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Zwischen Empörung, Entsetzen und Verleugnung, Reaktionen auf die Explosion in Nordkorea

Oktober 11, 2006

Am Montag kündigte die Regierung Nordkoreas einen Atomwaffentest an. Kurz darauf verzeichneten die Sensoren zahlloser Staaten tatsächlich eine massive Explosion auf nordkoreanischem Staatsgebiet. Erste Schätzungen sprachen von einer Sprengkraft von 0,5 bis 15 Kilotonnen TNT.

Trotz dieser gewaltigen Explosion – selbst die niedrigste Zahl ginge hier immer noch von der zeitgleichen Zündung von 500 Tonnen konventionellen Sprengstoff aus – wollen die USA bisher nicht „ausschließen“, daß es sich nur um ein Täuschungsmanöver Nordkoreas handelt.

Andererseits sind es aber auch die USA, die nicht müde werden, von der „Bedrohung für den Weltfrieden“ durch diesen Test zu reden – angesichts mehrerer von den USA geführter völkerrechtswidriger Angriffskriege ein zweifellos mutiger Standpunkt. Tatsächlich hatte Nordkorea bereits im April 2003 bei Verhandlungen offiziell erklärt, im Besitz von Atomwaffen zu sein, so daß der neun erfolgte vermutliche Test kaum als grundlegende Neuigkeit zu bezeichnen ist.

Die USA betonen außerdem, daß weniger der nordkoreanische Besitz von Atomwaffen, sondern vielmehr die „Gefahr“, diese könnten an „andere Länder“ oder gar an „Terroristen“ weitergegeben werden, eine Gefahr darstelle. Aufgrund dieser „Befürchtungen“ drängen die USA derzeit zu scharfen internationalen Sanktionen gegen Nordkorea. Zwar hat Nordkorea in der Vergangenheit mehrfach Militärtechnik in Länder ausgeführt, die von den USA – wie Nordkorea selbst – der von den USA definierten „Achse des Bösen“ zugerechnet werden, hierbei wurde aber nicht gegen internationale Bestimmungen verstoßen, was auch dazu führte, daß aufgebrachte Schiffe mit entsprechenden Ladungen wieder freigegeben werden mußten.

Die Tatsache, daß nun ein weiteres Land unwiderruflich belegt hat, daß es im Besitz von Atomwaffen ist – es scheint wenig wahrscheinlich, daß ausgerechnet das schon bisher durch harte Sanktionen ausgehungerte Land hierfür mindestens 500 Tonnen Sprengstoff gezündet und dies technisch auch bewältigt hat – ist zweifellos zu bedauern. Andererseits ist die offensichtliche Wirkung dieser Waffen nicht zu unterschätzen. Bisher wurde in der Geschichte kein Land, das sich im Besitz von Atomwaffen befindet, durch einen anderen Staat angegriffen.

Dies soll auch im Fall Nordkoreas offenbar trotz der vorgeblichen Gefahr nicht geschehen. Vielmehr fordern die USA noch drastischere Sanktionen gegen das Land. Sanktionen, die wiederum die Bevölkerung und zuallerletzt Regierung und Militär treffen würden. Letztlich könnten es genau diese Wirtschaftssanktionen sein, die die nordkoreanische Regierung zwingen könnten, Nukleartechnologie oder gar Atomwaffen an den „Meistbietenden“ zu verkaufen, um das Volk zu ernähren.

Da dies auch den USA klar sein muß, stellt sich hier unweigerlich die Frage, ob eine solche Entwicklung durchaus beabsichtigt ist. Der Verweis auf den Atomwaffensperrvertrag läuft hinsichtlich Nordkoreas vollständig ins Leere, da es seit Januar 2003 nicht mehr Mitgliedspartei des Vertrages ist. Das internationale Stillschweigen, mit dem dem israelischen Besitz von Atomwaffen begegnet wird, sollte hier außerdem kaum geeignet sein, die Position der USA zu stärken.

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