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Katzav droht Klage wegen sexueller Nötigung

Oktober 16, 2006

Ermittler empfehlen Anklageerhebung

Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, illegales Abhören, Betrug: Die Liste der möglichen Anklagepunkte gegen Israels Staatspräsidenten Katzav ist lang. Nach Abschluss monatelanger Ermittlung hat die Polizei nun empfohlen, Anklage gegen Staatspräsident Katzav zu erheben. Katzav sagte seine Teilnahme an der heutigen Parlamentssitzung wegen der Vorwürfe ab.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Mosche Katzav (Archivbild) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Schwere Vorwürfe gegen Israels Staatsoberhaupt Mosche Katzav (Archivbild)]
Jetzt wird es eng für den israelischen Staatspräsidenten: Sonderermittler der Polizei haben Israels Generalstaatsanwalt empfohlen, Mosche Katzav wegen Vergewaltigung, sexuellem Missbrauchs, illegalem Abhören, Betrugs, Vertrauensmissbrauchs und Unregelmäßigkeiten bei der Verteilung von Geschenken anzuklagen. Es gibt nach dem Urteil der Polizei ausreichende Beweise dafür, dem Staatspräsidenten den Prozess zu machen.

Der schwerwiegendste Vorwurf der Ermittler: Der 60-jährige Katzav soll zwei Frauen vergewaltigt haben. Wie israelische Medien unter Berufung auf den vertraulichen Polizeibereicht weiter melden, seien sich die Strafermittler sicher, dass das Beweismaterial für eine Anklageerhebung ausreicht. „Wenn der Präsident wüsste, was ich weiß, hätte er längst seinen Rücktritt erklärt und der Öffentlichkeit und sich selbst große Schande erspart“, zitiert etwa die Tageszeitung „Haaretz“ einen hochrangigen Mitarbeiter des Justizministeriums.

Ermittler: Es gibt viele Beweise

Die Vergewaltigungen habe Katzav, der bis zur seiner Wahl zum Staatspräsident im Jahr 2000 über zwei Jahrzehnte für den rechtsgerichteten Likud im Parlament saß, während seiner Zeit als israelischer Tourismusminister begangen. Zwei damalige Mitarbeiterinnen seien von ihm missbraucht worden. Die Frauen seien glaubwürdig, es gebe zu diesen Vorwürfe „viele Beweise“, wie die Ermittler glauben.

Eine Hauptbelastungszeugin, die in der israelischen Öffentlicheit nur unter dem Buchstaben „A“ bekannt ist und ein Jahr im Präsidialbüro gearbeitet hatte, sagte nach Bekanntgabe der Ermittlungsergebnisse: Sie sei sehr erleichtert, dass die Polizei ihr und nicht dem Präsidenten geglaubt habe. Katzav habe sie in den Diensträumen dreimal zum Sex gezwungen. Insgesamt hatten sich zehn Frauen bei der Polizei gemeldet und Katzav beschuldigt, sie sexuell belästigt und bedrängt zu haben.

Zudem hat die Polizei nach Informationen israelischer Medien Beweise dafür, dass Katzav als Staatspräsident illegal die Telefone seiner Mitarbeiter abhören ließ: Um herauszubekommen, wie immer wieder neue Details der Ermittlungen gegen ihn an die Öffentlichkeit gelangen konnte, habe Katzav die Telefongespräche belauschen lassen. Ferner hätten er und einige seiner Vertrauten sich schuldig gemacht, Zeugen zu beeinflussen und zu verängstigen.

Drohte Katzav den Opfern?

Obgleich die Ermittlungen in diese Richtung noch nicht abgeschlossen sind, geht die Polizei davon aus, dass Katzav auf die Frauen, die gegen ihn aussagen wollten, massiven Druck ausgeübt hat: Die Frauen sollen regelrecht bedroht worden seien – eine von ihnen habe aus Angst vorübergehend Israel verlassen und sei ins Ausland geflüchtet.

Der Staatspräsident, der eine rein protokollarische Funktion ausübt, ließ – wie schon seit Bekanntwerden der Ermittlungen vor einigen Wochen – seinen Anwalt mitteilen, dass die Schlussfolgerungen der Polizei nicht zulässig seien. Einen Rücktritt hat Katzav bislang ausgeschlossen. Die Entscheidung, ob erstmals in der israelischen Geschichte ein Staatspräsident angeklagt werden wird, liegt nun bei Generalstaatsanwalt Masus.

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6006424_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html

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