, Keith Ellison.]
„Ich will helfen unsere Truppen aus dem Irak zurückzubringen“, spricht er das bestimmende Thema das Wahlkampfs an. Und „ich möchte eine allgemeine Krankenversicherung mit durchsetzen, wie sie ja auch in Deutschland funktioniert. Hier bei uns sind 47 Millionen Menschen unversichert und werden nur im Notfall versorgt, das müssen wir ändern.“ Auch die Mindestlöhne seien seit fast zehn Jahren nicht mehr angehoben worden, „wir haben also jede Menge zu tun“.

Glaube und „nach vorne schauen“ hilft

Je näher der November-Wahltermin rückt, desto persönlicher werden die Angriffe auf die Konkurrenz. Bei unentschiedenen Wählern kann die Charakterschwäche eines Kandidaten den Ausschlag geben. Keith Ellison ist da ein gutes Ziel, gegen ihn wurde zum Beispiel wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Der Kandidat sagt dazu: „Das ist eine Schmutzkampagne gegen mich und ich bedaure natürlich alle meine persönlichen Verfehlungen der Vergangenheit. Ich habe mich dafür entschuldigt und nun blicke ich nach vorn.“

Nach gut fünf Minuten endet die improvisierte Pressekonferenz im Stadtpark in Minneapolis. Und Keith Ellison findet auch noch eine diplomatische Antwort auf die Frage, wie sehr es ihn eigentlich nerve, hauptsächlich als möglicher erster Moslem im US-Kongress wahrgenommen zu werden. „Wäre ich kein Moslem würdet ihr Medienleute gar nicht mit mir reden wollen. Mein Glaube hilft mir also irgendwie meine Botschaft der Toleranz und der Teilhabe zu verbreiten.“

Grafik: Das Kapitol in Washington

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