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Hilfe! Friedenstreiber!, Der Weg in den Frieden für Israel

September 19, 2006

Uri Avnery
Übersetzung Ellen Rohlfs

Raten Sie, wessen Worte dies sind: „Diesen Krieg anzufangen, war ein Skandal … Es wäre möglich gewesen, das Problem mit den Raketen im Süd-Libanon mit diplomatischen Mitteln zu lösen … Die Offensive der letzten zwei Kriegstage, in der 33 Soldaten getötet wurden, nachdem die Resolution der Feuerpause schon akzeptiert worden war, war reine Propaganda des Premierministers … Der Premierminister, der Verteidigungsminister und der Generalstabschef müssen zurücktreten…“

Richtig, es war Gush Shalom.

Aber das ist nichts neues. Neu ist, daß der frühere Generalstabschef Moshe Ya’alon diese Aussagen am Freitag fast Wort für Wort wiederholt hat.

„Bogie“ Ya’alon ist das absolute Gegenteil von Gush Shalom. Keiner käme auf die Idee, zu sagen, er gehöre einer „Randgruppe“ an. Er kommt mitten aus dem Zentrum des Establishments. Er ist ein Rechter. Er war verantwortlich für einige der grausamsten Akte der Besatzung.

Es gibt noch einen Unterschied: Gush Shalom sprach dies aus, als das Geschehen noch voll im Gange war, mitten im Krieg, als es noch möglich gewesen wäre, das Leben der 33 Soldaten zu retten. Zu jener Zeit waren diese Aussagen äußerst unpopulär, an der Grenze zum Verrat. Weil kein israelisches Medium bereit war, sie zu veröffentlichen, mußte Gush Shalom für sie als Werbeanzeigen bezahlen. Jetzt kommt Ya’alon und wiederholt sie, nachdem sich der Wind gedreht hat und sie populär geworden sind.

Ya’alons Motive sind nicht wichtig. (Wie man sich vielleicht erinnert, hatte Ariel Sharon ihn vor einem Jahr seines Postens enthoben und ihn durch Dan Halutz ersetzt, um den Weg für den „Abzug“ zu erleichtern.) Wichtig ist, daß dies nun von einer Person mit höchster militärischer Glaubwürdigkeit gesagt wurde. Wenn solch eine Person erklärt, daß 33 Soldaten für keinen militärischen Zweck geopfert worden sind, sondern nur für die persönlichen Interessen Ehud Olmerts, daß der Krieg an sich ziemlich unnötig war und daß das Problem der Raketen der Hizb Allah mit diplomatischen Mitteln hätte gelöst werden können – dann haben sie Gewicht.

Das ist nicht nur wichtig in Bezug auf das, was vor ein paar Wochen geschah, als die Führung davon sprach, an unserer nördlichen Grenze lauere eine schreckliche Gefahr, sondern ist heute noch wichtiger, wenn dieselbe Führung vor einer noch größeren „Bedrohung“ von woanders warnt.

In den Korridoren der Macht in Jerusalem wird ein Schrei laut: „ Hilfe! Frieden nähert sich dir, Israel!“

Ein schrecklicher Feind hat sich verschworen, uns Frieden aufzuzwingen. Er nähert sich uns von zwei Seiten in einer großen Zangenbewegung.

Ein Arm dieser Offensive ist die palästinensische Einheitsregierung, die gerade aufgebaut wird.

Der andere ist die Entscheidung der Arabischen Liga, den arabischen Friedensplan wiederzubeleben.

Vom Gesichtspunkt der Regierung Israels aus gesehen ist diese Offensive weit gefährlicher als alle Raketen Hassan Nasrallahs zusammen.

Die palästinensische Regierung der Nationalen Einheit ist dafür bestimmt, zuallererst die internen palästinensischen Probleme zu lösen.

Seit das palästinensische Volk Hamas gewählt hat, herrscht auf der palästinensischen Straße Anarchie. Die ständigen Auseinandersetzungen zwischen dem Präsidenten, der der Fatah vorsteht, und dem Premierminister, der zur Hamas gehört, haben einen Zustand der Lähmung geschaffen, zu einem Zeitpunkt, da das palästinensische Volk angesichts der existentiellen Herausforderungen Einigkeit benötigt.

Die Fatah dominiert die moderne palästinensische Nationalbewegung seit ihrer Gründung durch Yasser Arafat vor fast 50 Jahren. Sie hat sich mit der Niederlage nicht abgefunden. Aber ein Volk, das um seine reine Existenz kämpft, kann es sich nicht erlauben, daß seine beiden Hauptgruppierungen gegen einander kämpfen, statt in dem Ringen um die nationale Befreiung zusammenzuarbeiten.

Dem muß die Blockade hinzugefügt werden, die der palästinensischen Behörde durch Europa und die USA auf Befehl von Präsident Bush auferlegt wurde. Dies ist ein noch nie dagewesener Versuch, ein ganzes Volk buchstäblich auszuhungern, damit es seine demokratisch gewählte Regierung absetzt.

Die nationale Einheitsregierung ist dafür bestimmt, die öffentliche Ordnung wiederherzustellen und die internationale Blockade aufzubrechen.

Damit dies geschieht, muß die Regierung einige Hindernisse umgehen. Aus religiösen Gründen ist es für die Hamas schwierig, Israel offiziell anzuerkennen. Dies hat nichts mit Antisemitismus zu tun, wie behauptet wird, sondern mit der Tatsache, daß nach dem Islam das Land Palästina ein „Waqf“ (religiöse Stiftung) ist, die Allah gehört (ähnlich dem Glauben der jüdischen Fundamentalisten, daß Gott das Land uns versprochen hat, so daß es eine Todsünde ist, jeglichen Teil davon wegzugeben). Aber die muslimische Religion öffnet hier eine Hintertür, indem sie eine langfristige „Hudna“ (Waffenstillstand) möglich macht, die Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte dauern kann.

Der Weg, dieses Problem zu lösen, ist die von der Hamas angeführte Einheitsregierung dazu zu bringen zu erklären, daß sie sich dem „Gefangenen-Dokument“, den UN-Resolutionen, den zwischen Israel und der PLO unterzeichneten Abkommen und dem arabischen Friedenplan – die alle auf der Anerkennung Israels basieren – verpflichtet fühlt. Das sollte jedem genügen, der wirklich einen israelisch-palästinensischen Frieden fördern möchte.

Soweit dies unsere Regierung betrifft, liegt genau hier der Hase im Pfeffer.

Der zweite Zangenarm der Friedensoffensive ist die Wiederbelebung des arabischen Friedensplans.

Dieser Plan wurde ursprünglich von Abd Allah, dem damaligen Kronprinzen und jetzigen König von Saudi-Arabien, ersonnen. Er wurde beim Gipfeltreffen der arabischen Staatshäupter in Beirut im März 2002 verabschiedet.

Der Plan lautet grob gesagt: die ganze arabische Welt wird Israel anerkennen und mit ihm Frieden machen, wenn es sich auf die Grenzen von 1967 zurückzieht und die Schaffung eines palästinensischen Staates mit der Hauptstadt Ost-Jerusalem möglich macht.

Die israelische Regierung von Jerusalem hat diese Initiative sofort zurückgewiesen – im Hebräischen sagt man „auf der Schwelle“ (Jede Friedensinitiative wird „auf der Schwelle“ zurückgewiesen, um ihr, Gott bewahre, nicht zu gestatten, einen Fuß in die Tür zu setzen). Der Plan wurde in einer Schublade abgelegt, und verstaubt seitdem. Nun haben die bösen Araber entschieden, ihn abzustauben und ihn wieder auf den Tisch zu legen.

Gegen diese Gefahr der arabischen Friedenstreiber ruft die Olmert-Regierung alle Kräfte zusammen. Obwohl die ganze politische und militärische Führung damit beschäftigt ist, nach dem Libanon-Fiasko um ihr Überleben zu kämpfen, hat sie sich angesichts dieser erschreckenden Bedrohung zusammengeschlossen.

Tzipi Livni wurde Hals über Kopf in die Vereinigten Staaten geschickt, um die Gefahr abzuwenden. Sie ging, um Präsident Bush (der „zufällig“ den Raum betrat, als sie mit Condoleezza Rice sprach und der sie „Tsiffi“ nennt), davon zu überzeugen, das tödliche amerikanische Veto gegen eine Resolution des Sicherheitsrates, die den Frieden unterstützen könnte, anzuwenden. Sie wird sich mit über 20 anderen Regierungshäuptern und Außenministern treffen, um sich ihrer Unterstützung gegen diese Bedrohung zu versichern.

Zu diesem Zweck nahm sie aus dem Dachboden des Außenministeriums einen diplomatischen Fetzen mit, der „der Fahrplan“ genannt wird. Der israelischen Regierung war es nie auch nur in den Sinn gekommen, dieses Abkommen auszuführen, dessen einziger Zweck es von Anfang an war, den Eindruck zu erwecken, daß Präsident Bush im Mittleren Osten etwas erreicht habe. Aber alle Parteien wußten von Anfang an, daß es ein Dokument ist, das nicht ausgeführt werden kann.

Israel und die USA werden daher erklären, daß der arabische Plan den Frieden schädigt, weil er dem Fahrplan widerspricht. Die palästinensische Einheitsregierung, muß, wenn sie eingesetzt ist, boykottiert werden, weil nicht alle ihre Mitglieder ausdrücklich den Staat Israel anerkennen (als ob alle Mitglieder der israelischen Regierung bereit wären, den Staat Palästina und seine Regierung anzuerkennen, geschweige denn der Gewalt abzuschwören und alle bestehenden Abkommen zu akzeptieren). Deshalb muß die Blockade des palästinensischen Volkes weitergehen, bis es auf die Knie geht.

Warum erschreckt die Friedensoffensive die israelische Regierung?

Wenn jemand am 4. Juni 1967 gekommen wäre und uns erzählt hätte, daß die ganze arabische Welt bereit wäre, mit uns in den damals bestehenden Grenzen Frieden zu machen und daß auch die palästinensische Führung bereit wäre, den historischen Konflikt für beendet zu erklären, dann hätten wir uns gefühlt, als wäre der Messias gekommen.

Aber am 5. Juni 1967 begannen wir einen Krieg, der alles verändert hat. Wir hatten bald ganz Palästina und weite zusätzliche Gebiete unter Kontrolle. Wir erklärten damals, daß wir sie nur vorübergehend halten wollen, um mit ihnen zu handeln, aber wie allgemein bekannt, kommt der Appetit mit dem Essen. Wir begannen, Gebiete zu annektieren (Ost-Jerusalem mit seiner Umgebung und die Golan-Höhen) und die West Bank mit Siedlungen zu überziehen.

In den Augen der israelischen Führung ist die Friedensinitiative – jede Friedensinitiative – nichts als eine üble Verschwörung der Friedenstreiber, um uns der besetzten Gebiete zu berauben. Sie würde uns zwingen, das Siedlungsunternehmen abzubrechen – das seit 1968 nicht einen Moment unterbrochen wurde und auch jetzt in vollem Gange ist – und die bestehenden Siedlungen abzubauen.

Die Zangenbewegung der Friedenstreiber könnte an Fahrt gewinnen und internationalen Druck erzeugen, dem man nur schwer widerstehen könnte. Das ist der Grund für die Panik in Jerusalem.

Die arabische Friedensinitiative könnte erfolgreich sein, wenn sie der israelischen Öffentlichkeit direkt und eindeutig die Wahl vorlegt: Frieden ohne die besetzten Gebiete – oder die besetzten Gebiete ohne Frieden.

Nach sechs großen und mehreren kleineren Kriegen sollten wir eigentlich dazu neigen zu vermuten, daß der Blut- und Geldpreis viel zu hoch ist und – noch wichtiger – daß er keinen Sieg bringt, sondern die Last für die israelische Gesellschaft vervielfacht.

In den sechs Jahren der Torheit zwischen den Kriegen von 1967 und 1973 prägte Moshe Dayan den Satz: „Besser Sharm al-Sheikh [am südlichen Ende der Sinai-Halbinsel] ohne Frieden, als Frieden ohne Sharm al-Sheikh!“

Solche Sprüche kosteten das Leben von etwa 2.700 israelischen Soldaten (und wer weiß, wieviele Ägypter und Syrer) im Yom Kippur-Krieg. Später gaben wir Sharm al-Sheikh und den ganzen Sinai zurück und bekamen den Frieden mit Ägypten. Dayan selbst spielte bei der Erreichung dieses Friedens eine Rolle.

Wieviele Soldaten und Zivilisten – israelische und arabische – müssen denn noch sterben, bis wir endlich begreifen, daß Frieden mit dem palästinensischen Volk und der ganzen arabischen Welt für Israel unermeßlich wichtiger ist, als an den besetzten Gebieten und den Siedlungen festzuhalten?

2 Kommentare leave one →
  1. September 19, 2006 6:06 pm

    @Frieden im Nahen Osten …ob die deutsche Bundesmarine 2006 da Wunder bewirken kann? (vgl. Umfragen auf news-online.de)

  2. Juli 16, 2015 6:29 am

    Das Land Zions und Jerusalem wurde von mir der Tochter Zion, der Mutter der Völker genommen und Abraham dem Vater der Völker geschenkt. Melchisedek der König zu Salem segnete Abraham im Namen des Einen Gottes der zu Jerusalem angebetet wird.
    David gewann dann die Burg Zion und es ist Davids Stadt. Den Berg Zion von dem man alle Kriege der Welt aus Steuern kann machte er nachdem er die Kriege geführt hatte wie Gott es befahl zu einem Ganzopfer.
    Das Zepter des Königreichs über alle Völker auf Erden schenkte ich die Tochter Zion König David. Die Bundeslade wurde nach Zion gebracht. Den Segen hat der HERR zu Zion befohlen. Das Land das Israel gehört ist das das König David erobert hat. Jerusalem wird geteilt. Unter 12 Stämme Israels in ihren Ordnungen. Levi, Judas, Ephraim und Manassa gehen durch die Tore Zions und schaffen Ordnung darin.
    Ich habe vom Gott Israels den Eckstein erhalten, den Stein mit dem man Völker zermalmt.

    Ach käme doch die Hilfe aus Zion über Israel so würde Jakob sich freuen und Israel fröhlich sein.

    Die Kriegerin und Tochter Zion
    Audell Aiwa. Aiwa aus dem Munde Gottes der HERR HERR ZEBAOTH, DER GOTT ISRAELS.

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