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Schlaue Christen, dumme Muslime – was Karl May über den Islam dachte

Oktober 6, 2006

Die Romane des Hohenstein-Ernstthalers sind voller Stereotpye – ganz im Trend der damaligen Zeit

Hohenstein-Ernstthal/Radebeul. „Winnetou“, „Old Shatterhand“ und „Der Schatz im Silbersee“: Karl May ist bekannt und beliebt für seine Wildwest-Romane. Weniger bekannt ist sein Orient-Zyklus: Darin verbreitete der Romancier ein Islambild, das bis heute nachwirkt. Muslime gelten als rückständig und gewalttätig. „Nirgends lässt sich so gut illustrieren wie an den orientalischen Erzählungen und Romanen von Karl May, was der deutsche Kleinbürger über den islamischen Orient zu wissen glaubt“, sagt der Theologieprofessor Thomas Naumann aus Siegen.

Karl May hatte eine begnadete Fantasie. Die meisten Landstriche, Völker und Tierarten, die er beschrieb, hat er nie mit eigenen Augen gesehen. Das tat Abenteuerlust und Fernweh bei Generationen von eifrigen Lesern keinen Abbruch. Jedoch sind die Figuren aus Mays fesselnden Erzählungen oft ziemliche Stereotype, vor allem die Muslime.

Hadschi Halef Omar als einfältigen Türken gezeichnet

Kara Ben Nemsi ist der christliche Held der Erzählung „Mater dolorosa“ aus dem Jahr 1892. Er kann nicht nur besser kämpfen als seine muslimischen Gegner. Sondern er ist auch viel gebildeter. Hadschi Halef Omar dagegen ist der einfältige und komische Türke. So wie Kara Ben Nemsi der Kontrastfigur Hadschi weit überlegen ist, so ist es auch sein Gott: Jesus ist der Gott der Liebe. Allah hingegen der Gott der Gewalt, Wüstendämon eines unterentwickelten Volkes. „Die Muslime sind bei May brutal, rückständig und lasterhaft, und sie sind Verlierer“, sagt die Hamburger Islamwissenschaftlerin Karin Hörner. So muss Hadschi am Ende des Romans eingestehen, dass er einem dürftigen Glauben angehangen hat: „Sihdi, einst wollte ich dich zum Moslem machen; es ist das Gegenteil erfolgt. Auch ich glaube, dass das Kreuz mächtiger ist als Mohammed.“

An anderer Stelle, in Karl Mays Roman „Im Lande des Mahdi“ (1893) erläutert Kara Ben Nemsi, woher die Sichel als Symbol für den Islam stammt. Von Mohammeds blutigem Krummsäbel, so seine Begründung. Das ist zwar falsch, aber einprägsam. Das Symbol leitet sich von der Mondsichel her, den Krummsäbel gab es zur Zeit des Propheten noch gar nicht. Der Islam wird als Religion dargestellt, die sich vorzugsweise mit Hilfe des Schwertes verbreitet. Während die Christen die Vernunft auf ihrer Seite haben. Hörner: „Wie in der mittelalterlichen Polemik ist Mohammed bei May ein Gewaltmensch und Ketzer.“

„Karl May hat nur die Vorurteile seiner Zeit transportiert“

Die Deutsche Karl-May-Gesellschaft aus dem sächsischen Radebeul nimmt den Autor freilich in Schutz. „Karl May hat nur die Vorurteile seiner Zeit transportiert“, sagt Geschäftsführer Hans Grunert. Dazu gehört, dass die Deutschen wenig Kontakt hatten zu Muslimen. Sie wurden nie vom Islam beherrscht wie Spanien. Auch hatten sie keine Kolonien in islamischen Ländern wie die europäischen Nachbarn. Im Alter habe Karl May den Orient bereist und in seinem Spätwerk viel freundlichen über den Islam geschrieben, betont Grunert: „Aber es macht sich ja keiner die Mühe, dort nachzuschauen.“

Um Aufklärung bemühen sich auch Religionspädagogen und Religionslehrer. So gibt es ganze wissenschaftliche Abhandlungen über des Islam-Bild Karl Mays und dessen Wirkungsgeschichte. Selbst in einigen Lehrplänen für den Religions- oder Ethikunterricht hat das Thema schon Einzug gehalten. Der Abbau von Vorurteilen soll zum Verständnis der Religionen untereinander beitragen. (epd)

Von Christoph Urban
quelle: http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/KULTUR/688849.html

4 Kommentare leave one →
  1. Oktober 6, 2006 10:01 am

    Ich will mal hinzufügen, dass er über die Indianer ungefähr die gleichen Stereotype verbreitet hat.

  2. griller permalink
    März 25, 2007 2:10 am

    Nee, hat er nich. Er beschreibt die Indianer oft als Edelmenschen.

    Und Hadschi Halef Omar ist ein Araber, kein Türke (ausserdem beschreibt er ihn nicht als einfältig sondern pfiffig). Schlecht recherchiert, Herr Urban.

  3. Paul permalink
    Februar 25, 2009 4:50 pm

    Sorry, auch wenns politisch unkorrekt ist. Diese Klischees sind leider in meinen Augen alle wahr. (Selbst erfahren)

  4. bundesbedenkentraeger permalink
    Oktober 19, 2016 1:06 pm

    Ja, es gibt bei May rückständige, lasterhafte Muslime, aber eben solche Christen ebenfalls. Im Roman „Weihnacht“ gerät Old Shatterhand mit einem „Prediger“ aneinander, der sehr an heutige Fundamentalisten erinnert. In „Und Friede auf Erden“ beschreibt er, wie sich die als Herrenmenschen aufspielenden Europäer und Amerikaner verhalten gegenüber den Muslimen im Orient, und da bekommen die Christen deutlich schlechter weg.
    Übrigens war dieser Band eine Auftragsarbeit „von oben“, mit der die deutsche Überlegenheit demonstriert werden sollte. Daß May diesen Band dann so ausgestaltet, daß er das Gebahren der Kolonisatoren (implizit auch der Deutschen) deutlich kritisiert – und das in der gesellschaftlichen Situation damals – kann man ihm nicht hoch genug anrechnen.
    Man bedenke, wie viele Kulturschaffende sich dagegen mit der Macht arrangierten und keine Kritik äußerten.
    Sicher hat May Vorurteile bedient, und sicher war er auch nicht frei davon. Wer aber ein bißchen May gelesen hat (und weiß, daß der Hadschi Halef Omar kein Türke, sondern „freier Araber“ ist und Scheik der Haddedin vom Stamme der Schamar und daß Hadschi eben nicht sein Name ist, sondern der Titel des Mekkapilgers), dem dürfte es schwer fallen, einen Text wie den obigen zu schreiben.

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